Zu wenig Schlaf im Krankenhaus [239]

Amsterdamer Wissenschaftler haben jetzt erstmals in einer groß angelegten Studie gemessen, in welchem Maße die Schlafqualität im Krankenhaus beeinträchtigt ist (1). Ihre Patienten schliefen in der Klinik rund eineinhalb Stunden weniger als in ihrem heimischen Bett. Zudem war die Nachtruhe öfter unterbrochen und endete im Schnitt 44 Minuten früher als gewohnt. Geräusche von Mitpatienten und anderer Lärm infolge des nächtlichen Klinikbetriebes störten den Schlaf am häufigsten. Die Ergebnisse der Querschnittsuntersuchung aus einer Nacht in 39 niederländischen Kliniken wurden jetzt im Journal JAMA Internal Medicine publiziert. Um die Schlafqualität von Klinikpatienten zu verbessern, geben die Wissenschaftler eine Fülle von Anregungen.


Wissenschaftliche Details

Unterbrechungen der Nachtruhe eines Patienten im Krankenhaus sind mehr als ärgerlich. Sie schmälern die Heilungschancen und wirken sich ungünstig auf das Immunsystem und den Stoffwechsel aus. Zudem gelten sie als ein möglicher Auslöser von Delir (Zustand der Verwirrung) auf Intensivstationen, erschweren die Entwöhnung von der künstlichen Beatmung und erhöhen das Risiko für chronische Schlafstörungen (2).

Wissenschaftler vom Onderzoeks Consortium Acute Geneeskunde der Universität Amsterdam haben jetzt eine sogenannte Flash-Mob-Studie organisiert, um die Schlafqualität von Klinikpatienten landesweit in einer einzigen Nacht zu bewerten (1). 2.005 im Schnitt 68 Jahre alte Patienten aus 39 niederländischen Kliniken sind dem Aufruf gefolgt und haben Fragebögen zur Qualität ihres Schlafes in der Klinik am 22. Februar 2017 und im häuslichen Umfeld ausgefüllt. Die Auswertung der überwiegend online eingereichten Unterlagen ermöglichte erstmals Querschnittsangaben zum Umfang und zu den Störfaktoren, die zu Schlafmangel im Krankenhaus führen. Anhand des Subjective Sleep Disturbance Scores, der die Schlafqualität in fünf Kategorien (erfrischend, befriedigend, unruhig, verzögert eingeschlafen und desolat aufgewacht) erfasst, beurteilten die Patienten ihre Nachtruhe im Krankenhaus um vier Punkte schlechter als im Alltag.

Im Unterschied zur häuslichen Umgebung schliefen die Studienteilnehmer in der Klinik im Schnitt 83 Minuten weniger. Ihr Nachtschlaf war um 1,2-mal häufiger unterbrochen als zuhause und endete 44 Minuten früher als gewohnt. Die Patienten fühlten sich vor allem akustisch beeinträchtigt, zu zwei Drittel aufgrund der Geräusche von Mitpatienten und zu einem Drittel durch Lärm, den das Klinikpersonal verursachte. Schmerzen und häufige Toilettengänge wurden als weitere wichtige Störfaktoren genannt.

Die Studienautoren schlagen eine Vielzahl von Maßnahmen vor, um den stationär untergebrachten Patienten einen besseren Schlaf zu ermöglichen. Zu den Anregungen zählen etwa das Verteilen von Ohrenstöpseln und Augenmasken, gedimmte Lichter, leise Schuhsohlen und das Tragen von Rufmeldern in Kitteltaschen. Auch eine veränderte Ablauforganisation könnte mehr Schlafqualität ermöglichen, etwa der Verzicht auf Messungen von routinemäßigen Vitalparametern in den frühesten Morgenstunden oder die Gabe von Diuretika vor 16:00 Uhr. Inzwischen seien Konzepte erprobt, die auch den Verbrauch von Schlaftabletten reduzieren könnten. Empfohlen etwa wird das Programm Hospital Elder Life (HELP), das mit dem Einsatz von warmen Getränken, Massagen, Entspannungsmusik, lärmreduzierten Geräten und ähnlichem hilft, die Schlafqualität zu verbessern.


Zum Weiterlesen

(1) H.M. Wesselius et al. (2018): Quality and Quantity of Sleep and Factors Associated With Sleep Disturbance in Hospitalized Patients. In: Journal of the American Medical Association Internal Medicine, Online-Veröffentlichung. Online unter https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2687528

(2) M.E. Growdon et al. (2018): Minimizing Sleep Disruption for Hospitalized Patients. A Wake-up Call. In: Journal of the American Medical Association Internal Medicine, Online-Veröffentlichung. Online unter https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2687522

 

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