Gewichtsnormalisierung vor der Pubertät kann das Risiko für Typ-2 Diabetes im Erwachsenenalter mindern [229]

Im Jahr 2016 waren weltweit über 340 Millionen Kinder zwischen 5 und 19 Jahren übergewichtig (1). Weil Übergewicht und Adipositas die Hauptrisikofaktoren für zahlreiche chronische Erkrankungen wie Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs sind, ist anzunehmen, dass v.a kindliches Übergewicht verheerende Konsequenzen nach sich zieht. Eine kürzlich erschienene Studie im New England Journal of Medicine konnte nachweisen, dass Übergewicht im Kindesalter, sofern es bis zur Pubertät oder bis ins Erwachsenenalter bestand, mit einem erhöhten Risiko assoziiert war, als Erwachsener an Typ 2-Diabetes zu erkranken (1). Doch die Studie zeigt auch, dass gerade das Kinder- und Jugendalter ein wichtiges Zeitfenster für eine zielgerichtete Prävention ist. Solange präventive Interventionsmaßnahmen vor der Pubertät einsetzen, können diese die ungünstige Prognose abschwächen.


Wissenschaftliche Details

Wissenschaftler der Universität Kopenhagen analysierten den Einfluss des Körpergewichts heranwachsender Männer auf das Risiko, im Erwachsenenalter an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken (1). Daten von 62.565 jungen Männern aus dem dänischen nationalen Gesundheitsregister standen für eine Auswertung zur Verfügung. 6.710 von ihnen waren bis zum 30. Lebensjahr an Typ 2-Diabetes erkrankt. Ein Abgleich ihres Body-Mass-Index‘[1] im Kindesalter von sieben bzw. 13 Jahren sowie im frühen Erwachsenenalter von 17 bis 26 Jahren ließ Rückschlüsse zu, in welcher Weise sich Gewichtsveränderungen auf die Stoffwechselgesundheit auswirken. Das kindliche Übergewicht war nur dann mit einem größeren Risiko für Typ 2-Diabetes im Erwachsenenleben verbunden, wenn es in der Pubertät und im frühen Erwachsenenalter fortbestand.

Siebenjährige Jungen mit Übergewicht, denen es gelang, ihr Gewicht noch vor der Pubertät zu normalisieren, waren genauso wenig gefährdet, im mittleren Lebensalter an Typ 2-Diabetes zu erkranken, wie dauerhaft normalgewichtige Jungen. Bei Männern, die zwar im Alter von sieben und 13 Jahren übergewichtig waren, doch nicht mehr im frühen Erwachsenenalter, stieg das Typ 2-Diabetes-Risiko um rund 47 % [2] an. Damit lag es niedriger als bei Männern mit anhaltendem Übergewicht, deren Diabetes-Gefährdung um das Vierfache [3] höher war als bei Normalgewichtigen.

Es lässt sich zusammenfassen, dass eine Gewichtsregulation noch vor der Pubertät die Typ 2-Diabetes-Gefahr verringern kann, während eine spätere Reduktion des Übergewichts sich nur noch teilweise günstig und risikomindernd auswirkt. Dennoch ist eine Normalisierung des Körpergewichts zu jeder Zeit sinnvoll und mit einer Senkung gesundheitlicher Risiken verbunden. Wie die vorliegende Studie belegt, reagiert der Körper insbesondere im Kindes- und Jugendalter sensibel auf Gewichtsschwankungen. So kann insbesondere mit einer Gewichtsregulation in jungen Jahren die Weichen für ein stoffwechselgesundes und langes Leben gestellt werden.


Zum Weiterlesen

(1) World Health Organization (2017): Obesity and overweight. Online unter http://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight

(2) L.G. Bjerregaard et al. (2018): Change in Overweight from Childhood to Early Adulthood and Risk of Type 2 Diabetes. In: The New England Journal of Medicine, Vol. 378, Nr. 14, S. 1302-1312. Online unter https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1713231

 

Fußnoten

[1] Der BMI ist der Quotient aus Körpergewicht und Körpergröße zum Quadrat (kg/m2).

[2] Hazard Ratio 1,47; 95% CI 1,10 bis 1,98

[3] Hazard Ratio 4,14; 95% CI, 3,57 bis 4,79

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