Inwieweit stark verarbeitete Lebensmittel das Krebsrisiko erhöhen [216]

Mit dem häufigen Verzehr stark verarbeiteter Lebensmittel kann die Gefahr für Tumorerkrankungen, anwachsen. Vor allem mehrfach verarbeitete Fette und Saucen sowie sehr zuckerhaltige Produkte und Getränke tragen zu dem erhöhten Krebsrisiko bei. Bei frisch verarbeiteten Lebensmitteln oder weniger verarbeiteten Produkten konnte kein erhöhtes Krebsrisiko ermittelt werden. Auch als die Datensätze von übrigen Einflussfaktoren bereinigt wurden, blieben die Ergebnisse signifikant.


Wissenschaftliche Details

Stark verarbeitete Lebensmittel sind meist von geringer Nährstoffqualität und enthalten oft zahlreiche Zusatzstoffe. Bisher gibt es allerdings nur wenige Studien zu potentiell negativen Auswirkungen einer Ernährungsweise mit einem hohen Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel. Nun wurden im British Medical Journal Auswertungen  einer großen französischen Beobachtungsstudie zum Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen mit dem Verzehr stark verarbeiteter Lebensmittel publiziert. Die Analyse basiert auf Umfrageergebnissen zu den Ernährungsgewohnheiten von 104.980 gesunden Franzosen mittleren Alters, vier Fünftel von ihnen weiblich.

Mit dem steigenden Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel wuchs das Risiko für Tumorerkrankungen: Für jeden Probanden wurde der Anteil (in Masse, nicht Energie) stark verarbeiteter Lebensmittel an der gesamten pro Tag zugeführten Nahrung berechnet. War der Anteil an stark verarbeiteten Lebensmittel um 10-Prozentpunkte erhöht, so erhöhte sich das allgemeine Krebsrisiko um 12 % . Vor allem mehrfach verarbeitete Fette und Saucen sowie sehr zuckerhaltige Produkte und Getränke trugen zu dem erhöhten Krebsrisiko bei. Hingegen verringerte sich die Gefahr für Tumorerkrankungen mit dem häufigen Verzehr von frischen oder minimal verarbeiteten Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Reis, Nudeln, Eier, Fleisch, Fisch und Milch. Für weniger verarbeitete Produkte, wie z.B. Gemüsekonserven, Käse und frisch gebackenes unverpacktes Brot konnte keine Verbindung zum Krebsrisiko ermittelt werden.

Zahlreiche Analysen zu individuellen Ernährungsmustern und Haushaltsausgaben in Europa, den USA, Kanada, Neuseeland und Brasilien weisen darauf hin, dass in diesen Ländern mittlerweile 25-50 % der täglichen Kalorienzufuhr über stark verarbeitete Lebensmittel gedeckt wird. Stark verarbeitete Lebensmittel haben häufig einen hohen Anteil an Fett, insbesondere gesättigten Fetten, sowie zugesetzten Zucker, Salz und teilweise zahlreiche Hilfsstoffe. Der Anteil an Ballaststoffen und Vitaminen hingegen ist häufig sehr gering.

Die Autoren der Studie von der Sorbonne Universität in Paris empfehlen in Anbetracht dieser Ergebnisse, die Rezepturen von Lebensmittelprodukten zu überdenken, stark verarbeitete Produkte entsprechend zu kennzeichnen, diese anders zu besteuern oder auch deren Vertrieb zu begrenzen.

Die Kohortenstudie NutriNet-Santé ist eine aktuelle, im Jahr 2009 gestartete Studie aus Frankreich, deren Ziel es ist, verschiedenste Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit, sowie die Einflussfaktoren des Ernährungsverhaltens zu untersuchen.

Zu der Gruppe der stark verarbeiteten Lebensmittel zählten hier massenhaft produziertes Brot und Brötchen, süße und herzhafte verpacke Snacks, industriell hergestelltes Gebäck und Nachspeisen, Softgetränke und weitere gezuckerte Getränke, Fleischbällchen, Fischstäbchen, Hänchennuggets und andere zusammengesetzte Fleischprodukte, Instantnudeln und -suppen, gefrorene und haltbare Fertiggerichte (u.a. Konserven), sowie Produkte, die hauptsächlich nur aus Zucker, Ölen und Fetten bestehen, oder viele Substanzen enthalten, die gewöhnlicherweise nicht bei der eigenständigen Zubereitung verwendet werden, wie gehärtete Fette, modifizierte Stärken und Proteinisolate.

Die Umfragen basieren auf wiederholten 24-recall Fragebögen, welche die Studienteilnehmer online ausfüllten. Die Probanden sind mindestens 18 Jahre alt und durchschnittlich 42,8 Jahre alt.


Zum Weiterlesen

[1] T. Fiolet et al. (2018): Consumption of ultra-processed foods and cancer risk: results from NutriNet-Santé prospective cohort. In: British Medical Journal, Vol. 360, S. k322. Online unter http://www.bmj.com/content/360/bmj.k322

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