Möglicher Zusammenhang zwischen krankhaftem Übergewicht und Hirnleistungen im Alter [189]

Übergewicht verzögert möglicherweise Interaktionen von Hirnabschnitten bei Älteren und lässt dadurch das Hirn schneller altern. Bilder aus der Magnetresonanztomografie haben jetzt bei gesunden, übergewichtigen Übersechzigjährigen durchweg eine verminderte Anzahl an Signalimpulsen im sogenannten Default Mode Network aufgezeigt als bei Normalgewichtigen (1).

Das Default Mode Network (DMN), auch Ruhezustandsnetzwerk genannt, beschreibt die Hirnregionen, die aktiviert werden, wenn sich die Gedanken auf nichts Besonderes konzentrieren müssen, der Mensch ruht bzw. tut „nichts“. Das DMN wird beispielsweise beim Tagträumen und introspektiven Gedanken aktiviert. Eine zu geringe DMN-Aktivität des Hirns im Ruhezustand war in Vorläuferstudien partiell auch bei Alzheimer‑Erkrankungen aufgefallen. Da bei krankhaft Übergewichtigen (Adipositas) das DMN schon in früheren Lebensabschnitten weniger gut vernetzt und aktiv scheint, vermuten Wissenschaftler, dass ein zu hoher Body‑Mass‑Index (BMI)[1] auch ein Indiz für den beschleunigten Abbau von Hirnfunktionen sein könnte


Wissenschaftliche Details

Wissenschaftler vom Max‑Plack‑Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften haben mit Hilfe der Magnetresonanztomografie herausgefunden, dass das Hirn im Ruhezustand bei übergewichtigen Übersechzigjährigen weniger gut interagiert, als dies bei Normalgewichtigen der Fall war. Je höher der Body‑Mass‑Index (BMI) bei den gesunden Testpersonen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren, desto weniger Signale wurden im Default Mode Network (DMN) des Hirns registriert. Und: Je inaktiver diese Hirnareale und je schwächer die Vernetzung, umso weniger gelang es den Probanden, sich zu steuern und umso häufiger reagierten sie auf Störsignale des Ruhezustandes, die an der Häufigkeit von Kopfbewegungen gemessen wurden. Der Zusammenhang hatte Bestand, auch nachdem diese Effekte mit den Angaben zu Alter und Geschlecht sowie den kardiovaskulären Risikofaktoren bei allen 712 Testpersonen abgeglichen wurden.

Das DMN ermöglicht u.a. das von äußeren Reizen losgelöste Denken, insbesondere auch die Planung für Künftiges. Die zu geringe Aktivität des DMN bei übergewichtigen Älteren ähnelte dem Muster von schwachen Hirnaktivitäten, die in Vorstudien bei Alzheimer‑Patienten gefunden worden waren. Die Wissenschaftler vermuten deshalb, dass auch krankhaftes Übergewicht das Hirn schneller altern lässt und ein Indiz für das Alzheimer‑Risiko sein könnte.


Zum Weiterlesen


(1)F. Beyer et al. (2017): Higher body mass index is associated with reduced posterior default mode connectivity in older adults. In: Human Brain Mapping. Epub ahead of print. Online unter  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/labs/articles/28397392/

Fußnote

[1] Der Body-Mass-Index (BMI) wird aus dem Quotienten von Körpergewicht und Körpergröße zum Quadrat errechnet.

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