Zur Schlaganfallprävention mit Folsäure bei Bluthochdruckrisikopatienten [250]

Die Gabe von Folsäure[1] in Kombination mit dem Blutdrucksenker Enalapril hat in einer kürzlich erschienen Studie dazu beigetragen, das Schlaganfallrisiko bei Chinesen mit Bluthochdruck um bis zu 73 % zu senken. Hypertoniker mit einer geringen Blutplättchenanzahl und zu hohen Homocystein-Werten[2] sprachen besonders gut auf das B-Vitamin an. Bei Patienten mit hoher Thrombozytenzahl und niedrigen Homocysteinspiegeln blieb der hilfreiche Effekt von Folsäure hingegen aus, berichtet jetzt das Journal of the American College of Cardiology (3).


Wissenschaftliche Details

Folsäure kann in Kombination mit Blutdrucksenkern zur Primärprävention von Schlaganfällen bei Hypertonikern beitragen. Belege hierfür ergaben sich jetzt erneut aus der China Stroke Primary Prevention Trial (CSPPT). Die Studienautoren vom Peking University First Hospital hatten im Jahr 2015 erstmals nachgewiesen, dass Folsäure in Verbindung mit dem Blutdrucksenker Enalapril die Gefahr für den ersten Schlaganfall senken kann (1). Dabei galten neben dem Alter und dem Raucherstatus insbesondere die Homocystein-Werte der Studienteilnehmer als Faktor zur Hochrechnung des Schlaganfallrisikos. Da neben einem zu hohen Homocysteinspiegel auch ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) die Wahrscheinlichkeit für Durchblutungsstörungen im Gehirn unabhängig mit beeinflusst, haben die Wissenschaftler nun erstmals Risikoabschätzungen in Kombination beider Parameter vorgenommen. Sie gelangten in der Folge zum Ergebnis, dass die Wirksamkeit von Folsäure in der Primärprävention des Schlaganfalls bei Hypertonikern sowohl vom Homocysteinspiegel als auch von der Thrombozytenanzahl abhängig ist.

In die Analyse waren 10.789 zwischen 45 und 75 Jahre alte Bluthochdruckpatienten einbezogen worden. Alle erhielten über circa vier Jahre hinweg eine tägliche Dosis von 10 mg des Blutdrucksenkers Enalapril. Die Hälfte der Probandengruppe erhielt zusätzlich 0,8 mg Folsäure am Tag. Insgesamt 371 Studienteilnehmer erlitten während der Beobachtungszeit einen Schlaganfall, davon waren 161 in der Enalapril-Folsäuregruppe und 210 in der Enalapril-Gruppe ohne Folsäuregabe.

Die Gabe von Folsäure konnte das Risiko für den ersten Schlaganfall in der Enalapril-Folsäuregruppe spürbar verringern. Es sank bei Patienten mit niedriger Thrombozytenzahl und hohen Homocysteinspiegeln von 5,6 % auf 1,8 % ab, was einer Risikominderung von 73 % entspricht. Bei Patienten mit hoher Thrombozytenzahl und niedrigen Homocysteinspiegeln blieb der günstige Folsäureeffekt hingegen aus.

Patienten mit einem hohen Risiko, das erste Mal in ihrem Leben einen Schlaganfall zu erleiden, könnten durch die Messung von Thrombozyten und Homocystein einfach und besser identifiziert und mit der Gabe von Folsäure kostengünstig behandelt werden, resümieren die Experten (4). Besonders für ärmere Länder mit geringeren diagnostischen Möglichkeiten und schwächeren Vorsorgeleistungen sei diese Option erwägenswert. Voraussetzung dafür ist, dass die Studienergebnisse in Folgestudien außerhalb von China bzw. in Regionen mit einem anderen Grad der Folsäureversorgung bestätigt werden können.


Zum Weiterlesen

(1) Assmann-Stiftung für Prävention (2015): Schlaganfallprävention mit Folsäure [103]. Online unter https://www.assmann-stiftung.de/schlaganfallpraevention-mit-folsaeure-103/

(2) Assmann-Stiftung für Prävention (2018): Homocystein. Online unter https://www.assmann-stiftung.de/homocystein/

(3) X. Kong et al. (2018): Platelet Count Affects Efficacy of Folic Acid in Preventing First Stroke. In: Journal of the American College of Cardiology, Vol. 71, Nr. 19, S. 2136-2146. Online unter  https://doi.org/10.1016/j.jacc.2018.02.072

(4) S. Roth (2018): Hypertensive Patients May Benefit from Folic Acid Supplements. Patients with low platelet count and high homocysteine levels reduced first stroke risk by 73 percent with the B vitamin. American College of Cardiology, 7. Mai 2018. Online unter http://www.acc.org/about-acc/press-releases/2018/05/07/12/47/hypertensive-patients-may-benefit-from-folic-acid-supplements

Fußnote(n)

[1] Folsäure ist im Körper unter anderem für die Zellteilung und im Methioninstoffwechsel unentbehrlich. Für Schwangere ist sie besonders wichtig, da Folsäure Neuralrohrdefekte der ungeborenen Kinder vermeidet. Folat ist gegenüber Licht und Hitze nicht stabil und wie alle B-Vitamine wasserlöslich. Folatreiche Lebensmittel wie grünes Blattgemüse (Spinat, Salate), Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte sollten also nach Möglichkeit nur kurz und unzerkleinert gewaschen und roh oder nur schonend gedünstet verzehrt werden. Folsäure ist im Homocystein-Stoffwechsel für dessen Umwandlung in die unbedenkliche Aminosäure Methionin zuständig (2).

[2] Einen detaillierten Artikel zu Homocystein lesen Sie hier.

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