Ein zu hoher Salzkonsum schwächt das Herz [204]

Das Auftreten einer Herzschwäche kann die Folge eines zu hohen Salzkonsums sein. Herzschwäche kommt überwiegend im höheren Alter vor und lässt sich nur schwer behandeln. Sie wird auch als Herzinsuffizienz bezeichnet und bedeutet, dass das Herz nur noch eine verminderte Pumpleistung hat. Dies kann den Blutfluss beeinträchtigen und zu Wassereinlagerungen oder zu einer mangelhaften Blutversorgung im Körper führen. Finnische Wissenschaftler haben jetzt in einer prospektiven Untersuchung bei 4.630 Erwachsenen mittleren Alters nachgewiesen, dass das Risiko für eine Herzinsuffizienz mit dem Salzkonsum ansteigt. Das Ergebnis ist auf dem Europäischen Kardiologie Kongress (ESC) in Barcelona vorgestellt worden (1).


Wissenschaftliche Details

Ein zu hoher Salzkonsum gilt als eine der Hauptursachen für Bluthochdruck und ist ein etablierter Risikofaktor für den Schlaganfall und für die Koronare Herzkrankheit (KHK). Inwieweit sich ein hoher Kochsalzkonsum auch ungünstig auf die Entwicklung einer Herzinsuffizienz auswirken kann, haben jetzt finnische Wissenschaftler von National Institute for Health and Welfare in Helsinki nachvollzogen.

4.630 Männer und Frauen, die an der North Karelia Salt Study und an der National FINRISK Studie teilnahmen, wurden in die Untersuchungen einbezogen. Aus dem 24 Stunden-Urin ermittelten die Forscher den Salzverbrauch der Probanden. Abhängig von der aufgenommenen Salzmenge wurden alle Studienteilnehmer in fünf Gruppen eingeteilt.

Bei 121 Probanden trat im Verlauf von 12 Beobachtungsjahren erstmals eine Herzschwäche auf. Nach Berücksichtigung des Alters, des systolischen Blutdrucks, des Gesamtcholesterinspiegels im Blut und des Body-Mass-Index[1] ergab ein Abgleich, dass ab einem Salzkonsum von 6,77 g pro Tag das Risiko für eine Herzinsuffizienz deutlich anstieg[2]. Verglichen mit der Gruppe, die am wenigsten Salz verbrauchte, hatten die Finnen mit dem höchsten Salzkonsum ein circa 75 % erhöhtes Erkrankungsrisiko. Vergleicht man die Probandengruppe, deren Salzzufuhr der in Deutschland durchschnittlich konsumierten Menge von 8 – 10 g Salz am Tag entspricht, mit der Probandengruppe, die am wenigsten Salz verbrauchten, konnte bei ersterer ein 45 % höheres Risiko für eine Herzinsuffizienz verzeichnet werden (2).

Gemessen an diesen Risikoberechnungen liegt der durchschnittliche Salzkonsum bei Erwachsenen in Deutschland in einem kritischen Bereich. Hauptquellen der Salzzufuhr in Deutschland sind verarbeitete Lebensmittel. So entfallen etwa 27 ‑ 28 % der Salzzufuhr auf Brot und Brötchen, 15 ‑ 21 % auf Fleisch- und Wurstwaren und 10 ‑ 11 % auf Milchprodukte und Käse (3). Ein moderater Verzehr hoch verarbeiteter Lebensmittel aus diesen Lebensmittelgruppen und Einschränkungen beim Verbrauch von Fertiggerichten, Instantsuppen und salzigen Snacks sind ein erfolgsversprechender Ansatzpunkt, den Salzkonsum zu normalisieren (4). In einer Studie von Goffe et al. konnte eindrucksvoll und kreativ gezeigt werden, dass eine Reduktion der Löcher im Salzstreuer die Salzzufuhr von Kunden in einem Fast Food-Restaurant bedeutend senken konnte. Wenn Sie gerne salzreich essen und am Tisch häufig nachsalzen, kann der Einsatz eines Salzstreuers mit wenigen Löchern eine praktische Möglichkeit sein, Ihren Salzkonsum einzudämmen (5).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, den Salzkonsum auf maximal fünf Gramm pro Tag zu begrenzen, in Deutschland wird eine Salzzufuhr von weniger als sechs Gramm täglich empfohlen. Somit sollten Verbraucher in Deutschland ihre Salzaufnahme durchschnittlich knapp halbieren. Zusätzlich empfehlenswert ist es, bei der Auswahl eines geeigneten Salzes auf die Zugabe von Fluorid und Jod zu achten. Das Salz, welches Frauen im gebährfähigen Alter verwenden, sollte zudem mit Folsäure angereichert sein. Tipps für eine salzarme Kost finden Sie in unseren Empfehlungen für eine Ernährung bei Bluthochdruck hier.


Zum Weiterlesen

(1) P. Jousilahti et al. (2017): Salt intake and the risk of heart failure. European Heart Journal, 38 (Supplement) 710. ESC 2017. Online unter  http://spo.escardio.org/SessionDetails.aspx?eevtid=1220&sessId=21753&_ga=2.211254805.1896527753.1503824824-344149234.1495806599#.WaZldHS9vIX

(2) Bundesinstitut für Ernährung und Landwirtschaft: Salzkonsum in Deutschland: Ergebnisse der DEGS-Studie. Online unter https://www.bmel.de/DE/Ernaehrung/GesundeErnaehrung/_Texte/DEGS_Salzstudie.html

(3) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) (2017): Hoher Salzkonsum erhöht Herzschwäche-Risiko deutlich. Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zum Europäischen Kardiologiekongress (ESC) 2017. Online unter http://dgk.org/pressemitteilungen/2017-esc-kongress/2017-esc-aktuelle-pm/2017-esc-tag2/hoher-salzkonsum-erhoeht-herzschwaeche-risiko-deutlich/

(4) Assmann-Stiftung für Prävention (2015): Gesunde Ernährung. Online unter https://www.assmann-stiftung.de/gesunde-ernaehrung/

(5) L. Goffe et al. (2016): Reducing the Salt Added to Takeaway Food: Within Subjects Comparison of Salt Delivered by Five and 17 Holed Salt Shakers in Controlled Conditions. In: PLOS One, Vol.

 

Fußnoten

[1] Body-Mass-Index = Quotient zwischen Körpergewicht und Körpergröße zum Quadrat

[2] HR für die zweite bis fünfte Gruppe: 1,13, 1,45, 1,56 und 1,75

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