Der genetischen Veranlagung zum Übergewicht entgegenwirken [214]

Neben Ursachen wie Bewegungsmangel kann auch eine ungünstige genetische Veranlagung das Körpergewicht negativ beeinflussen (1). Doch die im Erbgut angelegte Neigung zu krankhaftem Übergewicht kann mit Hilfe von gesunder Ernährung zumindest teilweise abgeschwächt werden, fanden Forscher aus den USA und China in einer gemeinsamen Studie kürzlich heraus. Dies kann insbesondere für Personen mit genetischer Vorbelastung eine Motivation sein, mithilfe einer hohen Ernährungsqualität langfristig ein gesundes Körpergewicht zu halten.


Wissenschaftliche Details

Gesunde Ernährung kann der kontinuierlichen Zunahme an Körpergewicht im Verlaufe des Lebens entgegenwirken. Dies gelingt auch dann, wenn innerhalb der Familie eine Neigung zur Übergewicht genetisch bedingt ist, berichtete jetzt das British Medical Journal of Medicine (2).

8.828 Frauen und 5.218 Männern aus der Nurses‘ Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study konnten über zwanzig Jahre hinweg ihr Gewicht regulieren, wenn sie reichlich Obst, Gemüse, Nüsse und Vollkornprodukte zu sich nahmen und den Konsum von Salz, zuckerhaltigen Getränke, Alkohol sowie rotem und verarbeitetem Fleisch einschränkten. Sie waren dabei umso erfolgreicher, je stärker sie sich an die Vorgaben des Alternate Healthy Eating Index 2010 (AHEI-2010) oder der Dietary Approach to Stop Hypertension (DASH)-Diät orientierten (3,4). Die AHEI-2010-Diät propagiert einen hohen Verzehr von Gemüse (ohne Kartoffeln), Obst, Vollkorngetreide, Nüssen, Hülsenfrüchten, fettreichem Seefisch, pflanzlichen Ölen, einen mäßigen Alkoholkonsum und eine Beschränkung des Verzehrs von Zucker, gesüßten Getränken und Fruchtsaft sowie von rotem und verarbeitetem Fleisch, fettreichen Fertigprodukten und Salz (2). Die DASH-Diät hingegen legt den Fokus auf Gemüse, Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte sowie fettarme Milchprodukte und rät zur geringeren Aufnahme von zuckergesüßten Getränken, rotem und verarbeitetem Fleisch und Salz (3).

Von der Ernährungsumstellung profitierten die Probanden am meisten, deren genetische Veranlagung zur Fettleibigkeit besonders ausgeprägt war. Die Risikopersonen für krankhaftes Übergewicht reagierten schlicht sensibler auf eine gesunde Kost als andere, die hinsichtlich des Körpergewichts mit günstigeren Genen ausgestattet waren. So gelang es Personen mit einem hohen Risiko für Übergewicht trotz ungünstiger Ausgangsbedingungen am besten, das Körpergewicht bei hoher Ernährungsqualität über zwei Jahrzehnte hinweg konstant zu halten. Die Bostoner Wissenschaftler hatten für jeden Studienteilnehmer ein persönliches Risikoprofil erstellt, indem sie mit Hilfe eines Scores 77 Erbgutabschnitte (Einzelnukleotid-Polymorphismen) bewerteten, die das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße beeinflussen können. Aus dem Abgleich des Risikoprofils, den Ernährungsgewohnheiten und den Langzeit-Veränderungen im Körpergewicht ging erstmals im Detail hervor, wie bedeutend eine ungünstige genetische Veranlagung durch eine langfristige Ernährungsumstellung ausgeglichen werden kann.

Die Experten sehen dieses Ergebnis als eine Ermutigung an, gerade dann in eine hohe Ernährungsqualität zu investieren, wenn aufgrund einer ungünstigen erblichen Veranlagung eine hohe Gewichtszunahme prognostiziert wird. Insbesondere übergewichtige Eltern können diese Studienergebnisse als zusätzlichen Anlass sehen, durch eine ausgewogene Ernährung die Gesundheit und ein normales Körpergewicht ihrer Kinder langfristig zu fördern.


Zum Weiterlesen

(1) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (2014): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas“. Version 2.0. Online unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/050-001l_S3_Adipositas_Pr%C3%A4vention_Therapie_2014-11.pdf.

(2) T. Wang et al. (2018): Improving adherence to healthy dietary patterns, genetic risk, and long-term weight gain: gene-diet interaction analysis in two prospective cohort studies. In: The BMJ, Vol. 360, j5644.Online unter http://www.bmj.com/content/360/bmj.j5644

(3) S.E. Chiuve et al. (2012): Alternative dietary indices both strongly predict risk of chronic disease. In: The Journal of Nutrition, Vol. 142, Nr. 6, S. 1009-18. Online unter  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3738221/.

(4) T.T. Fung et al. (2008): Adherence to a DASH-style diet and risk of coronary heart disease and stroke in women. In: Journal of the American Medical Association Internal Medicine, Vol. 168, Nr. 7, S. 713-720. Online unter https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/414155.

 

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