Übermäßiger Alkoholkonsum als Risikofaktor für Demenzen [226]

Demenz ist mit circa 50 Millionen Betroffenen weltweit eine der Hauptursachen für Behinderungen und Abhängigkeit älterer Menschen (1). Als mögliche Ursache einer Demenz gilt schon länger ein übermäßiger Alkoholkonsum (2). Kanadische und französische Forscher konnten kürzlich in einer Studie alkoholbedingte Erkrankungen als möglichen Auslöser insbesondere früh einsetzender Demenz identifizieren (3).


Wissenschaftliche Details

Neben Vitaminmangelkrankheiten, Stoffwechsel- oder Elektrolytstörungen gehören insbesondere Alkoholerkrankungen zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine Demenz. Dies bestätigten die Ergebnisse einer landesweiten Beobachtungsstudie in Frankreich mit mehr als einer Million erwachsenen Demenzpatienten, die kürzlich im Journal „The Lancet“ publiziert wurde (3;4). Von den knapp 60.000 Personen, bei denen frühzeitig eine Demenz diagnostiziert wurde, war knapp ein Drittel direkt auf einen Alkoholabusus zurückzuführen.  Alkoholkranke waren im Rahmen der Studie rund dreimal mehr gefährdet, eine Demenz zu entwickeln als Personen mit einem moderaten Alkoholkonsum. Auch litten Personen mit einer Alkoholabhängigkeit häufiger an Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen und Hörverlusten, rauchten mehr und hatten in der Regel einen geringeren Bildungsstatus. Die kognitiven Störungen setzten bei ihnen überwiegend früh ein. So waren mehr als die Hälfte aller Patienten, die vor dem 65. Lebensjahr die Diagnose Demenz erhielten, schon aufgrund von Alkoholstörungen im Krankenhaus behandelt worden. Diese waren häufiger männlich als weiblich. Viele der frühen Demenzen und weiteren Hirnschäden sind vermeidbar, so die Studienautoren, wenn es gelingt, den übermäßigen Alkoholkonsum rechtzeitig zu beschränken. Sie fordern entsprechende gesundheitspolitische Interventionen und Screenings zur Früherkennung eines Alkoholmissbrauchs inklusive eines breiten Interventions- und Therapieangebots ein.

Auch in Deutschland ist Demenz mit gut einer Million Betroffenen, von denen circa ein Fünftel schon vor dem 65. Lebensjahr an einer frühzeitigen (sog. frontotemporalen) Demenz erkranken, eine verbreitete Erkrankung. In der aktuellen medizinischen Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Fachgesellschaften (AWMF) wird Alkoholabhängigkeit als Intoxikation als eine mögliche Ursache eines Demenzsyndroms und einer leichten kognitiven Störung („mild cognitive impairment“, MCI) aufgeführt. Entgegen früherer Annahmen, dass geringe Mengen Alkohol der Demenzprävention dienen können, wird dies in aktuellen Leitlinien aufgrund der Dosisabhängigkeit, der toxischen Eigenschaften von Alkohol und der Suchtgefahr nicht mehr empfohlen (2).


Zum Weiterlesen

(1) World Health Organization (2017): Dementia. Fact Sheet. Online unter http://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/dementia

(2) Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Fachgesellschaften e.V. (2016): S3-Leitlinie „Demenzen“. Online unter https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/038-013l_S3-Demenzen-2016-07.pdf

(3) M. Schwarzinger et al. for the QualyDays Study Group (2018): Contribution of alcohol use disorders to the burden of dementia in France 2008–13: a nationwide retrospective cohort study. In: The Lancet Public Health, Vol. 3, Nr. 3, S. e124-e132. Online unter https://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667(18)30022-7/fulltext

(4) C. Ballard, I. Lang (2018): Alcohol and dementia: a complex relationship with potential for dementia prevention. In: The Lancet Public Health, Vol. 3, Nr. 3, S. e103-104. Online unter https://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667(18)30031-8/fulltext

 

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