Übergewicht (BMI 25 bis 30 kg/m2) und Fettleibigkeit (BMI über 30 kg/m2) sind Probleme aller Alters- und Einkommensgruppen in allen Regionen der Erde. Heute sind fast 30 % der Weltbevölkerung, d.h. rund 2,1 Milliarden Menschen, davon betroffen. Noch im Jahr 1980 zählten lediglich ca. 857 Millionen zu den übergewichtigen und adipösen Menschen (1).

Deutschland gehört neben den USA, China, Indien, Russland, Brasilien, Mexiko, Ägypten, Pakistan und Indonesien zu den zehn Ländern, in denen, im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung gerechnet, weltweit die meisten Übergewichtigen zu finden sind.

Den höchste Zuwachs in der Gruppe der übergewichtigen und adipösen Erwachsenen in den Industriestaaten verzeichnen die USA, wo etwa ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen ist, Australien mit rund 30 % und Großbritannien mit einem Anteil von rund einem Viertel der Gesamtbevölkerung. In Deutschland beträgt der Anteil bei den Männern 21,9% und bei den Frauen 22,5%.

62% der übergewichtigen und adipösen Menschen der Welt leben in Entwicklungsländern. Vor allem der Nahe Osten wie etwa in Bahrain, Ägypten, Saudi-Arabien, Oman, Kuwait ist in den vergangenen 30 Jahren davon stark betroffen. Und auch in den Industrieländern wird ein stetiger Anstieg der Fallzahlen beobachtet, wobei sich dessen Geschwindigkeit seit dem Jahr 2006 verlangsamt.

Als besonders besorgniserregend bewerten die Experten die anomale Gewichtszunahme bei den Kindern vor allem aus Familien mit mittlerem oder niedrigem Einkommen. Insgesamt ist bei Kindern und Jugendlichen die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas zwischen 1980 und 2013 weltweit um fast 50%  angestiegen. Im Jahr 2013 wurden 22,6%  der Mädchen und 23,8% der Jungen aus den Industrieländern zur den Übergewichtigen und Adipösen gezählt, 1980 betrug ihr Anteil noch rund 17%.  Innerhalb Westeuropas reicht derzeit die Spanne Betroffener bei Jungen von 14% in Israel und 13% in Malta bis  4% in den Niederlanden und in Schweden. Mädchen sind mit 13% in Luxemburg und mit 11 % in Israel anteilig am meisten übergewichtig bzw. adipös und mit 4% am geringsten in den Niederlanden, Norwegen und Schweden. In den Entwicklungsländern stieg der Gesamtanteil von rund 8%  auf rund 13%, wobei vor allem Mädchen im Nahen Osten und in den nordafrikanischen Ländern an Gewicht zulegen.

Fazit
Die neuen Fallzahlen bestärken die Autoren der GBD-Studie, dass das Ziel der UN, den Anstieg von Übergewicht und Adipositas bis zum Jahr 2025 zu stoppen, ohne konzertierte Maßnahmen und ohne weitere Forschung, die die Wirkung der Interventionen gegen Adipositas bewertet, kaum erreicht werden kann (2). Bislang sind, aller Maßnahmen und Analysen zum Trotz, noch keine „nationale Erfolgsgeschichten“ bei der Gewichtsreduktion geschrieben worden.  Am Rechenbeispiel Großbritannien etwa wird die Kostenkomponente gesundheitspolitischer Intervention deutlich: Eine Rückführung der durchschnittlichen BMI-Werte auf das Ausgangsniveaus im Jahr 1980 würde eine Reduzierung des Lebensmittelverbrauchs um 8 %, d.h. im Umfang von etwa 8,7 Milliarden Euro jährlich, erfordern.

Angesichts dieser Zahlen scheint es eher unwahrscheinlich, dass die Problematik steigender Adipositaszahlen durch freiwillige Selbstbeschränkung in der Ernährung allein zu bewältigen ist.

Die Experten appellieren an die Entscheidungsträger in der internationalen Gesundheitspolitik, Prioritäten zu setzen und mit globaler Führung die Ursachen von Adipositas wie übermäßige Kalorienzufuhr, körperliche Inaktivität und aktive Förderung des Lebensmittelverbrauches seitens der Industrie zu reduzieren.

 

Zum Weiterlesen:

(1)   Global, regional, and national prevalence of overweight and obesity in children and adults during 1980 – 2013: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2013. The Lancet, Early Online Publication, 29 May 2014. doi: 10.1016/S0140-6736(14)60460-8Cite . Abrufbar über den Link: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2814%2960460-8/abstract

bzw. die Zusammenfassung der GBD – Studienergebnisse durch das Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle: Global, regional, and national prevalence of overweight and obesity in children and adults during 1980 – 2013: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2013. Abrufbar über den Link:
http://www.healthdata.org/research-article/global-regional-and-national-prevalence-overweight-and-obesity-children-and-adults