Übergewicht & Adipositas

Über die Hälfte aller Deutschen ist übergewichtig und ein Viertel leidet unter Adipositas, der krankhaften Form von Übergewicht. Adipositas ist eine Zivilisationskrankheit, die zunehmend unser Gesundheitssystem belastet, da Menschen mit Übergewicht ein erhöhtes Krankheitsrisiko aufweisen. Ein übermäßig erhöhtes Körpergewicht wirkt sich beispielsweise negativ auf das Herz-Kreislauf-System, die Atmung oder den Bewegungsapparat aus. Eine Gewichtsreduktion hingegen bewirkt:

  • eine Senkung der Gesamtmortalität [1]
  • eine Senkung des Risikos für koronare Herzkrankheit durch eine Verbesserung des Risikoprofils. Dies umfasst positive Effekte auf die Blutfettwerte (Senkung von LDL-Cholesterin und Triglyceriden, Anstieg von HDL-Cholesterin), eine Senkung des Blutdrucks sowie eine Verbesserung der Blutzuckereinstellung bei Diabetes mellitus Typ 2 [2].
  • eine Verbesserung der allgemeinen Gesundheit. Bereits eine maßvolle Gewichtsreduktion kann die Lungenfunktion und Kurzatmigkeit verbessern, die Häufigkeit von Atemstillstand im Schlaf (Apnoe) senken, die Schlafqualität erhöhen und Knochen- und Gelenkserkrankungen (Osteoarthritis) lindern.

Fachgesellschaften empfehlen die folgenden drei Maßnahmen zur dauerhaften Veränderung des Lebensstils für eine langfristige, erfolgreiche Gewichtsreduktion und einen anschließenden Gewichtserhalt:

Ernährungsumstellung

Was esse ich am besten, um langfristig abzunehmen?


Steigerung der körperlichen Aktivität

Welchen und wie viel Sport sollte ich machen, um meine Gewichtsabnahme zu unterstützen?


Verhaltensveränderung

Wie kann ich mein Essverhalten optimieren?



Ihr Ziel: Eine langfristige Gewichtsreduktion

Die drei oben genannten Maßnahmen Ernährung, Steigerung der körperlichen Aktivität und Verhaltensveränderung sind der goldene Weg zu einer erfolgreichen Gewichtsreduktion. Doch woher wissen Sie, ob Sie auf dem richtigen Weg sind? Hier ein paar Zahlen und Fakten zur Gewichtsreduktion.

  • Eine erfolgreiche Gewichtsreduktion sollte 5 – 10 % des Ausgangsgewichtes in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten betragen. Dies entspricht einem Gewichtsverlust von ½ bis 1 Pfund pro Woche.
  • Um diese Zielsetzung zu erreichen, ist eine negative Energiebilanz notwendig, d.h. es muss mehr Energie verbraucht als aufgenommen werden. Das Energiedefizit wird maßgeblich durch eine Senkung der Kalorienaufnahme über die Nahrung erzielt, zusätzlich kann der Energieverbrauch noch durch eine vermehrte körperliche Aktivität erhöht werden. Der Erfolg einer Gewichtsreduktion ist demnach maßgeblich durch die Ernährung beeinflussbar. Eine Steigerung der körperlichen Aktivität kann diese unterstützen, jedoch nicht alleine bewirken.
  • Eine wesentlich schnellere Gewichtsreduktion (also mehr als 250 – 500 g pro Woche) ist nicht zu empfehlen, da dann neben Fettgewebe auch verstärkt Muskelmasse abgebaut wird, die den Grundumsatz maßgeblich beeinflusst. Der Grundumsatz entspricht dem Energieverbrauch für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen in völliger Ruhe. Eine Gewichtsabnahme wird erleichtert, wenn die Muskelmasse erhalten und der Grundumsatz hoch bleibt, da der Körper durch die Muskulatur auch im Ruhezustand mehr Energie verbraucht.
  • Nach sechsmonatiger Gewichtsreduktion kommt es häufig zu einem Rückgang oder Stillstand der Gewichtsabnahme, bedingt durch den geringeren Energieverbrauch bei einem niedrigeren Körpergewicht. Sprechen Sie mit Ihrer Ernährungsfachkraft oder Ihrem Arzt ab, wie Sie weiter vorgehen wollen.
    • Ist Ihr Zielgewicht schon erreicht oder brauchen Sie eine kleine Pause bis zur nächsten Etappe Ihrer Gewichtsreduktion? Dann versuchen Sie, Ihr neues Gewicht zu halten. Diesen Gewichtserhalt erreichen Sie, indem Sie Ihr verändertes Ess- und Bewegungsverhalten beibehalten und nicht in alte Verhaltensmuster verfallen. Nach einer Phase des Gewichtserhalts von etwa sechs Monaten oder länger kann – falls gewünscht oder erforderlich – eine weitere Periode der Gewichtsreduktion folgen.
    • Sind Sie nach wie vor hochmotiviert und möchten Ihre Gewichtsreduktion fortsetzen? Dann bleiben Sie am Ball und passen Sie Ihre Abnehmstrategie hinsichtlich Ernährung, Bewegung und Verhalten an Ihr aktuelles Gewicht in Absprache mit Ihrer Ernährungsfachkraft oder Ihrem Arzt an.

Interessieren Sie sich dafür, wie Adipositas und der BMI definiert werden, ob es gesunde und gleichzeitig effektive Diäten überhaupt gibt und was hinter dem Begriff der bariatrischen Chirurgie steckt? Dann lese Sie hier weiter:

Daten & Fakten

Wie wird Adipositas definiert und was ist der BMI?


Diäten

Gibt es wirkungsvolle und gesunde Diäten?


Bariatrische Chirurgie

Ist eine bariatrische Operation für mich eine Option?



Quellen

[1] .C. Ma et al. (2017): Effects of weight loss interventions for adults who are obese on mortality, cardiovascular disease, and cancer: systematic review and meta-analysis. In: British Medical Journal, Vol. 359, S. j4849.

[2] J.P. Wilding (2014): The importance of weight management in type 2 diabetes mellitus. In: International Journal of Clinical Practice, Vol. 68, Nr. 6, S. 682-691.

Zum Weiterlesen

International Task Force for Prevention of Coronary Heart Disease und International Atherosclerosis Society (2009): Handbuch zur Prävention koronarer Herzkrankheit. Thomson Reuters.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (2014): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur “Prävention und Therapie der Adipositas“. Version 2.0. Online unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/050-001l_S3_Adipositas_Pr%C3%A4vention_Therapie_2014-11.pdf.

M.D. Jensen et al. (2014): 2013 AHA/ACC/TOS guideline for the management of overweight and obesity in adults: a report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Practice Guidelines and the Obesity Society. In: Circulation, Vol. 129, Suppl. 2, S. 102-38.

V. Yumuk et al. (2015): European Guidelines for Obesity Management in Adults. In: Obesity Facts, Vol. 8, Nr. 6, S. 402-424.