Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen aufgrund übermäßiger Nutzung von digitalen Medien [181]

Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen können die Folge einer übermäßigen Nutzung von Smartphone und Tablett sein. So verweisen erste Ergebnisse im Projekt BLIKK‑Medien – Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz und Krankheiten – Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Medien auf die gesundheitlichen Risiken eines zu häufigen Gebrauchs digitaler Medien hin. Diese reichen von Störungen beim Trinken und beim Einschlafen der Babys über eine verzögerte Sprachentwicklung bei Kleinkindern hin zu Konzentrationsproblemen und Übergewicht bei Schulkindern (1). Gesundheitspolitiker und Ärzte leiten daraus einen neuen Schwerpunkt in der Präventionsarbeit ab, der mit dem Begriff der digitalen Fürsorge überschrieben ist. Es werden u.a. Konzepte gesucht, die einen verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Medien frühzeitig trainieren helfen.


Wissenschaftliche Details

Die Verbindung zwischen einem übermäßigen Medienkonsum und den gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt die Forschung seit längeren. Details fügt jetzt eine erste Auswertung der BLIKK‑Studie hinzu. Das Projekt BLIKK‑Medien – Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz und Krankheiten – Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Medien sucht nach Zusammenhängen zwischen den Mediennutzungszeiten bei Kindern und ihren Eltern und den möglichen psychischen sowie physischen Auffälligkeiten im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche in Deutschland (2).

Ziel ist es, Anhaltspunkte für folgende Fragen zu formulieren:

  • Wie lässt sich ein normaler oder ein erhöhter Mediengebrauch definieren?
  • Welche Auswirkungen hat ein erhöhter Mediengebrauch auf die körperliche, geistige, soziale und schulische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen?
  • Haben frühzeitige Beratungs- und Informationsgespräche einen positiven Einfluss auf das Medienverhalten von Familien, Kindern- und Jugendlichen?
  • Welche Auswirkungen haben ein erhöhtes Medienverhalten und deren gesundheitlichen Folgen auf die Gesundheitsausgaben von morgen?

Der Deutsche Kinderschutzbund und die Deutsche Sportjugend unterstützen das Vorhaben, das vom Institut für Medizinökonomie und Medizinische Versorgungsforschung der Rheinischen Fachhochschule Köln (iMöV) und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) entwickelt worden ist. In der BLIKK‐Medienstudie wurden 5.573 Eltern und ihre Kinder zum Umgang mit digitalen Medien befragt. Deren Angaben sind mit der körperlichen, neurologischen und psychosozialen Verfassung der Kinder abgeglichen worden, insofern sie die Dokumentation von Früherkennungsuntersuchungen U3 – U10 sowie J1 erfasst. Die Auswertung belegt einen Zusammenhang zwischen der unkontrollierten Nutzung von Smartphone und Tablett und den gesundheitlichen Auffälligkeiten bei den untersuchten Kindern und Jugendlichen.

Das Faktenblatt der BLIKK‑Studie stellt die wesentlichen Ergebnisse im Überblick dar (1):

  • Cluster U3-U6: Säuglinge (1.-12. Monat) ließen sich schwerer füttern und hatten öfter Schwierigkeiten beim Einschlafen, wenn die Mutter während der Säuglingsbetreuung digitale Medien nutzte. Außerdem traten aufgrund des reduzierten Blickkontaktes Anzeichen für Bindungsstörungen auf.
  • Cluster U7-U9: 69,5 % der zwei- bis fünfjährigen Kinder konnten sich weniger als zwei Stunden selbständig beschäftigen, ohne digitale Medien zu nutzen. Ihre Sprachentwicklung verzögerte sich häufig. Auch fielen diese Kinder öfter durch motorische Hyperaktivität oder Unruhe auf und ließen sich leichter ablenken.
  • Cluster U10-J1: Bei den acht- bis 13-Jährigen traten neben einer motorischen Hyperaktivität vermehrt Konzentrationsschwächen auf, wenn diese mehr als 60 Minuten pro Tag digitale Medien nutzen. Diese Kinder griffen vermehrt zu Süßgetränken und Süßigkeiten und litten häufig an Übergewicht.
  • Die befragten 13- bis 14‑jährigen Jugendlichen berichteten von Schwierigkeiten, das Internet selbstbestimmt und kontrolliert zu nutzen.

Die BLIKK‑Experten aus Medizin und Gesundheitspolitik sind überzeugt davon, dass ein erfolgreicher digitaler Wandel auch Beratungs-, Informations- und Interventionskonzepte bedarf, um digitale Medien gesundheitsfördernd einzusetzen und zu nutzen.


Zum Weiterlesen

(1) BLIKK im Überblick. FACT‑SHEET vom 29.05.2017. Online unter http://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/Drogenbeauftragte/4_Presse/1_Pressemitteilungen/2017/2017_II_Quartal/Factsheet_BLIKK.pdf in Verbindung mit der Pressemitteilung vom 09.11.2016 mit den ersten Ergebnissen der Studie, online unter www.rfh-koeln.de/sites/rfh_koelnDE/myzms/content/e380/e1184/e29466/e34095/e34098/20161121_BLIKK_Pressemitteilung_Aend_VJ_ger.pdf

(2) Stiftung Kind und Jugend im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. BLIKK – Medien. Website. Online unter http://www.stiftung-kind-und-jugend.de/projekte/blikk-studie/

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