Erbgutanalysen bestätigen, dass krankhaftem Übergewicht Herz-Kreislauferkrankungen und Typ-2-Diabetes folgen können [191]

Herzinfarkt, Bluthochdruck oder auch Typ-2 Diabetes kommen bei stark übergewichtigen Menschen häufiger vor als bei Normalgewichtigen. Eine umfangreiche Genanalyse an der Universität Glasgow legt nahe, dass letztendlich kein Weg an einer Gewichtsregulation vorbeiführt, um herz- und kreislaufschonend zu leben: 119.859 Träger von Risikogenabschnitten für krankhaftes Übergewicht (Adipositas) waren entsprechend einer Blutprobenanalyse wesentlich häufiger als andere gefährdet, an Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit oder Typ‑2‑Diabetes zu leiden. Anders jedoch beim Schlaganfall. Die Genanalyse ergab keine direkte Verbindung zwischen dem Risiko für Adipositas und dem Schlaganfallrisiko.


Wissenschaftliche Details

Erbliche Vorbelastungen für das krankhafte Übergewicht (Adipositas) lassen sich inzwischen anhand von mehr als 90 spezifischen Genabschnitten nachweisen. Glasgower Wissenschaftler nutzen jetzt dieses Wissen, um mit Hilfe eines Algorithmus zu untersuchen, inwieweit aus der im Erbgut angelegten Gefährdung für Adipositas zugleich auf ein höheres Risiko für kardiometabolische Erkrankungen geschlossen werden kann.

Eine Genanalyse von rund einer halben Million Proben aus der britischen Blutprobendatenbank ergab zunächst bei 119.859 Briten im Durchschnittsalter von 57 Jahren eine genetische Vorbelastung für Adipositas. Weitere Untersuchungen bestätigten dann den Zusammenhang zwischen dem erhöhten Body‑Mass‑Index (BMI)[1] und dem Risiko für kardiometabolische Erkrankungen. Mit jedem Anstieg des BMI um 4,8 kg/mwuchs bei den Betroffenen das Risiko für eine koronare Herzkrankheit um 35 % und das Risiko für Bluthochdruck um 64 %. Am eindeutigsten nahm die Gefahr für Typ-2-Diabetes zu: pro Steigerung des BMI um 4,8 kg/m2, wuchs das Risiko um das Anderthalbfache, genauer gesagt um 153 %. Eine direkte Verbindung zwischen dem BMI und dem Schlaganfall oder auch der Pulsfrequenz wurde hingegen nicht nachgewiesen. Die Ergebnisse waren unabhängig von Alter, Geschlecht, dem Alkoholkonsum und der Rauchergeschichte der Studienteilnehmer.

Auch wenn die Studie maßgebliche Mittler zwischen dem Body-Mass-Index und dem kardiometabolischen Risiko, wie etwa die Blutfett- und die Blutzuckerwerte außer Acht ließ, stärkte sie nach Ansicht der Wissenschaftler vom Institute of Health and Wellbeing an der Universität Glasgow die Ansicht, dass die Normalisierung der BMI-Werte maßgeblich dazu beiträgt, dem Herzinfarkt, dem Bluthochdruck oder dem Typ-2-Diabetes präventiv zu begegnen.


Zum Weiterlesen

(1) D.M. Lyall et al. (2017): Association of Body Mass Index With Cardiometabolic Disease in the UK Biobank A Mendelian Randomization Study. In: Journal of the American Medical Association Cardiology. Online unter http://jamanetwork.com/journals/jamacardiology/article-abstract/2635826

(2) C.J. O’Donnell (2017): Harnessing Genomic Biobanks to Understand Obesity in Cardiometabolic DiseaseProspects and Pitfalls. In: Journal of the American Medical Association Cardiology. Online unter http://jamanetwork.com/journals/jamacardiology/fullarticle/2635824

Fußnote

[1] Der BMI ist der Quotient aus Körpergewicht und Körpergröße zum Quadrat (kg/m2). Er ist ein Maß für die Unterscheidung von Normalgewicht (18,5 bis < 25 kg/m2), Übergewicht (25 bis < 30 kg/m2) und Adipositas (≥ 30 kg/m2). Mit einer Körpergröße von 1,80 m ist man bei einem Körpergewicht von 70 kg normalgewichtig, mit 90 kg übergewichtig und mit 100 kg adipös.

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