Ausgeprägte Neurodermitis als Hinweis auf Herz- und Gefäßschädigungen [230]

Neurodermitis-Patienten erleiden häufiger einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bzw. erkranken öfter an Herzschwäche oder an Vorhofflimmern als Menschen mit gesunder Haut. Das kardiovaskuläre Risiko steigt bei Personen, die von Neurodermitis betroffen sind, mit dem Schweregrad und der Aktivität der Ekzeme an, berichtet jetzt das BMJ (1). Das Screening und die frühzeitige Behandlung von Neurodermitis könnten laut Experten der London School of Hygiene & Tropical Medicine daher zur Primärprävention von Herz- und Gefäßerkrankungen beitragen.


Wissenschaftliche Details

Neurodermitis, auch atopisches/endogenes Ekzem oder atopische Dermatitis genannt, gehört zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Neurodermitis tritt vor allem im Kindes- und Jugendalter auf, mit zunehmendem Alter klingen die Symptome oftmals ab. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts ist in Deutschland jedes fünfte Kind von Neurodermitis betroffen (2). Insbesondere in den Industrienationen ist die Zahl der Betroffenen in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen. Neurodermitis kann aufgrund einer genetischen Prädisposition auftreten, ist allerdings auch von Umweltfaktoren abhängig. Durch Neurodermitis werden Langzeitschädigungen im gesamten Organismus verursacht, die sich auch auf das Herz- und Gefäßsystem erstrecken können.

Koordiniert von der London School of Hygiene & Tropical Medicine hat jetzt ein internationales Wissenschaftlerteam im BMJ umfangreiche Analyseergebnisse vorgestellt, die den Einfluss von atopischen Ekzemerkrankungen auf das kardiovaskuläre Risiko beschreiben. Knapp 400.000 Briten mit ausgeprägter Neurodermitis, die sich zu Studienbeginn in ärztlicher Behandlung befanden, sind in die Untersuchung einbezogen worden. Ein Abgleich ihrer Gesundheitsdaten mit den Parametern von 1.528.477 Vergleichspersonen ohne atopisches Ekzem ergab einen Zusammenhang zwischen der Schwere der Neurodermitis-Erkrankung und einer erhöhten Gefahr für nicht tödlich verlaufende Herz- und Gefäßerkrankungen. So waren Patienten mit schwerem atopischem Ekzem einem rund 22 % höheren Risiko für Schlaganfall, einem circa 40 % höheren Risiko für Herzinfarkt, für instabile Angina Pectoris und Vorhofflimmern sowie einem bis zu 71 % höheren Risiko für Herzinsuffizienz ausgesetzt als hautgesunde Briten. Je aktiver die Ekzeme im Verlaufe der fünfjährigen Beobachtungszeit waren, umso höher war auch die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene an Herz- und Gefäßschädigungen litten.

Die Experten vermuten, dass insbesondere die den Ekzemen zugrunde liegenden Entzündungsprozesse Schädigungen am Herzen und an den Blutgefäßen begünstigen. Sie empfehlen daher, das Screening und die Behandlung von Neurodermitis in Konzepte zur Primärprävention von kardiovaskulären Erkrankungen mit einzubeziehen.


Zum Weiterlesen

(1) R.J. Silverwood et al. (2018): Severe and predominantly active atopic eczema in adulthood and long term risk of cardiovascular disease: population based cohort study. In: The BMJ, Vol. 361, k1786. Online unter  https://www.bmj.com/content/361/bmj.k1786

(2) Robert-Koch-Institut (2014): Neurodermitis. Faktenblatt zur KiGGS Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Erste Folgebefragung 2009 – 2012. Berlin. Online unter https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung

 

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