Kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining mindert Diätrisiken im Alter [177]

Krankhaftes Übergewicht in späteren Lebensabschnitten kann den altersbedingten Abbau von körperlicher Fitness beschleunigen. Doch auch eine rigide Kalorienreduktion ist im Alter medizinisch umstritten. Mit dem Körpergewicht verringern sich vor allem die Muskel- und Knorpelmasse sowie die Knochendichte, während dessen das Risiko für Knochenbrüche und Stürze ansteigen kann.

Wird eine Diät allerdings mit Ausdauer- und Krafttraining kombiniert, kann das Körpergewicht von Älteren verringert werden, ohne dass dabei die Gebrechlichkeit zunimmt. Dies ergab eine randomisierte Untersuchung bei übergewichtigen, über 65‑jährigen Personen in Houston. Die Ergebnisse aus der Studie Lifestyle Intervention Trial in Obese Elderly (LITOE) sind jetzt im New England Journal of Medicine publiziert (1).


 Wissenschaftliche Details

Radikaldiäten bei Älteren sind in der Regel mit mehr gesundheitlichen Risiken behaftet als bei Jüngeren. Gewichtsverlust, der durch eine Kalorienreduktion willentlich herbei geführt ist, kann insbesondere in späteren Lebensphasen zu Lasten eines Schwundes von Muskel- und Knorpelmasse sowie der Knochendichte gehen.

Wissenschaftler sind in der Studie Lifestyle Intervention Trial in Obese Elderly (LITOE) erfolgreich der Frage nachgegangen, ob sich die negativen Folgen einer Diät bei übergewichtigen über 65‑Jährigen aufhalten lassen, wenn die Kalorienreduktion von sportlichen Aktivitäten begleitet wird. 141 bewegungsarme Teilnehmer im Alter von 65 bis 85 Jahren und mit einem Body-Maß-Index [1] von über 30 kg / m2 schlossen die Studie, die auf ein Gewichtsmanagement-Programm in Kombination mit verschiedenen Sporteinheiten fokussierte, ab. Drei Gruppen reduzierten ihre Ernährung täglich um 500 bis 750 Kilokalorien. Außerdem nahmen alle dreimal in der Woche eine Stunde entweder an einem Kraftsport- oder an einem Ausdauertraining teil oder kombinierten beides in einer verlängerten Übungszeit von 75 bis 90 Minuten. Eine vierte Gruppe schränkte zum Vergleich weder die Kalorienzufuhr ein, noch bewegte sie sich öfter als sonst. Der Physical Performance Test, mit dem die Fitness der Studienprobanden auf einer Skala von 0 bis 36 Punkten abgeschätzt wird, diente dabei als Maß des Effektes aller Anstrengungen.

Alle drei aktiven Gruppen konnten ihr Körpergewicht innerhalb eines halben Jahres um rund neun Prozent verringern. Dabei gingen weniger als fünf Prozent Muskelmasse verloren und auch die Mineralstoffdichte der Knochen verringerte sich minimal. Die Kraftsport-Diät-Gruppe verzeichnete im Vergleich zu den beiden anderen um ein Prozent weniger Verluste.

Die besten Fitness-Resultate erreichten die Studienteilnehmer aus der Sportkombigruppe. Ihnen gelang es, ihre Kondition von 27,9 auf 33,4 Punkte, d.h. um 21 % zu verbessern. Der Effekt lag um ein Drittel höher als nach dem alleinigen Kraft- oder Ausdauertraining. Die maximale Sauerstoffaufnahme verbesserte sich in der Sportkombigruppe und in der Ausdauersportgruppe nahezu gleich um 17 bzw. 18 %, nach dem Krafttraining lediglich um 8 %. Die Muskelkraft wuchs infolge des Ausdauersports lediglich um vier Prozent, während Sportkombinationen und Kraftrainung einen  Zuwachs von  18 bzw. 19 % ergaben. Als Nebenwirkungen der Übungen traten Schulterverletzung sowie Knie-, Rücken- und Hüftschmerzen auf. Einzig nach dem Kraftsport wurden Herzrhythmusstörungen registriert.

Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile gelangten die Wissenschaftler aus Houston zum Schluss, dass eine Diät, die von Sport in einer moderaten Kombination von Ausdauer- und Kraftrainung begleitet wird, am besten geeignet ist, um das Gewicht von übergewichtig Älteren schonend zu reduzieren.


Zum Weiterlesen

  1. D.T. Villareal et al. (2017): Aerobic or Resistance Exercise, or Both, in Dieting Obese Older Adults. In: The New England Journal of Medicine, Vol. 376, S. 1943-1955. Online unter http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1616338

Fußnote

[1] Der Body-Maß-Index wird aus dem Quotienten von Körpergewicht und dem Quadrat der Körpergröße errechnet. Ein BMI grösser als 30 weist auf krankhaftes Übergewicht hin.

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