Oder:

Die Spur von dunkler Schokolade in der Primärprävention von Schlaganfall und koronaren Herzkrankheiten

Dunkle Schokolade mit einem Kakaoanteil von mehr als 70 % hilft, oxydativen Stress zu mindern und die Gefäß- und Blutplättchenfunktionen zu verbessern.

Schon rund 63 g pro Woche oder ein kleines Stück regelmäßig täglich verzehrt, kann die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, um bis zu 17 Prozent senken (1). Zu diesem gesundheitsförderlichen Effekt tragen insbesondere die in den Kakaobohnen befindlichen Flavonoide (Pflanzenfaserstoffe) aus der chemischen Gruppe der Polyphenole bei. Flavonoiden wird eine entzündungshemmende sowie blutfett- und blutzuckerregulierende Wirkung zugeschrieben (2).  Sie wirken der Verdickung  und der Minderung der Elastizität von Gefäßwänden entgegen und beugen so der Entwicklung von Arteriosklerose und  ihren Folgeschäden vor. Sie sorgen auch für eine höhere Verfügbarkeit von Stickoxiden, die die Muskelzellen in Blutgefäßen erweitern und damit helfen, den Blutdurchfluss durch die Gefäße zu erleichtern und den Blutdruck zu senken.

Einzelstudien belegen diese günstige präventive Wirkung jetzt auch im Detail für Risikogruppen von kardiovaskulären Erkrankungen. Ein amerikanisches Forscherteam beobachtete jüngst in einer Studie mit übergewichtigen Erwachsenen, dass der Genuss von dunkler, flavanolreicher Schokolade schon über einen Zeitraum von vier Wochen hinweg den Durchmesser der Oberarmarterie vergrößern und den Blutdurchfluss beschleunigen kann (3). Eine niederländische Studie mit übergewichtigen, gesunden  Männern im Alter von 45 – 70 Jahre zeigt nahezu zeitgleich, dass dunkle Schokolade die Gefäßfunktion aktiviert und auch der Haftung von Leukozyten entgegen wirkt (4).

Australische Wissenschaftler sehen im täglichen Verzehr von dunkler Schokolade eine wirksame und auch relativ kostengünstige präventive Strategie zur Risikosenkung von  kardiovaskulären Ereignissen bei Menschen, die am metabolischen Syndrom leiden (5). So errechneten sie in einer Modellanalyse, dass für die mit Hilfe von Schokolade mögliche Reduktion von geschätzt  70 nichttödlichen und 15 tödlichen  kardiovaskulären Ereignissen pro 10.000 Einwohner über einen 10 Jahreszeitraum lediglich 31 Euro pro Person und Jahr aufgewendet werden müsse.

Dunkle Schokolade wird ein hilfreicher Bestandteil von gesunder Ernährung sein, solange ihre relativ hohe Kalorienzahl an anderer Stelle eingespart wird. Ob Schokolade künftig Medikamente bei der Prävention von Schlaganfällen und koronaren Herzkrankheiten ersetzen wird, bleibt Untersuchungen vorbehalten, die die Magie der Schokolade weiter entschlüsseln (6).

Zum Weiterlesen:

(1) S. C. Larsson, J. Virtamo and A. Wolk, Chocolate consumption and risk of stroke A prospective cohort of men and meta-analysis .Published online before print August 29, 2012, doi: 10.1212/WNL.0b013e31826aacfa Neurology WNL.

(2) Die Schutzwirkung von Pflanzenfaserstoffen bei einer durchschnittlichen Tagesdosis von 7g in der Prävention von kardiovaskulären Ereignissen beschreibt eine Metaanalyse von 22 einschlägigen Kohortenstudien in: Threapleton, D. et al., Dietary fibre intake and risk of cardiovascular disease: systematic review and meta-analysis. In: BMJ 2013; 347 doi.org/10.1136/bmj.f6879 (Published 19 December 2013)

(3) Horn P. et al., Dietary flavanol intervention lowers the levels of endothelial microparticles in coronary artery disease patients. In: Br J Nutr. 2013 Nov 29:1-8.

(4) Esser D. et al.,Dark chocolate consumption improves leukocyte adhesion factors and vascular function in overweight men. In: FASEB J. 2013 Dec 4.

(5) Zomer E. et al., The effectiveness and cost effectiveness of dark chocolate consumption as prevention therapy in people at high risk of cardiovascular disease: best case scenario analysis using a Markov model. In: BMJ 2012; 344 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.e3657 (Published 31 May 2012)

(6) Zur Geschwindigkeit des (unbeobachteten) Verzehrs von Pralinen vgl:
Gajendragadkar P.R. et al.: The survival time of chocolates on hospital wards: covert observational study. BMJ 2013; 347, doi:10.1136/bmj.f7198