Die Empfehlung der US Preventive Service Task Force Recommendation (USPSTF) im Entwurf

Die Beweise reichen bislang nicht aus, um zu beurteilen, ob Vitaminpräparate und Mineralstoffe dazu beitragen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs präventiv zu vermeiden. Zu diesem Zwischenergebnis gelangt eine Arbeitsgruppe der US Preventive Service Task Force Recommendation (USPSTF) in der aktuellen Empfehlung zur Wirksamkeit von präventiver Medikation mit Hilfe von Vitaminen und Mineralstoffen bei gesunden Erwachsenen (1).

Das Statement aktualisiert die im Jahre 2003 von der Task Force abgegebenen Empfehlung zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs mit Hilfe von Vitamin-Supplementierungen. Es liegt derzeit nur im Entwurf vor und ist bis zum 9. Dezember 2013 für Kommentare und Anmerkungen öffentlich zugänglich (2).

Die USPSTF überprüft renommierte Studien mit klinischer Evidenz zu den Vorteilen und den Nachteilen in der präventiven Anwendung von Vitaminpräparaten A, C, D mit und ohne Kalzium, Selen, Folsäure und Beta-Karotin sowie von Multivitamin- und Antioxidationsmittelkombinationen ergebnisoffen. Die aktuelle Datenlage lässt keine abschließenden Rückschlüsse auf nützliche oder/und schädliche Effekte bei der einzelnen oder kombinierten Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln mit Ausnahme von Beta-Karotin und Vitamin E zu.
In Studien zur Wirksamkeit von Vitamin E wird ein Einfluss auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und der Gesamtmortalität positiv ausgeschlossen. Die USPSTF bewertet daher den Nutzen einer präventiven Vitamin E – Supplementierung mit Null. Wirksamkeitsstudien mit Beta-Karotin zeigen ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs und für die Gesamtmortalität bei Probanden an, die ohnehin zu Hochrisikogruppen zählen, wie etwa die starken Raucher. Die USPSTF schließt daraus mit moderater Gewissheit, dass eine präventive Supplementierung mit Beta-Karotin eher schadet als nützt.

Die Empfehlungen gelten lediglich für gesunde Erwachsene ohne Ernährungsmängel, nicht aber für Kinder, für Frauen, die schwanger sind oder es werden wollen, für chronisch Kranke oder für Personen mit klinischen Ernährungsdefiziten. Auf das potentielle Risiko bei einer Überdosierung insbesondere bei der Gabe von Vitamin A und D -Präparaten wird explizit hingewiesen. Ebenso wird die Möglichkeit der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs durch gesunde Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte und Meeresfrüchte ist, empfohlen.

Vitaminpräparate und Mineralstoffe werden insbesondere aufgrund ihrer potentiell antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung als Ergänzung zur täglichen Nahrung genutzt (3). Knapp ein Drittel der erwachsenen US-Amerikaner greifen auf ein Vitamin- oder Mineralstoffpräparat mit der Absicht zurück, Krankheiten zu vermeiden oder zu verlangsamen. In den USA sind im Jahr 2010 mehr als 28,1 Milliarden Dollar für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben worden.

Auch um dem immens öffentlichem Interesse an Empfehlungen zum präventiven Potential von Vitaminen und Mineralstoffen entsprechen zu können, bedarf es neuer umfangreicher Studien, die alle Bevölkerungsschichten einschließen und Subgruppenanalysen erlauben.

(1) Eine kurze Zusammenfassung bietet:
Michael McCarthy, Evidence is lacking for or against multivitamins to prevent heart disease or cancer, US task force says. In: BMJ 2013, 347 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f6840 (Veröffentlicht 13. November 2013)

(2) US Preventive Services Task Force. Vitamin, mineral, and multivitamin supplements for the primary prevention of cardiovascular disease and cancer: draft recommendation statement. AHRQ publication No 14-05199-EF-2. www.uspreventiveservicestaskforce.org/draftrec2.htm

(3) Eine systematische Darstellung des präventiven Potentials von Vitaminen und Mineralstoffen enthalten die Seiten der Assmann – Stiftung für Prävention: www.assmann-stiftung.de/ernaehrung/vitamine-und-mineralstoffe/