Langkettigen, mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren (n-3-PUFA) wird eine gefäßerweiternde, entzündungshemmende und blutgerinnungsverzögernde Wirkung zugeschrieben. N-3-PUFA kommen hauptsächlich in fetten Fischen (z.B. Hering, Makrele, Lachs, Thunfisch) vor und werden oftmals über Nahrungsergänzungsmittel wie etwa Fischölkapseln konsumiert. Die präventive Wirkung wurde über einen sehr langen Zeitraum unangefochten positiv bewertet. Omega-3-Säuren sind herzgesund, so jedenfalls lautet eine nahezu klassisch anmutende Empfehlung in der Präventivmedizin (1).

Doch in letzter Zeit wird die gesundheitsförderliche Wirkung von Omega-3-Fettsäuren partiell in Zweifel gezogen. In einer von amerikanischen Wissenschaftlern durchgeführten Meta-Analyse sind 7.044 kardiovaskulär bedingte Todesfälle bei 68.680 Probanden untersucht worden, ohne dass dabei eine Verbindung zwischen der Gabe von Omega-3-Fettsäuren und einem erniedrigten Sterberisiko bestätigt werden konnte (2).

Auch häufen sich Indizien, dass Omega-3-Säuren das Risiko erhöhen könnten, an Prostatakrebs zu erkranken. Die in aktuellen Studien gefundene Assoziation zwischen Omega-3-Fettsäuren und Prostatakrebs verhält sich dabei schlicht konträr zu den Erwartungen, mit denen die Forschungsreihen eigentlich gestartet wurden. Insbesondere im „Prostate Cancer Prevention Trial“ (3) sowie einer Fall-Kontroll-Studie im Rahmen des Select Trials (4) wurden signifikante Beziehungen zwischen n-3-PUFA im Blut und erhöhtem Prostata-Risiko gefunden, so dass eine kausale Rolle dieser Fettsäuren in der Tumorgenese nicht ausgeschlossen werden kann.

Inzwischen werden Bedenken laut, ob denn ein übermäßiger Konsum von n-3-PUFA ein ungünstiges Nutzen-Risikoprofil hat: einerseits ist ein positiver Effekt hinsichtlich der Verhinderung kardiovaskulärer Ereignisse zweifelhaft, andererseits kann eine kanzerogene Wirkung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Das Gremium für diätische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA-Gremium) hat im Auftrag der EU ein wissenschaftliches Gutachten erstellt, das diese Vorbehalte zunächst zerstreut. Die tägliche Aufnahme von 5 g langkettiger Omega-3-Fettsäuren gilt als unbedenklich. Bei der EU-Bevölkerung liege die aufgenommene Tagesdosis derzeit deutlich darunter; Erwachsene nehmen täglich durchschnittlich 400-500 mg über Lebensmittel auf; Kinder ca. 320 mg (4).

An den Studienergebnissen rund um die früher hoch gelobten und jetzt partiell gescholtenen Omega-3-Fettsäuren wird deutlich, dass es kein präventives Allheilmittel gibt. Nutzen und Risiken von Supplementen sollten für die jeweilige Risikogruppe fallbezogen und differenziert eingesetzt und bewertet werden.  Ein Test der EPA-, DPA- und DHA-Werte im Blutserum bei Männern, die ohnehin ein hohes Risiko tragen, an Prostatakrebs zu erkranken, wäre wahrscheinlich ein wirksamer Beitrag zur Tumorprävention.

Quellen:

  1. Zur Wirkung von Omega-3-Fettsäuren bei der Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen vgl. www.assmann-stiftung.de/
  2. Association Between Omega-3 Fatty Acid Supplementation and Risk of Major Cardiovascular Disease Events A Systematic Review and Meta-analysis. Evangelos C. Rizos et al. In: JAMA 2012; 308: 1024-1033, doi:10.1001/2012.jama.11374
  3. Serum Phospholipid Fatty Acids and Prostate Cancer Risk: Results From the Prostate Cancer Prevention Trial. Brasky, TM et al. In: Am J Epidemiol 2011;173(12):1429–1439; doi: 10.1093/aje/kwr027
  4. Serum Phospholipid Fatty Acids and Prostate Cancer Risk: Results From the Prostate Cancer Prevention Trial. Brasky, TM et al. In: Journal of the National Cancer Institute 2013; doi: 10.1093/jnci/djt174
  5. Scientific Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of eicosapentaenoic acid (EPA), docosahexaenoic acid (DHA) and docosapentaenoic acid (DPA): http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/2815.htm