Traditionelle Mittelmeerküche mit günstigem Einfluss auf die menschliche Darmflora [183]

Die traditionelle Mittelmeerküche gilt als Muster einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Sie zeichnet sich durch eine Fülle an Gemüsen, Früchten, und gesunden Fetten (z.B. Olivenöl, Nüsse) aus. Fisch, Geflügel und Rotwein werden moderat verwendet, rotes oder verarbeitetes Fleisch, Milchprodukte und Süßigkeiten hingegen kaum (1;2). Studien belegen, dass die traditionelle Mittelmeerkost besonders geeignet ist, Blutfettwerte zu verbessern und Entzündungen zu hemmen. Wissenschaftler erklären diese gesundheitsförderlichen Effekte auch aus dem günstigen Einfluss, den die mediterrane Ernährung auf die Zusammensetzung der menschlichen Darmflora hat (3).


Wissenschaftliche Details

Weit über zehntausend verschiedene Arten von Mikroorganismen sind bereits in der menschlichen Darmflora identifiziert worden. Im letzten Jahrzehnt wurden durch die technologischen Weiterentwicklungen 239 gastrointestinale Arten neu entdeckt. Trotz dieser hohen Vielfalt hat jeder Mensch nur 100 bis zu 1.000 (meist 150-200) verschiedene Mikroben-Arten als Teil der eigenen Mikrobenflora. Überwiegend sind dies Bakterien (ca. 99 %), aber auch Archaeen (Urbakterien), Protisten (eukaryotische, ein- bis mehrzellige Lebewesen), Pilze und Viren sind Teil dieses komplexen Ökosystems. Konnte sich in der sensiblen Entwicklungsphase der ersten 1.000 Lebenstage eine gesunde Mikrobenflora etablieren, so bleibt das gesunde Gleichgewicht der Mikroorganismen relativ stabil; wird es allerdings durch extremen Disstress gestört, sind physische und psychische Erkrankungen die Folge.

Die Zusammensetzung der menschlichen Darmflora, ist stark geprägt von der Ernährungsweise und lässt sich durch die Ernährung bedingt verändern. Westliche Ernährungsgewohnheiten etwa, die einseitig den Verzehr von rotem Fleisch, fettreichen Lebensmitteln und raffinierten Zucker bevorzugen, haben in den letzten Jahrzehnten die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm drastisch verändert (4;5). Es fehlen gerade die Mikroben, die zum Erhalt der Gesundheit beitragen.

Die Häufung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit, Depressionen, Allergien, Typ-2-Diabetes und von Autoimmunerkrankungen in den Industrieländern und jetzt zunehmend auch in Schwellenländern wird u.a. auch auf eine reduzierte Darmflora infolge einer Fehlernährung zurückgeführt.

Die Forschung sucht sich daher nach Ernährungsmustern, die die Darmflora stärken oder bereichern können (3). Dabei gewinnt neben dem Verzehr von Präbiotika [1] und Probiotika [2] nun die traditionelle Mittelmeerküche an Bedeutung. Richtungsweisend war eine Studie aus Italien mit irischer Beteiligung (6). Mikrobiologen um F. De Filippis et al. hatten die Auswirkungen der Ernährungsweise von Vegetariern und Veganern mit Effekten der westlichen und der traditionell mediterranen Kost verglichen. Sie bemerkten dabei, dass die Mehrheit der Vegetarier und Veganer und knapp ein Drittel der Vertreter des westlichen Ernährungsstiles Lebensmittel aus der traditionellen Mittelmeerküche bevorzugten. Je mehr der tägliche Speiseplan mit dem Konzept der Mittelmeerküche übereinstimmte, umso günstiger war die Darmflora der Studienteilnehmer zusammengesetzt. Stuhlproben zeigten, dass Probanden, die viel Gemüse und Obst konsumierten, vergleichsweise mehr kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) im Darm hatten. SCFAs (Acetat, Propionat und Butyrat) entstehen durch Fermentation als Abbauprodukt von Darmbakterien. . Sie haben protektive Eigenschaften und stehen im Zusammenhang mit der Risikosenkung von Krebs, kardiovaskulären und gastrointestinalen Erkrankungen.

Eine fleischreiche und fetthaltige Ernährungsweise wurde hingegen mit einer höheren Konzentration des entzündungsfördernden Tri-methylamine-N-Oxid (TMAO) nachgewiesen, die u.a. mit einem erhöhten Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen, Darmstörungen und sogar mit Darmkrebs assoziiert wird. Zwei Jahre zuvor hatte eine Vorläuferstudie ergeben, dass die traditionelle Mittelmeerküche hilft, Entzündungen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu hemmen, und diesbezüglich die Zusammensetzung der Darmflora günstig beeinflusst (7). Die Wissenschaftler betonen, dass der Mechanismus in der Wechselwirkung zwischen der Darmflora und ihren Trägern noch lange nicht entschlüsselt sein wird. Von den Ergebnissen hängt ab, welche Empfehlungen für die gesunde Ernährung abgeleitet werden. Es wird angenommen, dass die Steigerung des Konsums von Obst und Gemüse, selbst bei einer omnivoren Ernährungsweise helfen kann, eine gesunde Darmflora zu fördern.


Zum Weiterlesen

(1) Assmann-Stiftung für Prävention (2018):Mittelmeerkost. Online unter https://assmann-stiftung.de/mittelmeerkost/

(2) Assmann-Stiftung für Prävention (2013): Mittelmeerkost beugt kardiovaskulären Erkrankungen vor. Online unter https://www.assmann-stiftung.de/mittelmeerkost-beugt-kardiovaskularen-erkrankungen-vor/

(3) M. De Angelis et al. (2017): The food-gut human axis: the effects of diet on gut microbiota and metabolome. In: Current Medicinal Chemistry. Epub ahead of print. Online unter  http://www.eurekaselect.com/151984/article

(4) K. Rasnik et al. (2017): Influence of diet on the gut microbiome and implications for human health. In: Journal of Translational Medicine, Vol. 15, Nr. 1, S. 73. Online unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5385025/

(5) Assmann-Stiftung für Prävention (2016): Ballaststoffarme Ernährung kann die Vielfalt der Darmbakterien über Generationen hinweg irreversible reduzieren. Online unter https://www.assmann-stiftung.de/ballaststoffarme-ernaehrung-kann-die-vielfalt-der-darmbakterien-ueber-generationen-hinweg-irreversible-reduzieren-112/

(6) F. De Filippis et al. (2016): High-level adherence to a Mediterranean diet beneficially impacts the gut microbiota and associated metabolome. In: Gut, Vol. 65, Nr. 11, S. 1812–1821. Online unter http://gut.bmj.com/content/65/11/1812.long

(7) G. Marlow et al. (2013): Transcriptomics to study the effect of a Mediterranean-inspired diet on inflammation in Crohn’s disease patients. In: Human Genomics, Vol. 7, S. 24. Online unter https://humgenomics.biomedcentral.com/articles/10.1186/1479-7364-7-24

Fußnoten

[1] Lebensmittel, die unverdauliche Kohlenhydrate enthalten, wie z.B. Pastinaken, Chicorée, Artischocken etc.
[2] Lebensmittel, die lebende Mikroorganismen enthalten, wie z.B. Milchsäurebakterien in Joghurt

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