Die Zahl der Neuerkrankungen an Diabetes nimmt noch immer zu. So ist im neuen Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2012 zu lesen, dass derzeit in Deutschland 6  Millionen Menschen an Diabetes leiden, 90% davon an einem Typ-2-Diabetes. Täglich erkranken rund 700 Personen neu, hochgerechnet auf das Jahr sind das ca. 300.000 Personen allein in der Altersgruppe der 55- bis 74-jährigen Männer und Frauen.

Der Anstieg der Fallzahlen variiert regional und geschlechtsspezifisch. Vermehrt betroffen sind neuerdings  auch  Kinder und Männer. Wenn auch die Ursachen dafür nicht abschließend geklärt sind, so bietet die Forschung präventive Ansätze, um Neuerkrankungen hinauszuzögern oder gar zu verhindern.

Voraussetzung für präventive Ansätze ist zunächst eine Abschätzung des persönlichen Risikos, an Diabetes mellitus zu erkranken.  Die sog. Screenings lassen seit einigen Jahren zuverlässige Vorhersagen zu und sollten nach Meinung von Experten längst flächendeckend angewandt werden.   Anknüpfend an Vorhaben der UN und der EU wird im Jahr 2013 auch in Deutschland ein Nationaler Aktionsplan gegen nichtübertragbare Krankheiten erwartet. Screenings zur Früherkennung von Diabetes mellitus dürften darin gesundheitspolitisch eine größere Beachtung finden als bislang.

Der seltenere Typ 1-Diabetes mellitus wird meistens bereits im Kindesalter durch einen Defekt der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse ausgelöst. Die Betroffenen müssen bislang lebenslang das fehlende Insulin in Form von Insulinpräparaten ersetzen.

In aktuellen Forschungsprojekten wird versucht, eine Art Impfstoff gegen Typ-1-Diabetes zu entwickeln. Die Ansätze umfassen beispielsweise eine Immunisierung von Risikopatienten mittels Insulingabe als Pulver (Pre-POINT-Studie) oder Spray (INIT-II-Studie). Weitere Ansätze zur Prävention bei Risikopatienten untersuchen verschiedene Insulinvarianten, die sogenannten Mimetopen.  Im Tiermodell konnten hierbei bereits vielversprechende Ergebnisse erzielt werden.

Bei Personen mit manifestem Typ-1-Diabetes wird derzeit auch eine technische Neuerung – die sogenannten Closed-Loop-Systeme – erprobt. Dabei handelt es sich um eine Kombination von Insulin-Pumpe und Blutzuckermessgerät, die eine bedarfsabhängige Abgabe von Insulin ermöglicht.

     Der weit verbreitete Typ 2-Diabetes mellitus, früher mit Altersdiabetes umschrieben, kommt zunehmend häufiger auch bei Kindern und Jugendlichen vor. Da die Statistik ein zeitgleiches Ansteigen von Diabetes- und Adipositasfällen belegt, wird ein Zusammenhang in der Kombination  von Bewegungsarmut und Fehlernährung bei allen Altersklassen vermutet.

Im Zentrum präventiver Maßnahmen für den  Typ2-Diabetes mellitus steht das individuelle  Konzept für eine gesundheitsförderliche Lebensweise. Pauschale Vorgaben wie Mehr Sport treiben oder Weniger Fleisch- und Getreideprodukte und essen helfen hier eher nicht weiter.  So zeigen Studien, dass das Kraft- und Ausdauertraining individuell abhängig von der genetischen Disposition auf den Stoffwechsel wirkt. Und spezielle Diäten führen nicht zwangsläufig zum gewünschten Erfolg. Von Junk Food ist allerdings grundsätzlich abzuraten.

Bei allem Für und Wider sind sich Experten einig: Das größte ungenutzte Potential für Prävention ist schlicht das Quäntchen täglicher Bewegung!

Quelle

Deutsche Diabetes-Hilfe (www.diabetesde.org)