Rauchen

Rauchen erhöht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen

Jeglicher Tabakkonsum – direkt oder indirekt – schadet der Gesundheit. Dies beinhaltet das Rauchen von Zigaretten, Zigarren und Pfeifen, den Konsum von Tabakwaren “ohne Rauch”, z.B. Kautabak und Schnupftabak, und das Passivrauchen. Zwar basiert der epidemiologische Beleg für den gesundheitlichen Schaden von Tabakkonsum vorwiegend auf Studien mit Zigarettenrauchern, aber es ist nicht die Art von Konsum, sondern der Tabak selbst, der gesundheitsschädlich wirkt.

Rauchen erhöht das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall).

  • Das Risiko an Herzerkrankungen zu sterben, ist für Raucher dreimal so hoch wie für Nichtraucher [1].
  • Raucher haben im Gegensatz zu Nichtrauchern ein etwa 2- bis 4-fach erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Das Risiko für eine besondere Form des Schlaganfalls (subarachnoide Hirnblutung) ist sogar siebenfach erhöht [2;3;4].
  • Bei Frauen, die rauchen, versechsfacht sich das Risiko für einen Herzinfarkt im Vergleich zu Nichtraucherinnen.
  • Rauchende Männer erleiden dreimal häufiger einen Herzinfarkt als Nichtraucher [5].

Rauchen kann Lungenkrebs und verschiedene Atemwegserkrankungen verursachen und das Risiko für weitere Krebserkrankungen erhöhen, besonders in Gewebe und Organen, die in direktem Kontakt mit dem inhalierten Tabakrauch stehen (z.B. Mund-, Lippen-, Kehlkopf-, Rachen-, Speicheldrüsen- und Speiseröhrenkrebs). Rauchen beeinflusst aber auch die Entstehung von Krebs in Organen, die mit dem Tabakrauch in keinem direkten Kontakt stehen (z.B. Blasen-, Nieren-, Gebärmutterhals-, Brust-, Bauchspeicheldrüsen- und Dickdarmkrebs).

  • Raucher haben ein doppelt so hohes Risiko an Krebs zu sterben wie Nichtraucher [1]. Der Konsum von Tabakwaren ist die Hauptursache für Krebserkrankungen an Lunge, Kehlkopf (Larynx), Lippen, Mundhöhle, Rachen (Pharynx) und Speiseröhre (Ösophagus).
  • Bei Rauchern wird fünf- bis zehnmal häufiger Lungenkrebs festgestellt als bei Nichtrauchern.
  • Das Risiko für Mundhöhlenkrebs ist bei männlichen Rauchern sogar 27-fach und für Kehlkopfkrebs 12-fach erhöht.
  • Raucher bekommen im Vergleich zu Nichtrauchern dreimal häufiger Blasenkrebs [6], bis zu 1,5 mal häufiger Brustkrebs [7] und doppelt so häufig Pankreaskrebs [8].

Rauchen und Übergewicht erhöhen das Mortalitätsrisiko [9]

Im Rahmen der PROCAM-Studie wurden 10 856 männliche Raucher und Nichtraucher mittleren Alters auf den Zusammenhang von Body Mass Index (BMI) und Gesamtmortalität hin untersucht. Die Ergebnisse sind in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Altersstandardisierte Gesamtmortalitätsraten in Abhängigkeit vom BMI in Quintilen bei Männern mittleren Alters in der Münster Heart Study (PROCAM), modifiziert nach Schulte et al (1999) [9]

Die Abbildung zeigt die Gesamtsterblichkeit in Abhängigkeit vom BMI, differenziert zwischen Rauchern und Nichtrauchern. Allgemein ist ein Anstieg der Sterberate mit steigendem Körpergewicht zu verzeichnen. Insbesondere ist in dieser Abbildung allerdings sehr gut zu sehen, dass der Graph der Raucher auf einem bedeutend höheren Niveau als der der Nichtraucher liegt. So ist selbst bei Nichtrauchern mit Übergewicht das Mortalitätsrisiko geringer als bei normalgewichtigen Menschen, die rauchen. Rauchende Männer im niedrigsten Gewichtsquintil haben ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko, welches jedoch größtenteils durch eine erhöhte Mortalität aufgrund von Krebserkrankungen bei Rauchern erklärt werden kann. Eine erhöhte Mortalität aufgrund rauchbedingter Krebstodesfälle wurde auch in anderen Studien beschrieben [1].

Bei der PROCAM-Studie (Prospective Cardiovascular Münster Study) handelt es sich um eine große Beobachtungsstudie mit Schwerpunkt auf Herz- und Gefäßerkrankungen. Die klassische, prospektive Kohortenstudie wurde 1978 am Institut für Arterioskleroseforschung an der Universität Münster von Prof. Dr. G. Assmann initiiert und ist nach wie vor ein Meilenstein in der Erforschung kardiovaskulärer Erkrankungen. Von besonderer Bedeutung ist die Erkenntnis, dass das Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko nicht auf Basis eines einzelnen Risikofaktors bestimmt werden kann, sondern das Gesamtrisiko unter Berücksichtigung mehrere Risikofaktoren abgeschätzt werden muss. Diese Erkenntnis wurde in Form mehrerer PROCAM-Tests umgesetzt, mit denen das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bestimmt werden kann.


Passivrauchen ist gesundheitsgefährdend

Durch Passivrauch nimmt der Nichtraucher dieselben gesundheitsgefährdenden Substanzen auf wie der Raucher, mit dem gleichen Effekt – nur in einem geringeren Ausmaß. Passivrauchen ist mit folgenden Risiken verbunden:

Fehlentwicklungen während Schwangerschaft und Kindheit

  • vermindertes Wachstums des Fötus (geringes Geburtsgewicht oder Entwicklung entspricht nicht dem Schwangerschaftsstadium)
  • plötzlicher Kindstod
  • Fehlgeburten
  • gestörte Entwicklung von Wahrnehmung und Verhalten bei Kindern

Atemwegserkrankungen

  • bei Kindern: Bronchitis, Lungenentzündung, Auslösung und Verschlimmerung von Asthma, chronische Atemwegserkrankungen, Mittelohrentzündung
  • bei Erwachsenen: Irritationen der Augen und Nase
  • Verschlimmerung einer zystischen Fibrose
  • verminderte Lungenkapazität

Krebserkrankungen

  • Lungen- und Nasennebenhöhlenkrebs: Beispielsweise hat ein Nichtraucher, der mit einem Raucher zusammenlebt, ein 30 % höheres Risiko an Lungenkrebs zu erkranken, als ein Nichtraucher, der mit einem Nichtraucher zusammenlebt [10].
  • Gebärmutterhalskrebs

Kardiovaskuläre Erkrankungen

  • Morbidität und Mortalität von Herzerkrankungen: Das Risiko, an koronarer Herzkrankheit oder einem akuten Herzinfarkt zu sterben, ist bei Nichtrauchern, die mit Rauchern zusammenleben, um 30 % erhöht [11].
  • Das Schlaganfallrisiko ist bei Nichtrauchern, die passiv Rauch ausgesetzt sind, gegenüber Nichtrauchern ohne Tabakrauchexposition um 30% erhöht [12].

Die wiedergewonnene Gesundheit nach der letzten Zigarette

Nur durch einen dauerhaften Verzicht auf den Genuss von Tabakwaren kann das erhöhte Erkrankungsrisiko (siehe oben) deutlich gesenkt werden. Bereits 20 Minuten nachdem der Rauch der letzten Zigarette verflogen ist, setzen im Körper eine Reihe von Veränderungen ein, mit denen der ehemalige Raucher ein “neues” und gesünderes Leben beginnt. Die positiven Effekte nehmen zu, je länger der Zeitraum ist, in dem auf den Konsum von Tabakwaren verzichtet wird. So könnte Ihr Weg in ein gesünderes Leben aussehen:

20 Minuten nach der letzten Zigarette...sinkt Ihr Puls.
12 Stunden nach der letzten Zigarette...sinkt der Kohlenmonoxid-Gehalt in Ihrem Blut auf Normalwerte.
2 Wochen bis 3 Monate nach der letzten Zigarette...sinkt bereits Ihr Herzinfarktrisiko.
beginnt Ihre Lunge besser zu arbeiten.
1 bis 9 Monate nach der letzten Zigarettelassen Ihr Husten und Ihre Kurzatmigkeit nach.
1 Jahr nach der letzten Zigarette...ist Ihr Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung nur noch halb so groß wie die eines Rauchers.
5 bis 15 Jahre nach der letzten Zigarette...ist Ihr Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, so hoch wie das eines Nichtrauchers.
10 Jahre nach der letzten Zigarette...ist Ihr Risiko, an Lungenkrebs zu versterben, halbiert.
ist Ihr Risiko für eine Krebserkrankung von Mund, Rachen, Speiseröhre, Blase, Nieren und Bauchspeicheldrüse vermindert.
15 Jahre nach der letzten Zigarette...ist Ihr Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung nicht mehr höher als das eines lebenslangen Nichtrauchers [13].

Tabaksucht erfolgreich behandeln

Die Abhängigkeit von Tabakkonsum ist chronisch. Bei vielen Rauchern, die das Rauchen aufgeben wollen, erfordert dies eine wiederholte Entwöhnungstherapie. Es gibt verschiedene wirksame Therapien, die die Wahrscheinlichkeit eines langfristigen Verzichts auf Tabakkonsum verdoppeln oder verdreifachen können. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und lassen Sie sich auf Grundlage Ihrer Rauchgewohnheiten und Ihrer gesundheitlichen Verfassung hinsichtlich einer für Sie effektiven Therapie beraten.

Im Rahmen einer Rauchentwöhnung kann es zu Entzugserscheinungen kommen. Das Tabakentzugssyndrom kann hier als eigene Diagnose gestellt werden und geht mit charakteristischen Symptomen wie Irritierbarkeit, Frustration oder Ärger, Angst, Konzentrationsschwierigkeiten, gesteigertem Appetit, Ruhelosigkeit, depressiver Stimmung und Schlaflosigkeit einher. Zur Behandlung etwaiger Entzugserscheinungen werden verschiedene Medikamente eingesetzt (Tabelle 1). Diese sollten nach Möglichkeit in Kombination mit einem verhaltenstherapeutischen Tabakentwöhnungsprogramm und nur in ärztlicher Absprache eingenommen werden. Eine solche kombinierte, individuell abgestimmte Therapie kann den langfristigen Erfolg einer Raucherentwöhnung entscheidend verbessern.

Tabelle 1: Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten von Entzugserscheinungen bei Rauchverzicht [14;15]
WirkstoffDarreichungsformWirkungEmpfehlung
Nikotin (Nikotinersatztherapie)u.a. Kaugummi, Pflaster, Nasenspray, Lutschtablettevorübergehende Bereitstellung einer geringen Nikotinmenge ohne begleitende SchadstoffeEinsatz in absteigender Dosierung; evtl. Präparatkombination bei starken Rauchern; Rückfallprophylaxe
BupropionTablettenAntidepressivum, außerdem Reduktion der Nikotinabhängigkeitin Kombination mit Nikotinpflastern möglich; als Monotherapie, wenn eine leitliniengerecht durchgeführte medikamentöse Behandlung mit Nikotinersatztherapie nicht ausreichend wirksam war
VareniclinTablettenPartieller Nikotinrezeptoragonistwenn eine leitliniengerecht durchgeführte medikamentöse Behandlung mit einer Nikotinersatztherapie nicht ausreichend wirksam war

Raucherentwöhnung – praktische Tipps

Nichtraucher zu werden ist nicht einfach, denn Nikotin ist eine stark abhängig machende Substanz. Hat sich Ihr Körper daran gewöhnt, kommt er nicht mehr ohne aus. Die meisten Raucher haben daher schon 2, 3 oder mehr Versuche hinter sich, bevor sie es endgültig schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören. Daher ist es für Sie wichtig, Ihre Raucherentwöhnung zu planen. Lernen Sie aus Ihren früheren Versuchen. Was fanden Sie hilfreich, was nicht? Was war der Auslöser für Ihren Rückfall zum Rauchen?

  1. Persönliche Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören: Verbessern Sie Ihre eigene Gesundheit und die Ihrer Mitmenschen. Rauchverzicht schafft außerdem auch eine finanzielle Entlastung.
  2. Treffen Sie Vorbereitungen für Ihren Tag “X”. So kann Ihr rauchfreies Leben erfolgreich starten.
  3. Suchen Sie sich persönliche Unterstützung und Informationen. Binden Sie Ihr privates und berufliches Umfeld sowie medizinisches Fachpersonal ein.
  4. Erlernen Sie Problemlösungsstrategien und üben Sie neue Verhaltensweisen. Durchbrechen Sie alte Routinen, um langfristig erfolgreich rauchfrei zu leben.
  5. Lindern Sie Entzugserscheinungen mit Hilfe von Arzneimitteln. Besprechen Sie die für Sie optimale medikamentöse Therapie mit Ihrem Arzt.
  6. Treffen Sie Vorbereitungen für Rückfälle und schwierige Situationen. Stellen Sie sich diesen Herausforderungen bewusst und überlegen Sie sich Problemlösungsstrategien. [16]

Ein pdf mit allen Tipps zu einer erfolgreichen Raucherentwöhnung sowie verschiedene Anlaufstellen, wenn Sie Beratung und Unterstützung auf Ihrem Weg in ein rauchfreies Leben suchen, finden Sie hier.

Tipp 1: Persönliche Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören: Verbessern Sie Ihre eigene Gesundheit und die Ihrer Mitmenschen. Rauchverzicht schafft außerdem auch eine finanzielle Entlastung.

Verbesserung Ihrer Gesundheit und Ihrer Umwelt

  • Sie leben gesünder und länger. Sie senken Ihr Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden und die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken.
  • Menschen, die in Ihrem “Dunstkreis” leben, leben gesünder, d.h. Ihre Kinder, Ihr Partner, Ihre Arbeitskollegen etc.
  • Sie sind gleichzeitig ein gutes Beispiel für Ihre Kinder. Falls Sie schwanger sind, trägt ein Tabakverzicht wesentlich zur Gesundheit Ihres Babys bei [16].
  • Sie fühlen sich besser: Das Essen schmeckt Ihnen besser. Körperliche Anstrengung ist leichter für Sie, Sie sind fitter. Der morgendliche Husten geht zurück.
  • Ihre Wohnung, Ihr Auto, Ihre Kleidung und Ihr Atem riechen nicht mehr nach Rauch.

Finanzieller Aspekt: Sparen Sie Geld, das Sie nun für andere Dinge ausgeben können.

  • Stellen Sie eine Rechnung auf über die Kosten, die Ihnen durch das Rauchen entstehen. Beispiel: Sie rauchen 20 Zigaretten (Kosten: ca. 6,30 EUR) am Tag. Das macht im Jahr (365 Tage) 2299,50 EUR. Wie lange rauchen Sie schon – 2, 5 oder 10 Jahre? Vergegenwärtigen Sie sich, wie viel Geld bisher “in die Luft” gegangen ist und wie viel Sie als Nichtraucher in Zukunft sparen werden.
  • Sie haben einen Vorteil bei Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Bei diesen Versicherungen sind die Beiträge für Nichtraucher in der Regel niedriger als die für Raucher.

Tipp 2: Treffen Sie Vorbereitungen für Ihren Tag “X”. So kann Ihr rauchfreies Leben erfolgreich starten.

  • Setzen Sie innerhalb der nächsten zwei Wochen einen Termin für Ihre letzte Zigarette. Halten Sie daran fest.
  • Bereiten Sie Ihre Umgebung auf den Tag “X” vor:
    • Beseitigen Sie alle Ihre Raucherutensilien (Zigaretten, Feuerzeug, Aschenbecher usw.) aus Ihrer näheren Umgebung (Wohnung, Arbeitsplatz, Auto etc.).
    • Erklären Sie Ihre Wohnung zur rauchfreien Zone, auch Ihren Freunden und Bekannten gegenüber.
  • Erzählen Sie Ihrer Familie, Freunden und Kollegen von Ihrem Entschluss.

Tipp 3: Suchen Sie sich persönliche Unterstützung und Informationen. Binden Sie Ihr privates und berufliches Umfeld sowie medizinisches Fachpersonal ein.

  • Informieren Sie Familie, Freunde und Kollegen über Ihren Entschluss, Nichtraucher zu werden und bitten Sie sie um Unterstützung, indem sie:
    • Ihnen keine Zigarette anbieten,
    • keine Zigaretten liegen lassen,
    • Sie motivieren der Nikotinsucht zu widerstehen usw.
  • Fragen Sie Ihren Arzt, Psychologen oder Apotheker:
    • Wie können Sie mir helfen, erfolgreich mit dem Rauchen aufzuhören?
    • Welche Medikation (Nikotinersatz und andere Arzneimittel gegen Entzugserscheinungen) könnte für mich die Beste sein?
    • Was soll ich tun, wenn ich mehr Hilfe brauche?
    • Welche Arten von Entzugserscheinungen gibt es? Wie lange halten diese voraussichtlich an? Wo bekomme ich dazu mehr Informationen?
  • Bleiben Sie mit Ihrem Arzt oder Psychologen persönlich oder telefonisch in Kontakt, d.h. nach dem ersten Termin vor der Raucherentwöhnung sollte das nächste Gespräch in der ersten Woche nach der Nikotinabstinenz und ein weiteres innerhalb des ersten Monats erfolgen.
  • Je mehr Beratung Sie sich sichern, umso besser sind Ihre Erfolgsaussichten. Informieren Sie sich über Nichtraucher-Kurse oder Selbsthilfegruppen bei Ihrem Arzt oder bei Ihrer Krankenversicherung in Ihrer Gemeinde/Stadt. In diesen Gruppen können Sie sich gegenseitig unterstützen und sich über Probleme und Erfahrungen austauschen.
  • Informieren Sie sich durch Bücher, Broschüren und auf offiziellen Internetseiten. Diese können Ihnen praktische und psychologische Tipps geben. Sie finden eine große Auswahl hierzu in den Bücherläden oder bei Selbsthilfegruppen. Nutzen Sie auch das mittlerweile große Angebot an Apps, die Ihren Start in ein rauchfreies Leben begleiten.

Tipp 4: Erlernen Sie Problemlösungsstrategien und üben Sie neue Verhaltensweisen. Durchbrechen Sie Ihre Routinen, um langfristig erfolgreich rauchfrei zu leben.

Nach Ihrer letzten Zigarette sollten Sie keinen einzigen Zug mehr nehmen.

Finden Sie Alternativen zum Rauchen, damit Sie die Zeit überbrücken können, wenn Sie das Verlangen nach einer Zigarette spüren.

  • Halten Sie Ihre Hände durch Hausarbeit, Handarbeiten wie Stricken, Gartenarbeit oder das Spielen eines Instruments in Bewegung.
  • Halten Sie kalorienarme Knabbereien (Gemüse, Obst) bereit.
  • Gehen Sie spazieren.
  • Treffen Sie sich mit Freunden.

Ändern Sie Ihren routinemäßigen Tagesablauf.

  • Machen Sie sich bewusst, in welchen Situationen (Gewohnheiten oder persönliche, auslösende Faktoren) Sie regelmäßig geraucht haben. Diese könnten beispielsweise sein:
    • beim Telefonieren,
    • wenn andere rauchen,
    • nach dem Essen,
    • beim Autofahren,
    • wenn Sie Alkohol trinken etc.
  • Meiden Sie diese Situationen oder suchen Sie Alternativen. Das Durchbrechen von Routinen kann es Ihnen erleichtern, rauchfrei zu bleiben. Beispielsweise könnten Sie…
    • sich zum Telefonieren einen Block und Stift zurechtlegen, um währenddessen etwas zum „Kritzeln“ zu haben.
    • direkt nach dem Essen aufstehen, um die Zigarette danach zu vermeiden.
    • Ihren Alkoholkonsum reduzieren oder komplett auf Alkohol verzichten.
  • Meiden Sie Orte, an denen sich für gewöhnlich viele Raucher aufhalten (z.B. Raucherkneipen, Raucherbereich am Bahnsteig, etc.).

Meiden Sie Stress und bauen Sie positive Erlebnisse in den Alltag ein.

  • Versuchen Sie, stressige Situationen oder längere Zeiträume, in denen Sie gestresst sind, zu vermeiden. Geraten Sie dennoch in Stress, sorgen Sie beispielsweise mit Entspannungsübungen dafür, dass dieser schnell abnimmt. Alternativ dazu können Sie auch ein Bad nehmen, Sport treiben oder ein Buch lesen.

Lernen Sie aus früheren Entwöhnungsversuchen.

Nehmen Sie hilfreiche Strategien wieder auf und finden Sie Alternativen zu Ihren Fehlschlägen. Arbeiten Sie hierzu mit Experten zusammen, die Sie auf Ihrem Weg in ein rauchfreies Leben langfristig unterstützen und bestärken.

Tipp 5: Lindern Sie Entzugserscheinungen mit Hilfe von Arzneimitteln. Besprechen Sie die für Sie optimale medikamentöse Therapie mit Ihrem Arzt.

Nikotinersatz oder andere Medikamente unterstützen Sie bei Ihrer Raucherentwöhnung und beugen Rückfällen vor. Jeder, der aufhören will zu rauchen, kann von einer medikamentösen Therapie profitieren. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Art und Dauer von möglichen Entzugserscheinungen sowie über Art und Dosierung der Arzneimittel, die Sie – ganz individuell – einsetzen können.

  • Mit Nikotinpflastern, -Nasensprays und Co. wird dem Körper eine geringe Menge Nikotin ohne schädliche Begleitstoffe zugeführt, die in absteigender Dosierung den Rauchverzicht erleichtern sollen. Sie können mit anderen Präparaten kombiniert und auch langfristig zur Rückfallprophylaxe eingesetzt werden.
  • Verschiedene Medikamente wie Antidepressiva oder partielle Nikotinrezeptoragonisten können eventuelle Entzugserscheinungen wirksam bekämpfen, wenn eine alleinige Nikotinersatztherapie erfolglos war.

Tipp 6: Treffen Sie Vorbereitungen für Rückfälle und schwierige Situationen. Stellen Sie sich diesen Herausforderungen bewusst und überlegen Sie sich Problemlösungsstrategien.

Zu Rückfällen kommt es meist in den ersten drei Monaten der Raucherentwöhnung. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen, denn die meisten Langzeit-Exraucher haben mehrere Versuche hinter sich, bevor sie das Rauchen endgültig aufgegeben haben. Ein Rückfall bedeutet nicht, dass Sie ganz aufgeben müssen. Fehlschläge sind normal und sollten nicht überbewertet werden. Machen Sie einfach mit Ihrer Raucherentwöhnung weiter. Um Ihr Durchhaltevermögen anzuspornen, könnten Sie eine Wette abschließen mit einer für Sie unangenehmen Konsequenz im Falle eines Rückfalls. Lernen Sie aus Ihrem letzten Versuch, das Rauchen aufzugeben. Machen Sie sich deutlich, was funktioniert hat und was nicht. Nehmen Sie neue Strategien auf und beachten Sie dabei die oben angegebenen Schritte.

Erhalten Sie Ihre Motivation, denn es passiert häufig, dass die anfänglichen Vorsätze nachlassen.

  • Steigern Sie Ihre körperliche Aktivität. Sie baut das Stressempfinden etwas ab, schafft einen guten Ausgleich zu Ihrer möglicherweise auftretenden Rastlosigkeit, kann Ihnen als Ablenkungsmanöver dienen, wenn das Verlangen nach einer Zigarette zu groß wird, macht Ihnen Ihre neu gewonnene Fitness deutlich und unterstützt Sie, Ihr Gewicht zu halten.
  • Denken Sie positiv! Machen Sie sich Ihre körperliche Erholung seit Beginn Ihres Rauchverzichts oder schreiben Sie sogar ein Erholungstagebuch über “Ihr Leben nach der letzten Zigarette“.
  • Legen Sie kleine Teilziele fest – nach einem Monat, nach sechs Monaten, nach einem Jahr … – und belohnen Sie sich selbst durch kleine Geschenke nach Erreichen dieser Ziele: Sehen Sie einen guten Kinofilm an, gönnen Sie sich Ihr Lieblingsgericht in Ihrem Lieblingsrestaurant, kaufen Sie sich etwas Schönes zum Anziehen oder machen Sie einen Ausflug. Besuchen Sie beispielsweise ein interessantes Museum, ein gutes Konzert oder ein spannendes Sportereignis.
  • Bedenken Sie, dass ein Rückfall, selbst ein einziger Zug an einer Zigarette (Zigarre, Pfeife), Ihr Verlangen steigert und die Raucherentwöhnung erschwert.
  • Suchen Sie Rat bei Ihrem Arzt, falls negative Stimmungen und Depressionen nicht durch die oben genannten Aktivitäten verbessert werden oder sich bei Ihnen starke oder langanhaltende Entzugserscheinungen wie depressive Verstimmungen bemerkbar machen.
  • Halten Sie Ihr Gewicht. Die meisten ehemaligen Raucher nehmen in der Zeit der Raucherentwöhnung zu, meist jedoch nicht mehr als 5 Kilo. Das sollte Sie nicht davon abhalten, zum Nichtraucher zu werden. Eine gesunde Ernährung und ausreichend körperliche Bewegung grenzt die Gefahr der Gewichtszunahme ein.
  • Vermeiden Sie das Trinken von Alkohol. Alkoholkonsum kann Ihre Chance durchzuhalten vermindern.

Quellen

[1] P. Cullen, H. Schulte, G. Assmann (1997): The Münster Heart Study (PROCAM). Total Mortality in Middle-Aged Men Is Increased at Low Total and LDL Cholesterol Concentrations in Smokers but Not in Nonsmokers. In: Circulation, Vol. 96, S. 2128-2136.

[2] M.I. Aldoori, S.H. Rahman (1998): Smoking and stroke: a causative role. Heavy smokers with hypertension benefit most from stopping. In: The British Medical Journal, Vol. 317, Nr. 7164, S. 962-963.

[3] Stroke Association (2017): Smoking and the risk of stroke. Online unter https://www.stroke.org.uk/sites/default/files/smoking_and_the_risk_of_stroke.pdf

[4] S. Juvela et al. (1993): Cigarette smoking and alcohol consumption as risk factors for aneurysmal subarchnoid hemorrhage. In: Stroke, Vol. 24, Nr. 5, S. 639-646.

[5] E. Prescott et al. (1998): Smoking and risk of myocardial infarction in women and men: longitudinal population study. In: British Medical Journal, Vol. 316, Nr. 7137, S. 1043-1047.

[6] American Cancer Society (2016): Bladder Cancer Risk Factors. Online unter https://www.cancer.org/cancer/bladder-cancer/causes-risks-prevention/risk-factors.html

[7] C. Catsburg et al. (2014): Active cigarette smoking and risk of breast cancer: a cohort study. In: Cancer Epidemiology, Vol. 38, Nr. 4, S. 376-381.

[8] American Cancer Society (2016): Pancreatic Cancer Risk Factors. Online unter https://www.cancer.org/cancer/pancreatic-cancer/causes-risks-prevention/risk-factors.html

[9] H. Schulte, P. Cullen, G. Assmann (1999): Obesity, mortality and cardiovascular disease in the Münster Heart Study (PROCAM). In: Atherosclerosis, Vol. 144, S. 199-209.

[10] C.H. Kim et al. (2014): Exposure to secondhand tobacco smoke and lung cancer by histological type: a pooled analysis of the International Lung Cancer Consortium (ILCCO). In: International Journal of Cancer, Vol. 135, Nr. 8, S. 1918-1930.

[11] S.A. Glantz, W.W. Parmley (1991): Passive smoking and heart disease. Epidemiology, physiology, and biochemistry. In: Circulation, Vol. 83, Nr. 1, S. 1-12.

[12] A.M. Malek et al. (2015): Secondhand Smoke Exposure and Stroke: The Reasons for Geographic and Racial Differences in Stroke (REGARDS) Study. In: American Journal of Preventive Medicine, Vol. 49, Nr. 6, S. e89-97.

[13] World Health Organization: Tobacco Free Initiative (TFI). Fact sheet about health benefits of smoking cessation. Online unter http://www.who.int/tobacco/quitting/benefits/en/

[14] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (2015): S3-Leitlinie „Screening, Diagnostik und Behandlung des schädlichen und abhängigen Tabakkonsums“.

[15] The Clinical Practice Guideline Treating Tobacco Use and Dependence 2008 Update Panel, Liaisons, and Staff (2008): A Clinical Guideline for Treating Tobacco Use and Dependence: 2008 Update. In: American Journal of Preventive Medicine, Vol. 35, Nr. 2, S. 158-176.

[16] G. Raghuveer et al.; on behalf of the American Heart Association Committee on Atherosclerosis, Hypertension, and Obesity in the Young of the Council on Cardiovascular Disease in the Young; Behavior Change for Improving Health Factors Committee of the Council of Lifestyle and Cardiometabolic Health and Council on Epidemiology and Prevention; and Stroke Council (2016): Cardiovascular consequences of childhood secondhand tobacco smoke exposure: prevailing evidence, burden, and racial and socioeconomic disparities: a scientific statement from the American Heart Association. In: Circulation, Vol. 134, S. e336–e359.