Diabetes mellitus

Als Diabetes mellitus wird eine anhaltende Regulationsstörung des Stoffwechsels bezeichnet, die durch eine chronische Hyperglykämie (dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel) charakterisiert ist. Dieser Störung liegt entweder eine eingeschränkte Insulinausschüttung oder eine verminderte Insulinwirkung (= Insulinresistenz) zugrunde. Insulin ist ein für den menschlichen Stoffwechsel essentielles Hormon, dessen Regulation im Körper eines Diabetikers gestört ist. Diabetes kann langfristig zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erblindung, Nierenversagen, dem Verlust von Gliedmaßen und schlussendlich einem vorzeitigen Tod führen [1]. Glücklicherweise kann durch die Gabe von Insulin und/oder blutzuckersenkenden Medikamenten nach einer Diagnose der Stoffwechsel gut eingestellt werden.

Es gibt unterschiedliche Arten des Diabetes: Der Typ-1-Diabetes mellitus ist durch eine gestörte Insulinproduktion gekennzeichnet, in der Regel erblich bedingt und lässt sich nach aktuellem Kenntnisstand nicht verhindern. Hingegen sprechen Körperzellen im Falle eines Typ-2-Diabetes mellitus nicht mehr oder deutlich schlechter auf Insulin an. Daher wirkt das vorhandene Insulin nicht mehr so wie in einem intakten Stoffwechsel. Diese Diabetesart ist durch einen gesunden Lebensstil in den meisten Fällen vermeidbar. Als Gestationsdiabetes wird eine Kohlenhydratstoffwechselstörung bezeichnet, die meist vorrübergehend während einer Schwangerschaft auftritt [1].

Weltweit sind heute 425 Millionen Erwachsene von Diabetes betroffen, im Jahr 1980 waren es noch 108 Millionen [2;3]. Diese Diabetesepidemie insbesondere des Typ-2-Diabetes mellitus ist auf die deutliche Zunahme von Übergewicht und Adipositas, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und sozioökonomische Ungleichheiten zurückzuführen. Die Erkrankung kostet jährlich zehntausende Menschen in der Europäischen Region das Leben, obwohl der Typ-2-Diabetes mellitus durch eine nachhaltige Veränderung der Lebensgewohnheiten hin zu einer gesunden Lebensweise in vielen Fällen verhindert, gemildert oder ein Einsetzen der Erkrankung verzögert werden kann [3]. Laut der International Diabetes Federation liegt der Anteil der Kosten für Diabetes an den globalen Gesundheitsausgaben bei rund 12 % [2].

Prävention

Nicht-medikamentöse Maßnahmen werden allen Menschen mit Diabetes empfohlen.

  • Eine effektive nicht-medikamentöse Therapie kann die Stoffwechsellage verbessern und Komplikationen vermeiden.
  • Personen mit Typ-2-Diabetes mellitus können durch eine günstige Ernährung und einen gesunden Lebensstil eine Medikamenteneinnahme verhindern oder die erforderliche Dosis senken.
  • Ob ergänzend eine Medikamenteneinnahme erforderlich ist, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden.
Sie sind nicht übergewichtig und haben Diabetes? Folgen Sie den allgemeinen Tipps für eine herzgesunde Kost. Berücksichtigen Sie zusätzlich die nachstehenden Tipps zur Verbesserung Ihrer Stoffwechseleinstellung.
Sie sind übergewichtig und haben Diabetes? Gewichtsreduktion ist für Sie die wichtigste Maßnahme. Folgen Sie neben dem Link zur Gewichtsabnahme auch den Tipps für eine herzgesunde Kost. Berücksichtigen Sie zusätzlich die nachstehenden Tipps zur Verbesserung Ihrer Stoffwechseleinstellung.

Sowohl für die Allgemeinheit als auch insbesondere für Typ-2-Diabetiker hat die Ernährung maßgebliche Auswirkungen auf die Gesundheit. So konnten Charakteristika wie beispielsweise eine hohe Aufnahme von verarbeitetem Fleisch mit einem wesentlichen Anteil der Todesfälle aufgrund von kardiovaskulären Erkrankungen und Typ-2-Diabetes assoziiert werden [4]. Auch regelmäßige Bewegung ist für Sie als Diabetes-Patient ebenso essentiell wie für jeden anderen Menschen auch. Im Zuge dessen sollte, auch zugunsten der sportlichen Aktivität, ein Rauchverzicht angestrebt werden [5]. Tipps für den Weg in ein rauchfreies Leben finden Sie hier.

Ernährung

Erhalten oder Erreichen Sie Ihr Normalgewicht.

Für übergewichtige Personen mit Diabetes ist Gewichtsreduktion die wichtigste Maßnahme zur Verbesserung des Stoffwechsels. Schon eine vermeintlich geringe Gewichtsabnahme kann das Risiko für Begleiterkrankungen und Komplikationen senken [6;7;8]. Zudem kann eine Gewichtsreduktion Ihre Mobilität verbessern [9]. Mehr zum Thema Gewichtsreduktion finden Sie hier.

Verfolgen Sie ein gesundes Ernährungsmuster.

Eine günstige Ernährung bei Diabetes unterscheidet sich im Prinzip nicht von einer gesunden Kost für Jedermann. Das hat die Wissenschaft in den letzten Jahren überzeugend gezeigt. Generell gibt es kein allgemeingültiges Ernährungsmuster, welches für jeden Diabetes-Patienten funktioniert [7]. Ein gutes Beispiel für eine gesunde Ernährungsweise – auch für Diabetiker – ist die traditionelle mediterrane Ernährung. Sie erfüllt alle Anforderungen an eine diabetesgerechte Ernährung und könnte die glykämische Kontrolle sowie kardiovaskuläre Risikofaktoren verbessern [7; 10;14]. Weiterhin kann das Verfolgen einer mediterranen Kost das Risiko, an einem Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, um 23 % senken [15].

Essen Sie ausgewogen, bunt und gesund.

Eine gesunde Ernährung beinhaltet viel Obst, Gemüse, Produkte aus Vollkorngetreide und fettarme Milchprodukte, außerdem sollten regelmäßig Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte, pflanzliche Öle und Nüsse auf dem Teller landen. Zurückhalten sollte man sich hingegen mit zuckergesüßten Getränken und rotem Fleisch [7;8;10].

Sowohl hinsichtlich einer angestrebten Gewichtsreduktion als auch im Alltag als Diabetiker ist die Makronährstoffzusammensetzung[1] der eigenen Ernährung nachgewiesenermaßen bedeutungslos (mehr zum Erfolg von Diäten lesen Sie hier) [11;12;13]. Zwar nehmen die Kohlenhydrate im Stoffwechsel eines Diabetikers eine Sonderstellung ein, da sie den Blutzuckerspiegel wie kein anderer Nährstoff beeinflussen, jedoch beschränkt sich diese primär auf die Qualität der zugeführten Kohlenhydrate (siehe nächster Absatz) [5;7;8].

 Nutzen Sie die Vielfalt an Stärkebeilagen aus Vollkorn und meiden Sie Süßwaren.

Vollkornprodukte, aber auch Kartoffeln und Hülsenfrüchte sind wertvolle Kohlenhydratquellen. Sie haben einen hohen Sättigungsgrad und können Ihre Mahlzeit mit Mineralstoffen, Ballaststoffen und hochwertigem, pflanzlichen Protein ergänzen. Als Diabetiker kann es je nach Therapie wichtig sein, seine Kohlenhydratportionen, z.B. mittels sogenannter Broteinheiten (BE), genau abschätzen zu können. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, ob dies in Ihrem Fall nötig ist und besuchen Sie dafür gegebenenfalls eine spezielle Diabetes-Schulung oder eine individuelle Ernährungsberatung.

Im Gegensatz zu den genannten Kohlenhydratquellen enthalten zuckerreiche Lebensmittel kaum Ballaststoffe und Nährstoffe. Süßigkeiten, Softdrinks und Ähnliches sind dagegen oft sehr kalorien-, zucker- und teilweise auch fettreich, obwohl Sie nicht lange satt halten. Versuchen Sie daher, zuckerreiche Snacks und Getränke durch gesündere Alternativen zu ersetzen [7].

Zuckeraustauschstoffe und energiefreie Süßstoffe sind eine mögliche Alternative, um seine Geschmacksknospen sukzessive vom süßen Geschmack zu entwöhnen und seinen Zuckerverzehr schrittweise zu reduzieren. Nimmt man sie in verzehrsüblichen Mengen auf, gelten sie als gesundheitlich unbedenklich. Dennoch sollten diese Süßungsmittel nicht als „Freifahrtsschein“ angesehen werden. Auch mit kalorienfreien Süßstoffen gesüßte Speisen können aufgrund eines hohen Fettgehalts oder in großen Mengen energiereich sein [5].

Zucker kommt nicht von Zucker.

Obwohl sich im Volksmund der Begriff „Zuckerkrankheit“ als Synonym für Diabetes mellitus Typ 2 gefestigt hat, führt ein übermäßiger Zuckerkonsum nicht zwangsläufig dazu, dass ein Mensch an Diabetes erkrankt. Vielmehr spielt ein insgesamt ungesunder Lebensstil bei der Entwicklung von Typ 2 Diabetes mellitus eine entscheidende Rolle. Dazu zählt zu wenig Bewegung ebenso wie eine kalorienreiche Ernährung oder jahrelanges Rauchen. Sie können einem Diabetes Typ 2 also sowohl durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung, als auch einem langfristig gesunden Körpergewicht, genügend täglicher Bewegung sowie dem Verzicht auf Rauchen präventiv entgegenwirken [3]. Mehr zu Zucker lesen Sie hier beziehungsweise im Artikel über gesunde Ernährung.

Sogenannte „Diabetikerprodukte“ sind nicht notwendig.

Viele Produkte, die als speziell für Diabetiker geeignete Lebensmittel ausgewiesen sind, haben keinen Vorteil für Ihre Gesundheit. Tatsächlich sind sie meist fett- und kalorienreicher und häufig teurer als regulär erhältliche Produkte [6;8]. Gönnen Sie sich also lieber hin und wieder die „normale“ Version des gewählten Lebensmittels, auch wenn diese zuckerhaltig ist.


Quellen

[1] World Health Organization (2016): Faktenblatt Diabetes.

[2] International Diabetes Federation (2018): IDF Diabetes Atlas – 8th Edition. Key Messages. Online unter http://www.diabetesatlas.org/key-messages.html

[3] World Health Organization (2017): Diabetes. Online unter http://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/diabetes

[4] R. Micha et al. (2017): Association between dietary factors and mortality from heart disease, stroke, and type 2 diabetes in the United States. In: Journal of the American Medical Association, Vol. 317, Nr. 9, S. 912-924.

[5] American Diabetes Association (2018): Lifestyle Management: Standards of Medical Care in Diabetes – 2018. In: Diabetes Care, Vol. 41, Suppl. 1, S. 38-50.

[6] Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (2014): Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes – Langfassung. 1. Auflage. Version 4.

[7] American Diabetes Association (2014): Nutrition therapy recommendation for the management of adults with diabetes. In: Diabetes Care, Vol. 37, Suppl. 1, S. 120-143.

[8] N.G. Fohouri et al. (2018): Dietary and nutritional approaches for prevention and management of type 2 diabetes. In: The BMJ, Vol. 361, k2234.

[9] Rejeski et al. (2012): Lifestyle change and mobility in obese adults with type 2 diabetes. In: The New England Journal of Medicine, Vol. 366, S. 1209-1217.

[10] S.H. Ley et al. (2014): Prevention and management of type 2 diabetes: dietary components and nutritional strategies. In: The Lancet, Vol. 383, S.1999-2007.

[11] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (2014): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur “Prävention und Therapie der Adipositas“. Version 2.0. Online unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/050-001l_S3_Adipositas_Pr%C3%A4vention_Therapie_2014-11.pdf

[12] M.D. Jensen et al. (2014): 2013 AHA/ACC/TOS guideline for the management of overweight and obesity in adults: a report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Practice Guidelines and the Obesity Society. In: Circulation, Vol. 129, Suppl. 2, S. 102-38.

[13] V. Yumuk et al. (2015): European Guidelines for Obesity Management in Adults. In: Obesity Facts, Vol. 8, Nr. 6, S. 402-424.

[14] O. Hamdy, M.-Y. Barakatun-Nisak (2016): Nutrition in Diabetes. In: Endocrinology Metabolism Clinics of North America, Vol. 45, S. 799-817.

[15] E. Koloverou et al. (2014): The effect of Mediterranean diet on the development of type 2 diabetes mellitus: A meta-analysis of 10 prospective studies and 136,846 participants. In: Metabolism Clinical and Experimental, Vol. 63, S. 903-911.

Fußnoten

[1] Zu den Makronährstoffen zählen Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette.