Mit Sport gegen die Erschöpfung während und nach der Chemotherapie [235]

Die Zeiten, in denen Onkologie-Patienten während einer Therapie zu körperlicher Ruhe geraten wurde, sind vorüber. Längst konnte wissenschaftlich bewiesen werden, dass moderate körperliche Aktivität Erschöpfungszustände während der Chemotherapie lindert und helfen kann, die körperliche Fitness langfristig zu erhalten. Diesen positiven Effekt haben nun niederländische Wissenschaftler in einer Studie mit Brust- und Kolonkrebspatienten erneut nachgewiesen (1).


Wissenschaftliche Details

Im Gegensatz zu früheren Empfehlungen gilt Sport heutzutage als sinnvolle Maßnahme zur Unterstützung einer erfolgreichen Chemotherapie. Im Februar wurden im Rahmen des Cancer Survivorship Symposiums Ergebnisse einer randomisierten, kontrollierten Multicenter-Interventionsstudie veröffentlicht, die den positiven Effekt von körperlicher Aktivität auf den Zustand von Krebspatienten während der Therapie unterstreichen (1).

70 an Brust- und Dickdarmkrebs erkrankte Patienten nahmen während ihrer Tumorbehandlung, zu der auch Chemotherapie gehörte, an einem moderaten Bewegungsprogramm teil. Eine Kontrollgruppe von 58 Probanden erhielt keine sportliche Intervention. Die Probanden mit Intervention absolvierten zweimal wöchentlich je 60 Minuten Gymnastik- oder auch Krafttraining und waren an drei Tagen die Woche je 30 Minuten zu Hause körperlich aktiv. Erschöpfung und körperliche Aktivitätslevel wurden mehrfach im Abstand von einigen Monaten bis Jahren erfasst. Im Vergleich zu den Patienten in der Kontrollgruppe, die keine Bewegungsangebote nutzten, litten die Aktiven weniger an Erschöpfungszuständen. Der Effekt stellte sich kurzfristig ein und blieb noch bis zu vier Jahre nach Abschluss der Therapie erhalten. Mögliche Langzeitfolgen von Tumorerkrankungen wie etwa chronische Müdigkeit kamen in der aktiven Gruppe weniger vor. Zudem berichteten die Krebspatienten der Interventionsgruppe nach vier Jahren von einer höheren Gesamtaktivität, die im Vergleich zur Kontrollgruppe mit normaler Versorgung signifikant war.

Ausgehend davon empfahlen Wissenschaftler vom University Medical Center in Utrecht spezifische Bewegungsangebote noch während der Krebsbehandlung. Das Training lindere nicht nur die unangenehmen Begleiterscheinungen einer Chemotherapie, so die Experten, sondern könne Gesundheit und Wohlbefinden über viele Jahre hinweg stabilisieren.

Generell ist ein individuell angepasstes Bewegungsprogramm für Krebspatienten während einer medikamentösen oder Strahlen-Therapie als hilfreich anzusehen. Neben der Leistungsfähigkeit kann durch regelmäßige körperliche Bewegung auch die Belastbarkeit gesteigert und Nebenwirkungen gemindert werden. Ungeklärt bleibt bislang, welche Art der Aktivität in welcher Dauer und zu welchem Zeitpunkt optimal ist. Es gilt, in Absprache mit dem behandelnden Onkologen eine individuelle Lösung zu finden und mögliche Kontraindikationen wie eine Anämie, Blutgerinnungsstörungen, starke Schmerzen oder eine hohe Infektionsgefahr (z.B. im öffentlichen Schwimmbad) zu berücksichtigen (2).


Zum Weiterlesen

(1) A.M. May et al. (2018): Four-year effects of physical exercise during adjuvant treatment on fatigue and physical activity in breast and colon cancer patients. 2018 Cancer Survivorship Symposium, Abstract 99. Online unter https://meetinglibrary.asco.org/record/157818/abstract

(2) Deutsches Krebsforschungszentrum (2018): Bewegung und Sport bei Krebs. Online unter https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/sport-nach-krebs.php

Krebsverband Baden-Württemberg e.V. (2016): Sport, Bewegung und Krebs. Ein Ratgeber für mehr Sport im Leben – auch mit oder nach Krebs! Online unter https://www.nct-heidelberg.de/fileadmin/media/fuer_patienten/beratung/bewegung/OnkoAktiv/0706_Sport_und_Krebs_web.pdf

N. Siegmund-Schultze (2009): Onkologie: „Sport ist so wichtig wie ein Krebsmedikament“. In: Deutsches Ärzteblatt, Vol. 106, Nr. 10. Online unter http://www.sueddeutsche.de/leben/diagnose-krebs-erst-in-der-krise-merkte-ich-was-in-mir-steckt-1.2425384-2

 

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