Bluthochdruck in der Lebensmitte zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Demenzen im Alter. Ab wann ein zu hoher Blutdruck den späteren Verlust von Hirnzellen begünstigen kann und inwieweit sich darin Frauen und Männer unterscheiden, wird jetzt im Journal Neurology diskutiert (1). Anlass hierfür bieten Langzeitbeobachtungen des US‑amerikanischen Krankenversicherers Kaiser Permanente.

Frauen, die in ihren Vierzigern erstmals an einem zu hohen Blutdruck litten, entwickelten nach ihrem 60. Lebensjahr um 73 % häufiger eine Demenz als Gleichaltrige mit durchgängig normalen Blutdruckwerten. Bluthochdruck, der schon seit den 30ern bestand, war mit einem 63-prozentigen erhöhten Demenzrisiko für Frauen verbunden. Gelang es, den Bluthochdruck im mittleren Lebensalter zu normalisieren, dann wurden später keine überdurchschnittlichen kognitiven Beeinträchtigungen beobachtet. Bei Männern gab es keine Hinweise, dass Bluthochdruck in den 30er und 40er Jahren die Wahrscheinlichkeit von Demenzen im Alter erhöht hätte.

Im Vergleich zu Männern erkranken Frauen generell häufiger an Demenzen (2). Experten vermuten u.a., dass hormonelle Faktoren die Hirnblutgefäße bei Frauen in der Vorphase zur Menopause schädigen und so die Entwicklung von Demenzen beeinflussen könnten (3).

Bluthochdruck in der Lebensmittekann bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für Demenzen im Alter verbunden sein. Darauf weist die Langzeitbeobachtung von Gesundheitsparametern bei 3.095 Frauen und 2.551 Männer hin, die jetzt im Journal Neurology ausgewertet worden ist (1).

Check-up Daten von Versicherten, der US‑amerikanischen Krankenversicherung Kaiser Permanente, welche zwischen 1964‑1973 sowie zwischen 1978‑1985 im Rahmen von freiwilligen Vorsorgeuntersuchungen erhoben wurden, bildeten die Grundlage der Beobachtungsstudie. Eine Nacherhebung im Jahre 1996 diente u.a. zur Prognose für die Wahrscheinlichkeit, in den folgenden 20 Jahren eine Demenz zu entwickeln. 532, also knapp jeder zehnte Versicherte, erkrankte an einer Demenz.

Die Analysen ergaben einen engen Zusammenhang zwischen der Demenzerkrankung und dem Bluthochdruck[1], den Frauen erstmals im mittleren Alter von durchschnittlich 44,3 Jahren entwickelten. Ihr Demenzrisiko lag um bis zu 73 % höher als bei Frauen mit normalem Blutdruck[2]. Litten diese Frauen schon im mittleren Alter von durchschnittlich 32,7 Jahren fortwährend an Bluthochdruck, fiel ihr Demenzrisiko mit 63 % etwas geringer aus[3]. Frauen, die ihren Blutdruck in der Lebensmitte normalisieren konnten, waren keinem erhöhten Risiko für Demenzen ausgesetzt. Bluthochdruck bei Männern, der im Vergleich zu den Frauen in den 30ern (31 vs. 14 %) und auch in den 40ern (18 vs. 25 %) viel häufiger diagnostiziert worden war, hat die Wahrscheinlichkeit für spätere Demenzerkrankungen nicht messbar beeinflusst.

Der Befund einer geschlechtsspezifischen Verbindung zwischen Bluthochdruck im mittleren Lebensabschnitten und dem Demenzrisiko im Alter wird kontrovers diskutiert. Die Interpretationen reichen von Hinweisen auf Messfehlern und auf Medikamenteneinwirkung bis hin zur Annahme, dass Veränderungen im Hormonhaushalt bei Frauen im Vorfeld der Menopause Blutgefäße so schädigen, das in späteren Lebensphasen Schlaganfälle und Demenzen wahrscheinlicher werden (3).

Fußnoten:

[1] systolischer BP ≥ 140 mm/Hg oder diastolischer BP ≥ 90 mm/Hg
[2] HR 1,73, 95% KI 1,24-2,40
[3] HR 1,63, 95% CI 1,11-2,40

Zum Weiterlesen:

(1) P Gilsanz et al. Female sex, early-onset hypertension, and risk of dementia. Neurology. Doi: http://dx.doi.org/10.1212/WNL.0000000000004602 und das Ergänzende Material, abrufbar unter http://www.neurology.org/content/suppl/2017/10/04/WNL.0000000000004602.DC1/e-tables.pd
(2) Vgl. exemplarisch für Deutschland: Deutsches Alzheimer Gesellschaft e.V. Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen. Infoblatt 1, abrufbar unter https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf
(3) Impact of Hypertension on Cognitive Function: A Scientific Statement From the American Heart Association. Hypertension. 2016 December ; 68(6): e67–e94. doi:10.1161/HYP.0000000000000053. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5361411/pdf/nihms852058.pdf