Frauen mit einer hohen täglichen Kalzium-Einnahme sterben mehr als doppelt so häufig an einer ischämischen Herzkrankheit wie Frauen mit einer niedrigen Zufuhr.

Dies ist das Ergebnis einer unlängst veröffentlichten Studie von Karl Michaëlsson und seinen Mitarbeiter von der Universität Uppsala1. Dazu analysierten sie die Daten einer schwedischen Mammographie-Kohorte, bei der zwischen 1987 und 1990 mehr als 61.000 Frauen im Alter von über 40 Jahren eingeschlossen wurden. Die Frauen der Kohorte wurden auch zu Ernährungsgewohnheiten und der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln befragt. Aus diesen Daten berechnete Michaëlsson die tägliche Kalziumzufuhr und analysierte die Sterbeurkunden von ca. 12.000 zwischenzeitlich verstorben Frauen.

Das Ergebnis zeigt, dass Frauen mit einer hohen täglichen Kalzium-Zufuhr von mehr als 1400 mg mehr als doppelt so häufig an einer ischämischen Herzkrankheit sterben wie Frauen mit einer Zufuhr von 600 bis 1000 mg Kalzium (Hazard Ratio HR 2,14), auch das kardiovaskuläre Risiko (HR 1,49) und das Gesamtsterberisiko (HR 1,40) waren signifikant erhöht.

Die Einnahme von Kalziumsupplementen war zwar nicht mit einer generellen Erhöhung des Sterberisikos verbunden. Jedoch hatten Frauen, die bereits über die reguläre Ernährung mehr als 1.400 mg Kalzium täglich zu sich nahmen, bei zusätzlicher Einnahme von Kalziumsupplementen ein 2,57-fach erhöhtes Gesamtsterberisiko.

Die Einnahme von Kalziumsupplementen sollte deshalb vom Nachweis eines Kalziummangels abhängig gemacht werden, empfiehlt der Autor.

Erst kürzlich hatte eine andere Studie auf ein erhöhtes kardiovaskulären Risiko durch Kalziumsupplemente für Männer hingewiesen, für Frauen jedoch keinen eindeutig nachteiligen Effekt gezeigt.2 Qian Xiao vom US-National Cancer Institute in Bethesda hatte dazu die Ergebnisse der Diet and Health Study ausgewertet, die als prospektive Beobachtungsstudien den Einfluss der Ernährung auf eine Gruppe von 388.000 Männern und Frauen im Alter von 55 bis 71 Jahren untersucht.3

Die Studie zeigte einen U-förmigen Zusammenhang zwischen Kalziumzufuhr und kardiovaskulärem Sterberisiko: das Risiko war sowohl bei einem Mangel (weniger als 500 mg/d) als auch bei einer zu starken Zufuhr (ab 1.500mg/d mit Nahrung oder Supplemente) signifikant erhöht.

Die Ergebnisse der beiden Studien zeigen zwar eindeutige Hinweise auf eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos durch eine zu hohe Kalziumzufuhr, ein kausaler Zusammenhang kann jedoch nur durch eine prospektive, randomisierte Studie bewiesen werden.

Quelle

  1. Michaëlsson, K., Melhus, H., Warensjö Lemming, E., Wolk, A., & Byberg, L. (2013). Long term calcium intake and rates of all cause and cardiovascular mortality: community based prospective longitudinal cohort study. BMJ : British Medical Journal, 346. doi:10.1136/bmj.f228
  2. Xiao Q, M. R. (2013). Dietary and supplemental calcium intake and cardiovascular disease mortality: The national institutes of health–aarp diet and health study. JAMA Internal Medicine, 1–8. doi:10.1001/jamainternmed.2013.3283
  3. dietandhealth.cancer.gov