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Mit Ausdauersport Demenz vorbeugen [346]

Eine gute körperliche Fitness kann der Entstehung von Demenz entgegenwirken. Das ist das vielversprechende Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) (1). Die Forscher erhoben die Fitness des Herz-Kreislauf-Systems von über 2.000 Probanden, indem sie unter anderem die maximale Menge an Sauerstoff maßen, die die Teilnehmer während intensiver körperlicher Aktivität verarbeiten konnten. Die Werte zur körperlichen Aktivität wurden mit Magnetresonanztomographie (MRT)-Bildern des Gehirns ins Verhältnis gesetzt.

Die Analysen der Messwerte zeigten, dass eine bessere Herz-Kreislauf (kardiorespiratorische)-Fitness mit einem höheren Hirnvolumen assoziiert war. Die Experten schlussfolgerten, dass eine gute kardiorespiratorische Fitness zur Gehirngesundheit beitragen und den Rückgang des Hirnvolumens verlangsamen könnte. Die Studienergebnisse stehen im Einklang mit der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für jeden gesunden Erwachsenen, sich pro Woche mindestens 2 ½ Stunden moderat-intensiv oder 1 ¼ Stunden hochintensiv körperlich zu betätigen. Körperliche Inaktivität gilt als vierthäufigster Risikofaktor für Sterblichkeit weltweit. Er wird für 6 % der Todesfälle auf globaler Ebene verantwortlich gemacht (2).


Wissenschaftliche Details

Dass sich körperliche Aktivität positiv auf die Gesundheit auswirkt, ist wissenschaftlich schon längst belegt. Seit einigen Jahren häufen sich Studien, in denen Hinweise auf die positive Auswirkung von regelmäßiger Bewegung speziell auf die Hirngesundheit gegeben werden.  So zeigten US-amerikanische Forscher schon im Jahr 2012 in einer Querschnittstudie, dass eine bessere Fitness mit einem geringeren Sterblichkeitsrisiko durch Demenz verbunden sein könnte (3). Diesen Zusammenhang bestätigte ein deutsches Forscherteam des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Rostock in einer kürzlich erschienenen Publikation (1).

Die Wissenschaftler untersuchten die kardiorespiratorische Fitness und das Gehirn von über 2000 Individuen zwischen 21 und 84 Jahren. Aufschluss über das Fitness-Level der Probanden gaben die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) sowie die Sauerstoffaufnahme an der anaeroben Schwelle[1] (VO2@AT) und die maximale Leistungsabgabe, die in kardiopulmonaren[2] Belastungstests auf einem Fahrradergometer gemessen wurde. Außerdem wurden magnetresonanztomographische (MRT) Daten der Gehirne analysiert.

Nach Analyse der Daten kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass jede Zunahme der VO2max um eine Standardabweichung mit einem um 5,31cm³ höheren Volumen der grauen Hirnsubstanz[3] in Verbindung gebracht werden konnte. Dabei war die VO2max besonders stark mit dem Volumen derjenigen Hirnbereiche (z.B. dem Hippocampus) assoziiert, die an der Kognition und nicht an der Motorik beteiligt sind. Die Forscher sehen das als Indiz dafür, dass aerobes Training zusätzlich zur Konditionierung des Körpers auch einen positiven Effekt auf die kognitiven Funktionen haben könnte.

Die Forscher schlussfolgern aus ihren Studienergebnissen, dass die kardiorespiratorische Fitness zu einer besseren Gehirngesundheit beitragen und somit eine erkrankungsbedingte Verringerung des Hirnvolumens verlangsamen könnte. Laut Prof. Grabe von der Universität Rostock deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass das Training der kardiorespiratorischen Fitness ein Teil von Präventionsprogrammen sein sollte, um einen gesunden Lebensstil zu pflegen (4). Die Studienautorin Katharina Wittfeld verweist zudem auf die bestehenden Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zu körperlicher Aktivität (2). Für gesunde Erwachsene wird demnach eine körperliche Aktivität von mind. 2 ½ Stunden moderater Intensität oder 1 ¼ Stunden hoher Intensität pro Woche empfohlen (2).

Die Studie der Rostocker Forscher ist ein wichtiger Meilenstein, um den Nutzen körperlicher Aktivität zur Prävention von Demenz weiter zu eruieren. Aufgrund der hohen Fallzahl und der genauen Erhebung der Ausprägung (kardiorespiratorische Fitness) durch körperliche Messungen anstelle von Selbstangaben ist die Aussagekraft der Studie hoch. Bei der Interpretation der Studienergebnisse muss jedoch berücksichtigt werden, dass aufgrund des Studiendesigns (Querschnittstudie) keine Angabe über Ursächlichkeiten gemacht werden können.

Im Einklang mit den Ergebnissen des Rostocker Forschungsteams stehen die Ergebnisse einer finnischen Kohortenstudie aus dem Jahr 2018. Hier war ein niedriges kardiorespiratorisches Fitnesslevel mit einem fast doppelt so hohen Demenzrisiko bei Männern verbunden, verglichen mit dem Demenzrisiko bei hoher kardiorespiratorischer Fitness (5). Auch Tari et al. verglichen in ihrer Kohortenstudie den Zusammenhang des Fitnessgrades mit dem Demenzrisiko. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Aufrechterhaltung und Verbesserung der kardiorespiratorischen Fitness eine Möglichkeit sein könnten, um das Risiko für Demenz und Mortalität zu verringern, das Eintreten der Erkrankungen heraus zu zögern oder die Lebensdauer nach der Diagnose einer Demenz zu verlängern (6). Die genannten Autoren unterstreichen mit ihren Studien deutlich die Relevanz der kardiorespiratorischen Fitness zur Beurteilung der Gesundheit von Menschen mit Demenzrisiko.


Zum Weiterlesen

(1) K. Wittfeld et al. (2020): Cardiorespiratory Fitness and Gray Matter Volume in the Temporal, Frontal, and Cerebellar Regions in the General Population. In: Mayo Clinic Proceedings, Vol. 95, Nr. 1, S. 44-56. Online unter https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0025619619305221

(2) Weltgesundheitsorganisation (2010): Global Recommendations on physical activity for health. Online unter https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/44399/9789241599979_eng.pdf;jsessionid=433D8B570C407E358728849F61A48396?sequence=1

(3) R. Liu et al. (2012): Cardiorespiratory Fitness as a Predictor of Dementia Mortality in Men and Women. In: Medicine & Science in Sports & Exercise, Vol. 44, Nr. 2, S. 253-9. Online unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3908779/

(4) M. van den Heuvel (2020): Neue Hinweise, dass sich kardiorespiratorische Fitnessprogramm zur Demenz-Prävention eignen. Was Ärzte raten sollten. In: MedScape. Online unter https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4908548?pa=y9GDDiTgCYbwTLEQ5HFPR4Cih9%2BXdEFZEtqjzs%2Fgy4O%2BKQ4MpMcKx7FRtkLTKuRjJyGvMX%2Fu%2BWdIXoARf%2FT0zw%3D%3D

(5) S. Kurl et al. (2018): Cardiorespiratory fitness and risk of dementia: a prospective population-based cohort study. In: Age and Ageing, Vol. 47, Nr. 4, S. 611-4. Online unter https://academic.oup.com/ageing/article/47/4/611/4989904

(6) A.R. Tari et al. (2019): Temporal changes in cardiorespiratory fitness and risk of dementia incidence and mortality: a population-based prospective cohort study. In: The Lancet Public Health, Vol. 4, Nr. 11, S. e565-74. Online unter https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2468266719301835

(7) T. Kasprak (2018): Anaerobe Schwelle. Online unter https://www.dr-gumpert.de/html/anaerobe_schwelle.html

(8) D. Lingenhöhl (2020): Graue Substanz. In: Lexikon der Neurowissenschaft. Online unter https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/graue-substanz/4964

Fußnoten

[1] Die anaerobe Schwelle ist der Punkt, an dem der Körper seine Energiegewinnung nicht mehr aus dem Sauerstofftransport durch das Blut decken kann. (7)

[2] Herz und Lunge betreffend

[3] Mehr zur grauen Substanz des Gehirns lesen Sie hier (8).

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