fbpx

Nahrungsergänzungsmittel und Diäten für ein gesundes Herz auf dem Prüfstand [313]

Die meisten der Nahrungsergänzungsmittel und Ernährungsweisen, die für ein gesundes Herz eingesetzt werden, sind wahrscheinlich wirkungslos. Zu dieser Einschätzung gelangten Wissenschaftler von der West Virgina University jetzt im Journal Annals of Internal Medicine (1). Lediglich Omega-3-Fettsäuren- und Folsäurepräparate waren mit einem geringeren Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall assoziiert. Eine salzreduzierte Diät wurde mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit bei Erwachsenen ohne Bluthochdruck in Verbindung gebracht. Bei der gemeinsamen Einnahme von Calcium- und Vitamin D-Präparaten wurde sogar ein erhöhtes Schlaganfallrisiko festgestellt. Die Experten empfehlen, sich derzeit beim Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln und Diäten zwecks Herz- und Gefäßschutz zurückzuhalten.


Wissenschaftliche Details

Die meisten Nahrungsergänzungsmittel und Diäten tragen nach gegenwärtigem Wissensstand nicht nennenswert zur Herz- und Gefäßgesundheit bei. Dies ging aus einer Metaanalyse von 277 randomisierten Studien hervor, die jetzt im Journal Annals of Internal Medicine publiziert wurde (1). Wissenschaftler der West Virgina University hatten 16 Supplemente und acht spezifische Ernährungsmuster dahingehend überprüft, inwieweit diese dazu beitragen können, die Sterblichkeit und das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verringern. Zu den untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln zählten Antioxidantien, ß-Carotin, Multivitamine, Selen, Vitamin A, Vitamin B3, Vitamin B6, Vitamin C, Vitamin E, Vitamin D und Calcium (einzeln sowie gemeinsam eingenommen), Folsäure, Eisen und Omega-3-Fettsäuren. Von den herzgesunden Ernährungsmustern wurden unter anderem die traditionelle Mittelmeerkost sowie salz- und/oder fettreduzierte Diäten einer Beurteilung unterzogen.

In den Gesundheitsdaten von weltweit fast einer Million erwachsenen Studienteilnehmern fanden sich bei den begutachteten Ernährungsinterventionen nur wenige aussagekräftige Belege für einen herzgesundheitsfördernden Effekt:

  • Eine salzreduzierte Diät verringerte die Gesamtsterblichkeit bei Personen mit normalem Blutdruck um 10 %[1] und die Sterblichkeit infolge von Herz- und Gefäßerkrankungen bei Bluthochdruck-Patienten um 33 %[2].
  • Der Konsum von Omega-3-Fettsäuren-Präparaten war mit einem um 8 %[3] verringerten Risiko für einen Herzinfarkt und einem um 7 %[4] verringerten Risiko für die koronare Herzkrankheit verbunden.
  • Folsäure-Supplemente konnten mit einem um 20 %[5] geringeren Schlaganfallrisiko assoziiert werden.
  • Die kombinierte Einnahme von Kalzium und Vitamin D wurde hingegen mit einer um 17 %[6] erhöhten Gefahr für einen Schlagfall in Verbindung gebracht.

Die Metaanalyse hat den zum Teil in Einzeluntersuchungen belegten Herz- und Gefäßschutz von allen anderen Supplementen und Diäten nicht unterstützt. So konnte auch die herzschützende Wirkung der traditionellen mediterranen Ernährung nicht belegt werden, obgleich dieser Effekt in der PREDIMED-Kohorte im Detail und wiederholt nachgewiesen wurde (2,3). Als Konsequenz der umfangreichen Literaturuntersuchung gehen die Wissenschaftler derzeit nicht davon aus, dass die Reduzierung von Nahrungsfetten und dabei insbesondere von gesättigten Fettsäuren das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko signifikant verringern kann. Schwächen in der Studienorganisation und -durchführung der Einzeluntersuchungen erschwere derzeit eine abschließende vergleichende Bewertung der kardioprotektiven Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln und Diäten, so die Experten (4).

Künftige Studien sollen stärker als bislang die Variabilität der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten von einzelnen Bevölkerungsgruppen in unterschiedlichen geografischen Regionen berücksichtigen, um zu einer präziseren Bewertung von Ernährungsinterventionen zu gelangen, heißt es im Editorial (5). So beruhe der Nachweis des Erfolgs in der Schlaganfallprävention mithilfe von Folsäurepräparaten auf einer in China durchgeführten Studie, während dieser Effekt in der westlichen Bevölkerung, die sich folsäurehaltiger ernährt als die Chinesen, aus Gründen der Übersättigung möglicherweise so nicht nachgewiesen werden könnte.

Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz wird es zudem in Zukunft möglich sein, gesundheits- und ernährungsrelevante Datensätze zur körperlichen Aktivität, zum Schlafverhalten, zum Medikamentenverbrauch, zu demografischen Besonderheiten, zur lückenlosen zeitgebundenen Aufnahme aller Lebensmittel und Getränke sowie zur Zusammensetzung von Darmmikrobiomen individuell zu erfassen. Diese können dann adäquat verarbeitet und daraus personalisierte Ernährungsempfehlungen zusammengestellt werden.


Zum Weiterlesen

(1) S.U. Kahn et al. (2019): Effects of Nutritional Supplements and Dietary Interventions on Cardiovascular Outcomes: An Umbrella Review and Evidence Map. In: Annals of Internal Medicine, Vol. 171, Nr. 3, S. 190-8. Online unter https://annals.org/aim/article-abstract/2737825/effects-nutritional-supplements-dietary-interventions-cardiovascular-outcomes-umbrella-review-evidence

(2) R. Estruch et al. (2018): Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet Supplemented with Extra-Virgin Olive Oil or Nuts. In: The New England Journal of Medicine, Vol. 378, e34. Online unter https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1800389

(3) R. Estruch et al. (2013): Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet. In: The New England Journal of Medicine, Vol. 368, S. 1279-1290. Online unter https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1200303

(4) T Liyanage et al. (2016): Effects of the Mediterranean Diet on Cardiovascular Outcomes – A Systematic Review and Meta-Analysis. In: PLoS ONE, Vol. 11, Nr. 8, e0159252. Online unter https://doi.org/10.1371/journal.pone.0159252

(5) A.C. Pandey, E.J. Topol (2019): Dispense with Supplements for Improving Heart Outcomes. In: Annals of Internal Medicine, Vol. 171, Nr. 3, S. 216-217. Online unter https://annals.org/aim/article-abstract/2737826/dispense-supplements-improving-heart-outcomes

Fußnote(n)

[1] RR = 0,90 [95%CI, 0,85 bis 0,95]

[2] RR = 0,67 [95%CI, 0,46 bis 0,99]

[3] RR = 0,92 [95%CI, 0,85 bis 0,99]

[4] RR = 0,93 [95%CI, 0,89 bis 0,98]

[5] RR = 0,80 [95%CI, 0,67 bis 0,96]

[6] RR = 1,17 [95%CI, 1,05 bis 1,30]

Comments are closed.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Unsere Webseite nutzt Cookies. Wenn Sie auf dieser Webseite bleiben, nehmen wir an, dass Sie damit einverstanden sind. Sie können unsere Cookies löschen. Wie das geht, erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Schließen