fbpx

Negative gesundheitliche Folgen von Bluthochdruck trotz medikamentöser Therapie [340]

Eine Milliarde Menschen sind weltweit von Bluthochdruck betroffen – nicht selten, ohne es zu merken. Denn gerade zu Beginn bleibt ein erhöhter Blutdruck (Hypertonie) oft symptomlos und wird daher meist lange Zeit nicht diagnostiziert. Dabei kann ein übermäßig erhöhter Blutdruck dramatische gesundheitliche Folgen insbesondere für das Herz-Kreislauf-System haben (1).

Eine deutsch-amerikanische Forschergruppe hat sich jüngst mit der Frage befasst, inwieweit die medikamentöse Behandlung von Personen mit einer Hypertonie Auswirkungen auf das Risiko für etwaige Folgeerkrankungen hat. In der Studie zeigte sich, dass selbst Personen, die dank blutdrucksenkender Medikamente keine Hypertonie mehr hatten, ein doppelt so hohes Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt aufwiesen gegenüber Menschen, die von Natur aus einen normalen Blutdruck hatten. Allerdings traten bei diesen Personen mit einem medikamentös eingestellten Blutdruck deutlich weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf als bei Personen mit gänzlich unbehandelter Hypertonie (2).


Wissenschaftliche Details

Mit der Kampagne „Mind your risk“ macht das US-amerikanische Gesundheitsministerium auf eine Erkrankung aufmerksam, die von vielen Menschen weltweit immer noch unterschätzt wird: Bluthochdruck (3). Oft unbemerkt schleicht sich der erhöhte Blutdruck in den Organismus eines Menschen ein und richtet dort nachhaltig Schäden an, noch bevor der Betroffene überhaupt von seiner Erkrankung weiß. Nur allzu passend erscheint dazu das Sinnbild eines heranschwimmenden Hais der US-amerikanischen Kampagne, der sich lautlos und langsam heranschleicht und den man erst dann bemerkt, wenn es für ein Entkommen zu spät ist.

Um zu verhindern, dass der Körper durch Bluthochdruck unwiderruflich geschädigt wird, werden vielfach sog. Antihypertensiva eingesetzt, die den Blutdruck von Betroffenen auf ein Normalmaß zu senken verhelfen. Inwieweit diese Medikamenteneinnahme Auswirkungen auf das Risiko für mögliche Folgeerkrankungen einer Hypertonie haben und welche Personengruppen trotz Medikation ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen haben, haben Forscher vorwiegend aus Essen im Rahmen der Heinz-Nixdorf-Recall-Studie untersucht.

Die Wissenschaftler analysierten die Daten von über 3.500 Personen im Alter von durchschnittlich knapp 60 Jahren ohne bekannte kardiovaskuläre Vorerkrankung und beobachteten ihre Gesundheit über fast 14 Jahre hinweg. Von allen Teilnehmern hatte nur knapp die Hälfte einen normalen Blutdruck, ohne blutdrucksenkende Medikamente einzunehmen. Von den circa. 30 % der Probanden, die Antihypertensiva einnahmen, konnte der Blutdruck nur bei der Hälfte dieser Teilgruppe auf Normalwerte gesenkt werden. Die andere Hälfte litt trotz Medikamenten an Hypertonie. Gute 22 % der Studienpopulation hatten einen gänzlich unbehandelten Bluthochdruck.

Im Vergleich zu den Studienteilnehmern mit normalem Blutdruck ohne Antihypertensiva hatten diejenigen, die medikamentös gut eingestellt waren, ein doppelt so hohes Risiko für einen Schlaganfall und für koronare und kardiovaskuläre Ereignisse. Das Risiko für Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems bleibt also auch für die Menschen mit Hypertonie erhöht, die mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt werden. Verglichen mit denjenigen, deren Bluthochdruck unbehandelt blieb, hatten Probanden mit einem medikamentös eingestellten Blutdruck allerdings deutlich weniger (-20 %) Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Forscher weisen darauf hin, wie wichtig die Blutdruckkontrolle und die Früherkennung von Bluthochdruck ist. Sie nehmen an, dass eine Hypertonie schon früh Schäden anrichtet, die im späteren Verlauf irreversibel sind. Besonders in Anbetracht dessen, dass Bluthochdruck gut durch Lebensstilmaßnahmen vorgebeugt werden kann, sollte die Prävention von Bluthochdruck viel mehr im Fokus allgemeiner Vorsorgeuntersuchungen und Präventionsmaßnahmen stehen. So kann etwa eine reduzierte Salzaufnahme, ein maßvoller Alkoholkonsum, ein Rauchverzicht und eine Verringerung etwaigen Übergewichtes vor Bluthochdruck schützen sowie im Anfangsstadium eine Therapiemöglichkeit zur Normalisierung des Blutdrucks sein (1).


Zum Weiterlesen

(1) World Health Organization (2013): A global brief on hypertension. Silent killer, global public health crisis. World Health Day 2013.

(2) J. Gronewold et al. (2019): Cardiovascular Risk and Atherosclerosis Progression in Hypertensive Persons Treated to Blood Pressure Targets. In: Hypertension, Online-Vorveröffentlichung. Online unter https://www.ahajournals.org/doi/abs/10.1161/HYPERTENSIONAHA.119.13827?rfr_dat=cr_pub%3Dpubmed&url_ver=Z39.88-2003&rfr_id=ori%3Arid%3Acrossref.org

(3) U.S. Department of Health & Human Services (2017): Mind Your Risks. Online unter https://www.mindyourrisks.nih.gov/

 

Comments are closed.