fbpx

Verträgliches Bakterium verbessert Blutfett- und Entzündungswerte [302]

Akkermansia muciniphila, ein weit verbreitetes Darmbakterium mit möglicherweise positiven Auswirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel, kann ohne schädliche Nebenwirkungen als Präparat verabreicht werden. Dies haben Wissenschaftler von der Universität Louvain in einer ersten Pilotstudie nachgewiesen und jetzt im Journal Nature publiziert. Die Ergebnisse ebnen den Weg, um mit Hilfe eines bakterienbasierten Nahrungsergänzungsmittels die Herz- und Gefäßgesundheit wirksam zu unterstützen.

Täglich über drei Monate hinweg eingenommen, hat Akkermansia die Gesamt­cholesterin­werte, den Insulinstoffwechsel sowie die Entzündungsmarker bei 32 stark übergewichtigen Männern verbessert. Die Testpersonen verloren zudem geringfügig an Körpergewicht, Fettmasse und Taillenumfang. Die Struktur ihrer Darmflora blieb hingegen erhalten. Die Gabe von Akkermansia muciniphila gilt aufgrund der Studienergebnisse als sicher und verträglich. Ein entsprechendes Präparat soll ab 2021 im Handel verfügbar sein.


Wissenschaftliche Details

Bestimmte Kleinstlebewesen aus dem Darm beeinflussen mit, ob sich im Laufe des Lebens Fettleibigkeit, Insulinresistenz oder Bluthochdruck entwickelt oder ob die Wirtsperson unbeeinträchtigt vom Metabolischen Syndrom gesund alt werden kann. Forschungen konzentrieren sich zunehmend darauf, die gesundheitsförderlichen Mikroben zu identifizieren. So gelang im Jahr 2007 der aufsehenerregende Nachweis, dass das Darmbakterium Akkermansia muciniphila Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes bei Mäusen mildert. Dem erfolgreichen Wissenschaftlerteam am Louvain Drug Research Institute der Universität Louvain und an der Universität Wageningen ist es nun gelungen, diesen stoffwechselfördernden Effekt des Darmbakteriums auch beim Menschen nachzuweisen, ohne dass schädliche Nebenwirkungen auftraten.

32 an Fettleibigkeit und Insulinresistenz leidende Männer waren im Rahmen einer randomisierten, doppelt verblindeten, placebokontrollierten Interventionsstudie bereit, sich einem Test zur Verträglichkeit und Sicherheit sowie den metabolischen Auswirkungen des Darmbakteriums zu unterziehen. Die Freiwilligen wurden dafür in drei Gruppen eingeteilt und erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder ein Placebo oder ein Präparat mit lebenden oder mit pasteurisierten Bakterien. Sie sollten ansonsten ihre Ernährungs- und Aktivitätsgewohnheiten beibehalten. In der Studie wurden primär die Sicherheit und Verträglichkeit, die Insulinresistenz, die zirkulierenden Lipide, eine viszerale Adipositas sowie das Körpergewicht beobachtet und nachgeordnet die Darmsperrfunktion und die Darm-Mikrobiota-Zusammensetzung analysiert.

Die Auswertung der Parameter ergab, dass der Konsum von lebenden oder pasteurisierten Akkermansia muciniphila über drei Monate hinweg sicher und gut verträglich war. Im Vergleich zum Placebo erhöhte das pasteurisierte Bakterium die Insulinempfindlichkeit (+28,62 %) und verringerte den Insulinmangel (-34,08 %) sowie den Gesamtcholesterinspiegel (-8,68 %). Günstig, wenn auch in geringerem Maße, veränderte sich unter dem Einfluss des Bakteriums auch das Körpergewicht (- 2,27 kg), die Fettmasse (-1,37 kg) und der Hüftumfang (-2,63 cm). Zudem verbesserten sich die Spiegel der wichtigsten Blutmarker für Leberfunktionsstörungen und für Entzündungen, während die gesamte Struktur des Darmmikrobioms unbeeinträchtigt blieb.

Die Wissenschaftler sehen es nach dem erfolgreichen Verlauf der Pilotstudie als machbar und vielversprechend an, (pasteurisierte) Akkermansia-Bakterien als Nahrungsergänzungsmittel einzusetzen, um kardiometabolische Risikofaktoren zu reduzieren. Nach Folgestudien soll ein entsprechendes Präparat bis zum Jahr 2021 auf dem Markt verkäuflich sein.


Zum Weiterlesen

Depommier et al. (2019): Supplementation with Akkermansia muciniphila in overweight and obese human volunteers: a proof-of-concept exploratory study. In: Nature Medicine, Vol. 25, S. 1096-1103. Online unter https://www.nature.com/articles/s41591-019-0495-2

Comments are closed.