Körperliche Fitness kann das Darmmikrobiom günstig beeinflussen [209]

Gesundheit hängt unter anderem von der Vielfalt der Mikroorganismen ab, die den menschlichen Darm besiedeln. Reduziert sich das Artenreichtum der Kleinstlebewesen beispielsweise aufgrund von einseitiger Ernährung, Medikamenten oder schädlichen Umwelteinflüssen, kann es zu funktionellen Störungen kommen, die chronische Erkrankungen begünstigen. Ein Impuls, die gesunde Artenvielfalt im Darmtrakt zu erhalten, geht möglicherweise von der körperlichen Aktivität aus. So steigert regelmäßige Bewegung die kardiorespiratorische Fitness (CRF), welche anzeigt, wie gut der Körper durch die Atmung und den Blutkreislauf mit Sauerstoff versorgt wird.

Eine Untersuchung an 39 gesunden jungen Erwachsenen zeigte jetzt, dass der Grad der kardiorespiratorischen Fitness Rückschlüsse auf die mikrobielle Vielfalt zulässt (1). Das mikrobielle Profil fitter Personen begünstigt u.a. die Produktion von Butyrat, einer kurzkettigen Fettsäure, die maßgeblich zu einer gesunden Darmflora beiträgt.


Wissenschaftliche Details

Die menschliche Darmflora unterstützt unseren Organismus wie ein selbständiges Organ dabei, Körperfunktionen auszubilden und aufrecht zu erhalten. Gesundheit ist daher abhängig davon, inwiefern es gelingt, die Vielfalt im Gleichgewicht der Kleinstlebewesen ein Leben lang zu sichern.

Störungen in der Zusammensetzung der Darmflora werden mit einer Reihe dauerhafter gesundheitlicher Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht. Dazu gehören unter anderem Fettsucht, Insulinresistenz, entzündliche Darmerkrankungen, Darmkrebs, Rheuma, Allergien, und Depressionen. Die Forschung konzentriert sich daher auf Interventionen, die es ermöglichen, die Vielfalt der Darmflora präventiv zu schützen beziehungsweise wiederherzustellen. Insbesondere die hilfreiche Wirkung des Verzehrs von Pro- und Präbiotika [1;2] ist wissenschaftlich dokumentiert (2-4).

Inzwischen belegen Studien, dass auch körperliche Aktivität zum Erhalt einer gesunden Darmflora beitragen könnte (5). Zur Beurteilung der körperlichen Aktivität kann die kardiometabolische Fitness zurate gezogen werden. Diese wird einerseits beeinflusst durch veränderbare Faktoren wie Rauchen, Übergewicht und den allgemeinen Gesundheitszustand und andererseits durch unveränderliche, biologische Gegebenheiten wie Alter, Geschlecht und die Zusammensetzung des Erbguts. Ein anerkanntes Maß für die kardiorespiratorische Gesundheit ist der VO₂max-Test, mit dem die maximale Sauerstoffaufnahme bei körperlicher Belastung auf dem Laufband oder auf dem Fahrrad gemessen wird (6).

Wissenschaftler von der British Columbia Universität haben kürzlich die Zusammensetzung der Darmflora anhand des Stuhls von 39 gesunden jungen Erwachsenen mit normalem Body-Mass-Index und gleicher Ernährungsweise analysiert und diese mit den Werten für die kardiorespiratorische Fitness in Zusammenhang gesetzt (1). So konnte eine vielfältige Darmflora mit einem hohen Grad an kardiometabolischer Gesundheit assoziiert werden. Je höher die körperliche Fitness (hohe VO₂max-Werte), desto mehr Mikroorganismen beherbergte der Darm. Diese begünstigen unter anderem die Produktion von Butyrat, einer kurzkettigen Fettsäure, die entscheidend zur Stabilisation einer gesunden Darmflora beiträgt. Entsprechend konnte im Darm fitterer Studienteilnehmer mehr Butyrat-produzierende Bakterienarten (Clostridiales, Roseburia, Lachnospiraceae und Erysipelotrichaceae) sowie eine höhere Butyrat-Konzentration festgestellt werden.

Die Studienautoren gehen davon aus, dass eine höhere kardiorespiratorische Fitness nur in geringem Maße die Einzelzusammensetzung der Darmflora verändern, aber vor allem ihre gesundheitserhaltenden Funktionen steigern kann. Sie empfehlen daher Sport als Therapieoption bei einer gestörten Darmflora.


Zum Weiterlesen

(1) M. Estaki et al. (2016): Cardiorespiratory fitness as a predictor of intestinal microbial diversity and distinct metagenomic functions. In: BioMed Central Microbiome, Vol. 4. Online unter https://microbiomejournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/s40168-016-0189-7.

(2) S.V. Lynch et al. (2016): The Human Intestinal Microbiome in Health and Disease. In: The New England Journal of Medicine, Vol. 375, Nr. 24, S. 2369-2379. Online unter http://drkney.com/pdfs/microbiome_121516_NEJM.pdf.

(3) M.C. Derrick & K.M. Aagaard (2016): Microbiome: Eating for trillions. In: Nature, Vol. 532, Nr. 7599, S. 316–317. Online unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4929216/.

(4) B. Petschow et al. (2013): Probiotics, prebiotics, and the host microbiome: the science of translation. In: Annals of the New York Academy of Sciences, Vol. 1306, Nr. 1, S. 1-17. Online unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4013291/

(5) Y. Yang et al. (2017): The Association between Cardiorespiratory Fitness and Gut Microbiota Composition in Premenopausal Women. In: Nutrients, Vol. 9, Nr. 8, S. 792. Online unter http://www.mdpi.com/2072-6643/9/8/792

(6) J.D. Finger et al. (2013): Kardiorespiratorische Fitness bei Erwachsenen in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). In: Bundesgesundheitsblatt ,Vol. 56, S. 772–778. Online unter http://edoc.rki.de/oa/articles/re5h6R4MqjG/PDF/21q4vEhxyPzvs.pdf


Fußnoten

[1] Probiotische Lebensmittel enthalten lebende Mikroorganismen, wie z.B. Milchsäurebakterien oder Hefe, die sich günstig auf die Darmflora auswirken.

[2] Präbiotika gehören zur Gruppe der löslichen Ballaststoffe und befinden sich vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln wie Chicorée oder Zwiebeln. Sie werden vom Menschen nicht verdaut, sondern dienen den Mikroorganismen im Darm als Energiequelle.

 

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