In den letzten Lebensjahren verringert sich oft der Blutdruck [224]

Weltweit leiden mehr als eine Milliarde Menschen an Bluthochdruck (1). Ein erhöhter Blutdruck wird auch als Hypertonie bezeichnet und gilt als Risikofaktor für eine Vielzahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im JAMA Internal Medicine wurde nun eine Studie publiziert, die einen anderen Aspekt der Hypertonie-Forschung beschreibt. So verringerte sich der Blutdruck bei Älteren im letzten Lebensabschnitt natürlicherweise – auch ohne die Gabe von Medikamenten. Der Wendepunkt lag oft zehn Jahre oder früher vor dem Tod (2).


Wissenschaftliche Details

Während sich der Blutdruck bei Menschen im mittleren Lebensalter häufig erhöht, ist bei Senioren oft das Gegenteil zu beobachten. Neigt sich das Leben dem Ende zu, sinkt meist auch der durchschnittliche Blutdruck langsam und kontinuierlich ab.

Britische Wissenschaftler haben jetzt in einer Studie herausgefunden, dass dieser Prozess mehr als ein Jahrzehnt vor dem Tod einsetzen kann. Je älter die 46.634 Studienteilnehmer wurden, umso früher war der Wendepunkt in den Blutdruckwerten zu beobachten. So begann bei älteren Menschen, die zwischen dem 60. und 69. Lebensjahr verstarben, etwa 10 Jahre vorher ein Absinken sowohl des systolischen als auch des diastolischen Blutdrucks. Beim Tod zwischen dem 70. und dem 79. Lebensjahr setzte dieser Trend rund 12 Jahre, zwischen dem 80. und dem 89. Lebensjahr rund 14 Jahre zuvor ein. Bei einem Tod mit über 90 Jahren begann der Blutdruck sogar bis zu 18 Jahre vorher zu sinken. Der Unterschied im systolischen Blutdruck betrug im Vergleich zum Höchstwert in der Lebensmitte durchschnittlich 8,5 mmHg bei allen, die im Alter von 60 bis 69 Jahren verstarben, und bis zu 22,0 mmHg bei denen, die 90 Jahre und älter geworden sind.

Bei Patienten mit Bluthochdruck, Demenz, Herzschwäche und spätem Gewichtsverlust nahmen die Werte am deutlichsten ab. Doch auch bei gesunden Älteren verringerte sich der Blutdruck im letzten Lebensabschnitt spürbar, wenn auch in einem geringeren Maße. Bei allen veränderte sich der Blutdruck zunächst langsam, um dann in den letzten beiden Lebensjahren beschleunigt abzusinken. Weder die zusätzliche Gabe von Medikamenten noch die an sich bessere Lebenserwartung für Ältere ohne Bluthochdruck erklären den Befund, so die Wissenschaftler von der Universität Exeter. Am wahrscheinlichsten sei es, dass der absinkende Blutdruck eine Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes bei Älteren signalisiert (2).

Während ein niedriger Blutdruck bei älteren Menschen lediglich ein physiologisches Phänomen zu sein scheint, kann schon ein leicht erhöhter Blutdruck, der anfangs in der Regel symptomlos verläuft und somit lange unerkannt bleibt, über einen längeren Zeitraum hinweg das Gefäß- und Organsystem nachhaltig schädigen. In Deutschland ist fast jeder Dritte von Bluthochdruck betroffen. Dabei ist dieser in den meisten Fällen durch eine gesunde Ernährungs- und Lebensweise vermeidbar. Tipps zur Prävention und nicht-medikamentösen Therapie einer Hypertonie finden Sie hier.


Zum Weiterlesen

(1) World Health Organization (2015): Global Health Observatory (GHO) data. Blood Pressure. Online unter http://www.who.int/gho/ncd/risk_factors/blood_pressure_prevalence/en/

(2) J. Delgado et al. (2018): Blood Pressure Trajectories in the 20 Years Before Death. In: Journal of the American Medical Association Internal Medicine, Vol. 178, Nr. 1, 93-99. Online unter https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2663758

 

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