Ein früher Bluthochdruck bei den Eltern weist auf ein höheres Risiko für die Hypertonie und für die Herz-Kreislaufsterblichkeit bei den Kindern hin [179]

Ob sich Bluthochdruck in der Familie fortsetzt und welchen Schaden er im Herzen und in den Gefäßen anrichtet, hängt auch davon ab, zu welchem Zeitpunkt er im Leben der Eltern erstmals auftritt. Dies belegt jetzt eine Auswertung der Blutdruckaufzeichnungen, die in der Framingham-Studiengruppe über 60 Jahre lang und über zwei Generationen hinweg gesammelt worden sind (1). Trat die Hypertonie früh im Leben der Eltern auf, waren auch die Kinder häufiger davon betroffen. Im Vergleich zu den Nachkommen von Eltern mit Bluthochdruck im späteren Leben fiel zudem auch ihr Risiko, an Herz- und Gefäßerkrankungen zu versterben, größer aus.

Die Bostoner Wissenschaftler konstatieren, dass Bluthochdruck im frühen Leben überwiegend genetisch bedingt ist und sich folgenreicher auf kommende Generationen auswirkt, während das Auftreten von Bluthochdruck im späteren Leben eher mit einem ungünstigen Lebensstil- und schädlichen Umwelteinflüssen zusammen hängt. Um Bluthochdruck im Einzelfall besser vorbeugen zu können, empfehlen die Wissenschaftler, dem Lebensalter einen höheren Stellenwert beizumessen, wenn es darum geht, geeignete Präventionsmaßnahmen auszuwählen.


Wissenschaftliche Details

Bluthochdruck gilt noch immer als der wichtigste Risikofaktor, wenn Menschen weltweit an Herz- und Gefäßerkrankungen leiden bzw. daran versterben (2). Bei der Suche nach Möglichkeiten, Bluthochdruck effizient zu vermeiden, kommt dem Lebensalter der Betroffenen eine größere Bedeutung zu als bislang angenommen. So empfehlen jetzt Bostoner Wissenschaftler im British Medical Journal, bei der Wahl von Präventionsmaßnahmen gegen die Hypertonie zu unterscheiden, ob der Bluthochdruck innerhalb der Familie früher oder später im Leben auftritt.

Ihre Position stützt sich auf die Auswertung von Aufzeichnungen über Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen in der Framingham-Kohorte über sechs Jahrzehnte und über zwei Generationen hinweg. Berücksichtigt wurden 3.614 Elternteile mit und ohne Bluthochdruck, von denen 1.151 an Herz-Kreislauferkrankungen verstarben, und 1.635 Nachkommen, die zu Studienbeginn nicht an Bluthochdruck litten. Je früher die erste Generation von Bluthochdruck betroffen war, desto höher fiel die Wahrscheinlichkeit auch für die Vertreter der zweiten Generation aus, ebenso einen Bluthochdruck zu entwickeln. Auch waren diesen Nachkommen stärker gefährdet, an Herz- und Gefäßerkrankungen zu versterben. Trat etwa die Hypertonie bei den Eltern vor dem 45. Lebensjahr auf, verdoppelte sich bei ihren Nachkommen das Risiko für die Sterblichkeit aufgrund Herz- und Gefäßerkrankungen, im Unterschied zu den Kindern, deren Eltern normale Blutdruckwerte aufwiesen (3). Wurde bei den Eltern jedoch erst nach dem 65. Lebensjahr ein Bluthochdruck registriert, dann waren ihre Kinder um eine Viertel weniger gefährdet, an Herz- und Gefäßerkrankungen zu versterben, als die Kinder von Eltern, die schon in jungen Jahren einen Bluthochdruck entwickelten.

Ein früherer Beginn von Bluthochdruck bei den Eltern wirkte sich also ungünstiger auf die Blutdruckwerte, auf die Herz- und Gefäßgesundheit sowie auf die Lebenserwartung der Kinder aus, als ein Bluthochdruck, der erst in späteren Lebensphasen die Eltern traf. Das Lebensalter, in dem sich Bluthochdruck in der Familiengeschichte erstmals manifestiert, ist ein maßgeblicher Faktor, um Interventionen dem Einzelfall anzupassen, so das Studienergebnis.


Zum Weiterlesen

(1) N.J. Niiranen et al. (2017): Heritability and risks associated with early onset hypertension: multigenerational, prospective analysis in the Framingham Heart Study. In: British Medical Journal, Vol. 357, j1949. Online unter http://www.bmj.com/content/357/bmj.j1949

(2) S.S. Lim et al. (2012): A comparative risk assessment of burden of disease and injury attributable to 67 risk factors and risk factor clusters in 21 regions, 1990-2010: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2010. In: Lancet, Vol. 357, S. 2224-60. Online unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/pmid/23245609/

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