Probiotika-Präparate unterstützen die Darmgesundheit nicht universell [247]

Probiotika sind als ein Mittel zum Erhalt der Darmgesundheit anerkannt. Sie werden unter anderem eingesetzt, um die Regeneration der Darmschleimhaut nach einer Antibiotika-Therapie zu fördern. Doch nicht immer erzielen die Präparate dabei den gewünschten Effekt und helfen auch nicht jedem.

Wissenschaftler vom Weizman-Institut of Science in Israel weisen jetzt im Journal „The Cell“ auf Nebenwirkungen von Probiotika-Präparaten hin. Unkontrolliert konsumiert können diese die ursprünglich im Darm angesiedelten Mikroorganismen verdrängen und so die Erholung der Darmflora verzögern. Probiotika sollten daher, so die Experten, als Arzneimittel individuell verabreicht und nicht als Nahrungsergänzungsmittel universell konsumiert werden.


Wissenschaftliche Details

Die menschliche Darmflora unterstützt unseren Organismus wie ein selbständiges Organ dabei, Körperfunktionen auszubilden und aufrecht zu erhalten. Gesundheit ist daher auch abhängig davon, inwiefern es gelingt, die Vielfalt im Gleichgewicht der Kleinstlebewesen ein Leben lang zu sichern. Dazu trägt unter anderem eine ausgewogene und gesunde Ernährung bei, in der auch regelmäßig probiotisch wirksame Lebensmittel wie Joghurt vorkommen.

Probiotika-Präparate sind lebende Mikroorganismen wie beispielsweise Milchsäurebakterien, die dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen erbringen können. Die verabreichten Bakterienstämme sollen die Darmflora bei der Immunabwehr unterstützen, für eine gesunde Verdauung sorgen und somit die Lebensqualität insgesamt verbessern. Probiotika werden auch zur Regeneration der Darmschleimhaut nach Antibiotikabehandlungen eingesetzt. Sie genießen allgemein ein hohes Ansehen, obgleich vor allem ihr universeller Einsatz als therapeutisches „Allheilmittel“ wissenschaftlich aktuell nicht ausreichend gerechtfertigt werden kann.

Zwei experimentelle Studien aus dem Weizmann Institute of Science in Israel weisen jetzt auf individuell unterschiedliche und zum Teil auch ungünstige Effekte hin, die Probiotika-Präparate in der Darmschleimhaut auslösen können. Die Ergebnisse sind im Journal „The Cell“ publiziert worden (1;2).

Eine erste Testreihe mit 15 gesunden Erwachsenen wies auf zwei grundsätzlich verschiedenen Verwertertypen von Probiotika hin. Einige Probanden hatten vier Wochen lang täglich ein Probiotikum mit elf verschiedenen Bakterienstämmen konsumiert, andere hingegen ein Placebo. Endoskopie- und Koloskopieuntersuchungen zu Beginn und drei Wochen nach der Kur ergaben, dass die Probiotika sich nur bei einigen Testpersonen, im Folgenden „Persisters“ genannt, im Darm angesiedelt hatten. Bei anderen, als „Resisters“ bezeichnet, waren sie hingegen nicht mehr nachzuweisen.

Probiotika wirken nicht bei allen Menschen gleich gut, so die Wissenschaftler im Resümee. Zu welchem Verwertertyp jeder Einzelner gehört, könne künftig durch Stuhlproben bestimmt werden. Biochemische und genetische Analysen von Stuhlbestandteilen vorab hatten eine individuelle Vorhersage zur Überlebensfähigkeit der Mikroorganismen bei den Testessern ermöglicht.

Eine weitere Versuchsreihe untersuchte die Effektivität von Anwendungen, die zur Erholung der Darmflora nach Antiobiotikagaben beitragen sollen. 21 gesunde Erwachsene nahmen eine Woche lang ein Breitbandantibiotikum, zusammengesetzt aus Ciprofloxacin und Metronidazol, ein. Bei einer Gruppe wurde lediglich abgewartet, ob sich die Darmflora nach der Medikamentengabe allein regenerierte, eine zweite verzehrte vier Wochen lang spezielle Probiotika und einer dritten Gruppe wurde über eine Sonde eigene Darmbakterien verabreicht.

Die Rückführung körpereigener Mikroorganismen trug im Vergleich zum Abwarten am schnellsten zur vollständigen Erholung der Darmflora bei. Der Konsum von Probiotika hingegen verzögerte die natürliche Regeneration der Darmflora wochenlang. Eine ungezielte Gabe von Probiotika sei, so die Wissenschaftler, bestenfalls wirkungslos, wenn nicht im Einzelfall sogar schädlich.

Die Experten raten daher von einem eigenständig initiierten und unkontrollierten Konsum von Probiotika ab. Diese sollten stattdessen je nach Bedarf der Patienten individuell zusammengestellt und mit der gleichen Sorgfalt wie Arzneimittel verordnet werden.


Zum Weiterlesen

(1) N. Zmora et al. (2018): Personalized Gut Mucosal Colonization Resistance to Empiric Probiotics Is Associated with Unique Host and Microbiome Features. In: The Cell, Vol. 174, Nr. 6, S. 1388-1405. Online unter https://www.cell.com/cell/abstract/S0092-8674(18)31102-4

(2) J. Suez et al. (2018): Post-Antibiotic Gut Mucosal Microbiome Reconstitution Is Impaired by Probiotics and Improved by Autologous FMT. In: The Cell, Vol. 174, Nr. 6, S. 1406-1423. Online unter https://www.cell.com/cell/abstract/S0092-8674(18)31108-5

 

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