Diabetes mellitus

Eine günstige Ernährung bei Diabetes unterscheidet sich im Prinzip nicht von einer gesunden Kost für Jedermann. Das hat die Wissenschaft in den letzten Jahren überzeugend gezeigt. Ein gutes Beispiel für eine gesunde Ernährungsweise – auch für Diabetiker – ist die traditionelle mediterrane Ernährung. Sie erfüllt alle Anforderungen an eine diabetesgerechte Ernährung.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen werden allen Menschen mit Diabetes empfohlen.

  • Eine effektive nicht-medikamentöse Therapie kann die Stoffwechsellage verbessern und Komplikationen vermeiden.
  • Personen mit Typ-2-Diabetes können durch eine günstige Ernährung und einen gesunden Lebensstils eine Medikamenteneinnahme verhindern oder die erforderliche Dosis senken.
  • Ob ergänzend eine Medikamenteneinnahme erforderlich ist, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden.
Sie sind nicht übergewichtig und haben Diabetes: Folgen Sie den allgemeinen Tipps für Ihre herzgesunde Kost. Berücksichtigen Sie zusätzlich die nachstehenden Tipps zur Verbesserung Ihrer Stoffwechseleinstellung.
Sie sind übergewichtig und haben Diabetes: Gewichtsreduktion ist für Sie die wichtigste Maßnahme zur Normalisierung Ihrer Stoffwechseleinstellung. Folgen Sie diesem Link zur Gewichtsabnahme und den allgemeinen Tipps für Ihre herzgesunde Kost. Berücksichtigen Sie zusätzlich die nachstehenden Tipps zur Verbesserung Ihrer Stoffwechseleinstellung.
Erhalt des Normalgewichts bzw. Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Personen mit Diabetes
  • Diabetiker mit Übergewicht sollten unbedingt eine Gewichtsreduktion anstreben. Schon ein Gewichtsverlust von 5 kg kann die Stoffwechseleinstellung des Diabetikers wesentlich verbessern. Die Gewichtsreduktion sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
  • Durch Gewichtsabnahme kann die Dosierung benötigter Medikamente oft deutlich reduziert werden. Nicht insulinpflichtige Diabetiker können sogar allein durch Gewichtsreduktion eine optimale Blutzuckereinstellung erreichen.
  • Diabetiker mit Normalgewicht (BMI zwischen 18,5 und 25 kg/m2) sollten Ihr Gewicht halten.
Senkung der Aufnahme gesättigter Fettsäuren und Transfettsäuren (weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr)
  • Menschen mit Diabetes haben ein wesentlich höheres Risiko für koronare Herzkrankheit als Nicht-Diabetiker. Erhöhte LDL-Cholesterinwerte steigern das KHK-Risiko zusätzlich. Daher ist es besonders wichtig erhöhten LDL-Cholesterinwerten vorzubeugen bzw. erhöhte Werte zu behandeln.
  • Eine zu hohe Zufuhr von gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren hat von allen Nahrungsfaktoren den ausgeprägtesten, erhöhenden Effekt auf den LDL-Cholesterinspiegel. Daher senkt eine verminderte Zufuhr an gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren den Cholesterinspiegel deutlich.
  • Bei bereits erhöhten LDL-Cholesterinwerten wird empfohlen, die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren auf weniger als 8 % der Gesamtenergie zu reduzieren.
Bevorzugter Verzehr von einfach ungesättigten Fettsäuren (10 – 20 % der Gesamtenergiezufuhr)
  • Ein bevorzugter Verzehr von einfach ungesättigten Fettsäuren im Austausch gegen gesättigte Fette bewirkt eine Reduktion von Gesamt- und LDL-Cholesterinwerten, ohne den HDL-Cholesterinspiegel zu senken.
Moderate Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren (< 10 % der Gesamtenergiezufuhr)
  • Ein Austausch von gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren gegen mehrfach ungesättigte Fettsäuren führt zu einer Senkung von Gesamt- und LDL-Cholesterinwerten.
  • Eine zu hohe Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren kann jedoch zu einer verstärkten LDL-Oxidation führen und damit das schnelle Fortschreiten einer Arteriosklerose begünstigen.
  • Der Körper benötigt jedoch eine angemessene Aufnahme an essentiellen (lebensnotwendigen) mehrfach ungesättigten Fettsäuren.
  • Eine höherer Verzehr von omega-3-Fettsäuren kann das Risiko an koronarer Herzkrankheit zu erkranken oder zu sterben senken, die Serumtriglyzeride und die Aggregationsneigung der Thrombozyten verringern und vor Herzrhythmusstörungen schützen.
Reduktion der Gesamtfettaufnahme (auf 25 – 35 % der Gesamtenergiezufuhr, vorausgesetzt die Fettsäurenzusammensetzung stimmt mit den oben genannten Empfehlungen überein)
  • Eine Fettzufuhr im unteren Grenzbereich kann bei der Therapie von Übergewicht und Adipositas helfen, die Energieaufnahme zu reduzieren.
  • Personen, die verstärkt körperlich aktiv sind, können bis zu 35% Fett verzehren.
Begrenzte Cholesterinaufnahme aus der Nahrung (< 300 mg/Tag)
  • Eine hohe Aufnahme an Nahrungscholesterin trägt zur Erhöhung des Gesamt- und LDL-Cholesterins bei. Dieser Effekt ist jedoch deutlich geringer als die Auswirkung einer hohen Zufuhr an gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren.
Bevorzugter Verzehr von kohlenhydratreichen Lebensmitteln mit hohem Ballaststoffgehalt bzw. niedrigem glykämischem Index (45 – 60 % der Gesamtenergiezufuhr)
  • Empfohlen werden vor allem ballaststoffreiche Kohlenhydratträger bzw. Lebensmittel mit niedrigem glykämischem Index. Ein bevorzugter Verzehr dieser Lebensmittel kann zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle und der Blutfettwerte beitragen.
  • Moderate Mengen an Zucker können Bestandteil der Kost von Typ 1 und Typ 2 Diabetikern sein. Allerdings sollte die Menge wie bei Nicht-Diabetikern 10 % der Gesamtenergiezufuhr nicht überschreiten.
  • Einige Typ-2-Diabetiker mit unzureichender Blutzuckerkontrolle können u.U. eine größere Kohlenhydratbelastung nicht gut kompensieren. Für solche Patienten kann der Versuch einer Begrenzung der Kohlenhydrataufnahme auf etwa 45 % der Gesamtenergie sinnvoll sein.
Begrenzte Proteinaufnahme (10 – 20 % der Gesamtenergiezufuhr)
  • Protein kann 10 – 20 % der Gesamtenergie liefern.
  • Diabetiker, deren Proteinaufnahme 20% überschreitet, können ein erhöhtes Risiko für eine Nephropathie (Nierenerkrankung) haben.
  • Personen, die bereits eine Nephropathie haben, sollten eine Proteinaufnahme von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag nicht überschreiten.
Essen Sie reichlich Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Vollkornprodukte.
  • Ein reichlicher Verzehr dieser Lebensmittel stellt eine hohe Aufnahme an Kohlenhydraten sicher.
  • Diese Lebensmittel sind außerdem reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen.
  • Bevorzugen Sie Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index statt solche mit einem hohen glykämischen Index. Verzehren Sie regelmäßig Lebensmittel mit niedrigem glykämischem Index wie Hülsenfrüchte, Hafer/Haferflocken, Nudeln aus Harzweizengrieß (ohne Ei), Parboiled oder Basmati-Reis, Ganzkornbrot (z.B. Schwarzbrot oder Pumpernickel), Milch und Milchprodukte sowie frische Früchte.
  • Einige grüne Blattgemüse, wie Blattspinat, sind reich an günstigen Omega-3-Fettsäuren.
  • Insulinpflichtige Diabetiker sollten geschult werden, die Kohlenhydratmenge in Ihren Mahlzeiten richtig einzuschätzen und die Insulindosis entsprechend anzupassen. Kohlenhydrattabellen können als Schätzhilfe dienen. Geübte Einschätzung der Kohlenhydratportionen und regelmäßige Blutzuckerselbstkontrollen tragen zu einer guten Blutzuckereinstellung bei. Fragen Sie hierzu Ihren Facharzt, einen Ernährungsberater oder andere Fachkräfte.
Verzehren Sie Zucker und zuckerreiche Lebensmittel nur in Maßen.
  • Ihr täglicher Zuckerverzehr sollte nicht mehr als 50 Gramm, entspricht drei Esslöffeln, sein. Dabei sollte der Zucker möglichst in Lebensmitteln oder Mahlzeiten „verpackt“ aufgenommen und auf mehrere Portionen über den Tag verteilt werden.
  • Verwenden Sie zuckerreiche Getränke und/oder Traubenzucker nur um eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) zu behandeln.
  • Beachten Sie den hohen Fett- und Kaloriengehalt der meisten Süßwaren. Industriell hergestellten Süßwaren können außerdem ungünstig wirkende Transfettsäuren in gehärteten Fetten und Ölen enthalten.
  • Kalorienfreie Süßstoffe können zum Süßen von Getränken sinnvoll sein. Diese erhöhen den Blutzuckerspiegel nicht.
  • Zuckeraustauschstoffe, wie Fructose und Zuckeralkohole, haben als Zuckerersatz bei der Ernährung von Diabetikern an Bedeutung verloren.
Wählen Sie günstige Öle und Margarinen.
  • Oliven- und Rapsöl sind besonders reich an „herzgesunden“ einfach ungesättigten Fettsäuren. Rapsöl enthält zusätzlich bedeutende Mengen an Omega-3 Fettsäuren.
  • Verwenden Sie Streichfette, die bevorzugt aus einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren bestehen. Beachten Sie die Liste der Fettsäurezusammensetzung oder Zutatenliste.
  • Meiden Sie gehärtete Fette (Transfettsäuren), die häufig in industriell gefertigten Backwaren oder Gebäck, Pommes frittes, Fertiggerichten oder salzigen Snacks (z.B. Chips) enthalten sind. Beachten Sie die Zutatenliste.
Bereichern Sie Ihren Speiseplan gelegentlich mit Nüssen und Samen.
  • Nüsse und Samen sind gute Quellen für Omega-3-Fettsäuren.
  • Einige Nüsse wie beispielsweise Haselnüsse, Erdnüsse und Macadamianüsse sind besonders reich an einfach ungesättigten Fettsäuren.
  • Mandeln, Haselnüsse und Erdnüsse sind reich an Vitamin E und anderen Antioxidantien.
Essen Sie Fisch, vorzugsweise Fettfisch, mindestens zweimal wöchentlich.
  • Fettfisch ist aufgrund seines hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren besonders empfehlenswert. Omega-3- Fettsäuren haben günstige Einflüsse auf die Blutfette (Triglyceride), Gerinnungswerte des Bluts, Blutdruck und Entzündungsfaktoren.
  • Magerfisch enthält wenig gesättigte Fette.
  • Seefisch ist der wichtigste natürliche Jodlieferant (Jod ist wichtig für die Schilddrüsenfunktion).
Verzehren Sie Milch und Milchprodukte täglich in moderaten Mengen.
  • Wählen Sie Magermilch oder fettarme Milch sowie fettarme Milchprodukte. Damit senken Sie Ihren Verzehr an gesättigten Fetten.
  • Werden Proteine (Eiweiß) in Ihrem Urin festgestellt (Mikroalbuminurie) als Zeichen einer beginnenden Nierenerkrankung (Nephropathie), sollten Sie Ihren Verzehr von Milch und Milchprodukten auf zwei Portionen pro Tag beschränken; damit wird Ihre Proteinaufnahme gesenkt.
Essen Sie Fleisch und Fleischprodukte nur zwei- bis dreimal in der Woche
  • Um Ihre Aufnahme an gesättigten Fetten, Cholesterin und Protein (Eiweiß) zu senken, sollten sie weißes Fleisch (Geflügel ohne Haut) rotem Fleisch vorziehen.
  • Vermeiden Sie es, jeden Tag Aufschnitt zu essen.
  • Werden Proteine (Eiweiß) in Ihrem Urin festgestellt (Mikroalbuminurie) als Zeichen einer beginnenden Nierenerkrankung (Nephropathie), ist es für Sie besonders wichtig, Ihren Fleischverzehr einzuschränken.
Genießen Sie Alkohol, wenn überhaupt, in Maßen.
  • Männer sollten nicht mehr als 1 – 2 Gläser Wein oder Bier (20g Alkohol) pro Tag trinken, Frauen nicht mehr als 1 Glas Wein oder Bier pro Tag.
  • Um einer Unterzuckerung vorzubeugen, sollten Diabetiker, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe einnehmen, Alkohol nur mit einer Mahlzeit, die kohlenhydratreiche Lebensmittel enthält, geniessen.
  • Beachten Sie ebenfalls den möglichen ungünstigen Einfluss des Alkoholkonsums auf Ihren Blutdruck, Ihre Triglyzeridwerte, Ihr Körpergewicht und das Risiko für eine Hypoglykämie (Unterzuckerung). Regelmäßig übermäßiger Alkoholkonsum birgt darüber hinaus ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Alkoholabhängigkeit, Lebererkrankungen sowie Mund-, Rachen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs.
  • Wenn Sie bisher keinen Alkohol getrunken haben, sollten Sie sich auch jetzt nicht veranlasst fühlen, aus gesundheitlichen Gründen Alkohol zu trinken.
„Diabetikerprodukte“ sind nicht notwendig.
  • Viele Produkte, die als Diabetikerprodukte ausgezeichnet sind, haben keinen Vorteil für Ihre Blutzuckereinstellung.
  • Tatsächlich sind sie meist fett- und kalorienreich und häufig teurer als regulär erhältliche Produkte.
  • Als Alternative können Sie gelegentlich kleine Mengen herkömmlicher, zuckerhaltiger Produkte verzehren. Beachten Sie jedoch dabei deren Fett- und Kaloriengehalt.

Zum Weiterlesen

The Diabetes and Nutrition Study Group (DNSG) of the European Association for the Study of Diabetes (EASD) (2000): Recommendations for the nutritional management of patients with diabetes mellitus. In: European Journal of Clinical Nutrition, Vol. 54, S. 353-355.

American Diabetes Association (2002): Evidence-Based Nutrition Principles and Recommendations for the Treatment and Prevention of Diabetes and Related Complications. In: Diabetes Care, Vol. 25, Nr. 1, S. 202-212.