Mit traditioneller Mittelmeerkost gegen Alzheimer [203]

Eine traditionell mediterrane Ernährung, die Herz und Gefäße gesund erhält, kann zudem den Verlust geistiger Fähigkeiten und eventuell sogar Demenz im Alter verzögern. So hat sowohl die ursprüngliche Mittelmeerküche als auch die von ihr abgeleitete Mediterrane Intervention gegen Neurodegenerativen Abbau (MIND)‑Diät dazu beigetragen, den kognitiven Abbau bei älteren US‑Amerikanern jeweils um bis zu einem Drittel zu verringern (1;2).

Je konsequenter sich die Testpersonen an die Diätvorgaben hielten, umso fitter blieben sie geistig. Auch wer sich nur mäßig an die Vorgaben hielt, minderte das Risiko für geistige Beeinträchtigungen im Alter immerhin um bis zu 18 %. Die traditionelle mediterrane Ernährung ist laut den Studienautoren eine wichtige Komponente eines gesunden Lebensstils zur Prävention von Demenzen.


Wissenschaftliche Details

Pflanzliche Lebensmittel, also ballaststoffreiches Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte als Lieferant von hochwertigen, pflanzlichen Proteinen bilden die Basis der traditionellen mediterranen Kost. Viel Olivenöl und Nüsse, der moderate Konsum von tierischen Produkten inklusive Fisch und Sauermilchprodukte sowie hin und wieder einem Glas Rotwein zu den Mahlzeiten macht die traditionelle Mittelmeerküche zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährungsweise. Wer sich mediterran ernährt, senkt insbesondere sein Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen (3).

Der Internationale Alzheimerkongress in London 2017 hat diese Einschätzung bekräftigt. Experten der Lancet‑Kommission, dem renommierten internationalen Expertengremium zur Einschätzung neuer Ergebnisse in der Demenzforschung, empfahlen die Mittelmeerkost neben blutdrucksenkenden Medikamenten sowie körperlicher, geistiger und sozialer Stimulation explizit zur Demenzprävention (4).

Das Gutachten stützt sich auf die Ergebnisse einer Untersuchung an 447 gesunden, älteren US‑Amerikanern mit hohem Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen (5). Zwei Drittel hatten sich traditionell mediterran ernährt. Ergänzt wurde die mediterrane Kost entweder durch einen zusätzlichen Liter natives Olivenöl pro Woche oder durch 30 g Nüsse zusätzlich am Tag. Über vier Jahre lang wurden bei allen Studienteilnehmern zudem Veränderungen im Gedächtnis, bei der Aufmerksamkeit und in ihrer Entscheidungsfähigkeit dokumentiert. Aus der abschließenden Bewertung ging hervor, dass sich die Konsumenten einer durch Nüsse bzw. Olivenöl erweiterten mediterranen Kost im Vergleich zur Kontrollgruppe, denen eine fettarme Ernährung nahegelegt wurde, kognitiv verbessert hatten. Die Studienautoren führten diesen Erfolg insbesondere auf die gefäßschützende und antioxidative Wirkung der mediterranen Ernährung zurück, welche Alterungsprozesse im Gehirn verzögern kann.

Eine weitere Studie, die auf dem Internationalen Alzheimerkongress vorgestellt wurde, beschreibt ähnlich günstige Impulse eines mediterranen Ernährungsmusters auf den Erhalt geistiger und sozialer Fähigkeiten. US‑amerikanische Wissenschaftler berichteten, dass zwei Varianten der traditionellen Mittelmeerküche das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen bei gesunden Älteren ähnlich effektiv und um bis zu einem Drittel reduzieren konnten (1). Zum Einsatz kamen die traditionelle mediterrane Kost und eine von dieser abgeleiteten Ernährungsweise, die Mediterrane Intervention gegen Neurodegenerativen Abbau (MIND)‑Diät.

Die MIND‑Diät ergänzt die Komponenten der Mittelmeerküche um Elemente der Dietary Approaches to Stop Hypertension (DASH)‑Diät, die speziell zur Reduzierung des Bluthochdrucks entworfen wurde. Laut MIND gehören insbesondere grünes Blattgemüse sowie alle anderen Gemüsesorten, Nüsse, Beeren, Bohnen, Vollkorn, Fisch, Geflügel, Olivenöl und in Maßen auch Rotwein zu den gesunden Lebensmittelgruppen, wohingegen der Verzehr von rotem Fleisch, frittierten Lebensmitteln, Butter, Margarine und Käse sowie Gebäck limitiert werden sollte, um die Entwicklung von Demenzen zu verhindern. Die Kongressergebnisse haben, so die Einschätzung der Experten, keine überraschenden Neuerungen für wirksame Ernährungsmuster gegen Demenzen aufgezeigt, bestätigen allerdings das Potential des etablierten mediterranen Ernährungsmusters auch im Feld der Demenzprävention (6;7).


Zum Weiterlesen

(1) AAIC 17 (2017): Healthy Eating Habits May Preserve Cognitive Function and Reduce the Risk of Dementia. Online unter https://www.alz.org/aaic/releases_2017/AAIC17-Mon-Diet-Release.asp

(2) MC Morris et al. (2015): MIND diet associated with reduced incidence of Alzheimer’s disease. In: Alzheimer’s & Dementia: The Journal of the Alzheimer’s Association, Vol. 11, Nr. 9, S. 1007-14. Online unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25681666

(3) Assmann-Stiftung für Prävention (2017): Mittelmeerkost. Online unter https://www.assmann-stiftung.de/mittelmeerkost/

(4) G. Livingston et al. (2017): Dementia prevention, intervention, and care. In: The Lancet Commission, Vol. 390, Nr. 10113, S. 2673-2734. Online unter http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)31363-6/fulltext

(5) C Valls-Pedret et al. (2015): Mediterranean diet and age-related cognitive decline: a randomized clinical trial. In: Journal of the American Medical Association Internal Medicine, Vol. 175, Nr. 7, S. 1094-103. Online unter http://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2293082

 

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