Der Klimawandel kann den Schlaf beeinträchtigen [178]

Die Schlafqualität hängt sehr von der Umgebungstemperatur ab. Wissenschaftler aus Boston und San Diego sind daher der Frage nachgegangen, inwieweit die infolge des Klimawandels steigende Erderwärmung Schlafstörungen begünstigt. Sie glichen dafür die Selbstberichte über die Schlafqualität von rund einer dreiviertel Million US-Amerikanern mit den Aufzeichnungen über regionale Schwankungen in den Nachttemperaturen zwischen 2002 und 2011 ab (1).

Die Analyse ergab, dass in Phasen mit ungewöhnlich warmen Nächten auch die Schlafstörungen deutlich zunahmen. Schon die um ein Grad über den Normalwerten liegende Temperatur führte pro 100 Personen im Monat zu rund drei durchwachten Nächten mehr. Ältere und Personen mit geringerem Einkommen waren davon besonders betroffen.

Das Muster für die Verbindung zwischen den steigenden Außentemperaturen und der Minderung der Schlafqualität ist mit Hilfe eines Klimaprognosemodells in die Zukunft projiziert und für die Jahre 2050 – 2099 hochgerechnet worden. Das Ergebnis beweist nach Ansicht der Wissenschaftler erstmalig und eindeutig, dass der Klimawandel den menschlichen Schlaf stören kann.


Wissenschaftliche Details

Prognosen für das globale Klima sagen voraus, das die Phasen mit abnorm hohen Nachttemperaturen in den kommenden Jahrzehnten häufiger auftreten werden. Da die Qualität des Schlafes unmittelbar von der Umgebungstemperatur beeinflusst wird, haben Wissenschaftler von Harvard University in Cambridge und der Universität San Diego erstmalig untersucht, inwieweit der Klimawandel den Schlaf derzeit spürbar beeinflusst bzw. noch beeinflussen wird. Daten von 765.000 US-Amerikanern, die im Verlaufe einer Gesundheitsstudie zwischen 2002 und 2011 gesammelt worden waren, bildeten den Ausgangspunkt der Studie. Diese enthielten auch Angaben, in wie vielen Nächten pro Monat die Beteiligten unzureichend geschlafen haben.

Ein Abgleich mit Aufzeichnungen von regionalen Wetterstationen zeigte einen eindeutigen und messbaren Zusammenhang zwischen überdurchschnittlich warmen Nächten und der Häufigkeit von Schlafstörungen. Lag die Nachttemperatur am Wohnort nur ein Grad über den Normalwerten, führte dies pro 100 Personen im Monat zu drei schlaflosen Nächte mehr.

Die Daten, mit Hilfe eines Klimaprognosemodells der NASA hochgerechnet, weisen darauf hin, dass in den USA bis zum Jahr 2050 pro Monat und pro 100 Personen sechs schlaflose Nächte hinzukommen können und bis zum 2099 sogar 14, wenn der gegenwärtige Klimatrend nicht gestoppt wird.

Die Prognose im Bild (1): Prognose Klima

Erwartungsgemäß fiel der Effekt im Sommer am deutlichsten und dreimal höher als im Frühjahr oder im Herbst aus. Minimal ließ er sich sogar im Winter nachweisen.

Zwei Bevölkerungsgruppen waren überproportional beeinträchtig: ärmere und ältere Menschen. So litten Personen mit einem Einkommen von weniger als 50.000 US $ im Jahr dreimal häufiger an Schlafstörungen als reichere, für die leistungsstarke Klimaanlagen und eine kühlere Wohnbezirkslage eher erschwinglich sind. Bei Älteren über 65 Jahre, die Temperaturschwankungen schlechter ausgleichen können, traten wärmebedingte Schlafunterbrechungen doppelt so häufig auf als bei Jüngeren.

Da Schlafstörungen die Anfälligkeit für Infektionen und chronische Erkrankungen vergrößern, kann der Klimawandel zu fatalen gesundheitliche Problemen führen, so die Wissenschaftler. Für ärmere Regionen in heißen Klimazonen werde diese Problematik besonders ausgeprägt sein.


Zum Weiterlesen

(1) N. Obradovich et al. (2017): Nighttime temperature and human sleep loss in a changing climate. In: Science Advances, Vol. 3, Nr. 5. Online unter http://advances.sciencemag.org/content/advances/3/5/e1601555.full.pdf

(2) Assmann – Stiftung für Prävention (2017): Schlafstörungen beeinflussen die Blutfettwerte ungünstig. Blog. Online unter https://www.assmann-stiftung.de/schlafstoerungen-beeinflussen-die-blutfettwerte-unguenstig-154/

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