Herzinfarkte treten zunehmend bei Jüngeren auf. Zu den signifikanten Risikofaktoren zählt neben Rauchen, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel auch berufsbedingter negativer Stress.

Wie häufig extreme Belastungen im Beruf zum Infarkt führen können, beschreibt eine Forschergruppe um Mika Kivimäki vom University Collge aus London im Journal Lancet vom 17. September 2012. Die Teilnehmer der  200.000 Personen aus sieben europäischen Ländern umfassenden Studie waren zu Studienbeginn im Jahr 1985 in Durchschnitt 42 Jahre alt. 2358 dieser Personen erlitten innerhalb von 7,5 Jahren einen Herzinfarkt.

Unabhängig von Risikofaktoren wie beispielsweise Rauchen oder Bewegungsmangel werden 3,5 % der Erkrankungen direkt auf berufsbedingten Stress zurückgeführt. Das Risiko, berufsstressbedingt einen Infarkt zu erleiden, wird mit 20 % beziffert. Nur allzu oft sei es der geringe Handlungsspielraum am Arbeitsplatz, der gesundheitsschädigende Auswirkungen nach sich ziehe.1

Eine in Paris durchgeführte Studie zu 7.000 Infarktpatienten bestärkte die schon länger zu beobachtende Entwicklung, dass Herzinfarkte zunehmend jüngere und weibliche Patienten treffen. Die auf dem Europäischen Kardiologenkongress im September 2012 vorgestellten Daten liefern einen unübersehbaren Zusammenhang: Zwischen 1995 – 2010 sei die Zahl Herzinfarktpatientinnen unter 60 Jahre von 12 % auf 26 % angewachsen.

Die Forschergruppe um den Kardiologen N. Danchin von der Université Paris Descartes führt diesen Trend in erster Linie auf die Zunahme des Tabakverbrauches und erst in zweiter Linie auf die Zunahme der Fettleibigkeit zurück. Der Anteil der Raucherinnen unter den infarkterkrankten Patientinnen sei um knapp die Hälfte, von 37 % auf 73 %, und der Anteil der stark Übergewichtigen um den Faktor 1,5, von 18 % auf 27 %, gestiegen.

Neurobiologen empfehlen, sich auf Werte zu konzentrieren, die uns gesund erhalten können. In der Salutogenese gelten Verstehbarkeit, Gestaltbarkeit und Sinnhaftigkeit der Lebens- und Berufswelt als gesundheitsstabilisierende Faktoren, Gesundheit selbst als Prozess. Die Geschichte der Präventivmedizin zeigt, dass präventivmedizinische Maßnahmen signifikant wirksam wurden, wenn sich das Verständnis von Krankheit und Gesundheit wandelte.  Brauchen wir, wie z.B. Gerald Hüther vorschlägt, einen Kulturwandel?2

Quellen

  1. Kivimäki M, Nyberg ST, Batty GD, Fransson EI, Heikkilä K, Alfredsson L, et al. Job strain as a risk factor for coronary heart disease: a collaborative meta-analysis of individual participant data. The Lancet. 2012 Oct;380(9852):1491–7.
  2. Kulturwandel in Unternehmen | Leitung: Gerald Hüther & Sebastian Purps [Internet]. [cited 2012 Nov 5]; Available from: kulturwandel.org