Vegetarier neigen in der Mitte des Lebens eher und öfter zu Depressionen als die sogenannten Normalesser. Dies ging aus einer Befragung von 9.668 Männern an der Bristol University hervor (1). 311 dieser Männer beschrieben sich als Vegetarier und 39 gaben an, sich vegan zu ernähren. Je konsequenter sich die Männer auf rein pflanzliche Lebensmittel beschränkten, umso häufiger zeigten sie depressive Symptome.

Da sich die vegetarische Ernährungsweise primär über den Verzicht auf Fleisch definiert, vermuten die Wissenschaftler, dass insbesondere ein Mangel an Eisen und Vitamin B12 die psychischen Störungen begünstigen könnte. Insbesondere rotes Fleisch ist besonders reich an diesen beiden Mikronährstoffen. Übermäßig verzehrt, erhöht es das Risiko für Herzerkrankungen und den Schlaganfall, für Typ 2 Diabetes, Fettsucht und für ausgewählte Tumorarten (2). Im Schnitt leben daher Vegetarier gesünder. Allerdings empfehlen die Experten bei einem völligen Verzicht auf (rotes) Fleisch, auf alternative, ähnlich mikronährstoffreiche Nahrungsmittel zurückzugreifen, um die Anfälligkeit für psychische Störungen gegebenenfalls zu vermeiden.

Studien zeigen zunehmend eine Wechselbeziehung zwischen dem Ernährungsstil und Depressionen. So auch die Auswertung der “Avon Longitudinal Study of Parents and Children” (ALSPAC) – Untersuchung, die jetzt im Journal of Affective Disorders publiziert worden ist (1). Zu Rate gezogen wurden Berichte von 9.668 erwachsenen männlichen Partnern schwangerer Frauen über Ernährungsgewohnheiten sowie über psychischen Befindlichkeiten. Letztere wurden an der Edinburgh Post Natal Depression Scale (EPDS) gemessen. 311 dieser Männer beschrieben sich als Vegetarier und 39 gaben an, zusätzlich auch auf Milchprodukte und Eier zu verzichten, sich also rein vegan ernähren. Diese 350 Männer, zusammen betrachtet, wiesen durchweg höhere Depressionswerte auf als die Nicht-Vegetarier.

Nach Bereinigung von Störvariablen wie Alter, Familienstand, Beschäftigungsstatus, Wohnsituation, Anzahl der Kinder im Haushalt, Religion, Familiengeschichte der Depression, frühkindlicher psychiatrischer Kontakt, Zigaretten- und Alkoholkonsum verblieb bei ihnen eine um bis zu 33 % erhöhte Wahrscheinlichkeit, an Depressionen zu erkranken. Marginal vergrößerte sich die Neigung zu Depressionen auch, je länger die vegetarischen Lebensgewohnheiten beibehalten worden waren. Mikronährstoffmängel, z.B. zu wenig Vitamin B12 oder Eisen insbesondere aufgrund des Verzichtes auf (rotes) Fleisch, sind eine mögliche Erklärung für dieses Ergebnis, so die Autoren der Studie.

Wer rotes Fleisch generell vom Speiseplan ausschließt, lebt einerseits gesünder, weil damit dass Risiko für Herzerkrankungen und für den Schlaganfall, für Typ-2-Diabetes, Fettsucht oder auch für ausgewählte Tumorarten sinkt, so die Experten. Andererseits könnte sich so die Neigung für Depressionen vergrößern (3). Völlig ausgeschlossen sei es allerdings auch nicht, dass Menschen mit depressiven Verstimmungen generell seltener Fleisch essen.

Zum Weiterlesen

  1. JR Hibbeln et al. Vegetarian diets and depressive symptoms among men. Journal of Affective Disorders. January 1, 2018. Volume 225, Pages 13–17. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.jad.2017.07.051
  2. Vgl. exemplarisch S Bronzato und A Durante. A Contemporary Review of the Relationship between Red Meat Consumption and cardiovascular risk. Int J Prev Med. 2017 Jun 1;8:40. doi: 10.4103/ijpvm.IJPVM_206_16, abrufbar unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28656096 sowie Z Kmietowicz. Red meat consumption is linked to higher risk of death from most major causes
    BMJ 2017; 357 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.j2241
  3. Vgl. dazu FN Jacka et al. An randomised controlled trial of dietary improvement for adults with major depression (the ‘SMILES’ trial). BMC Medicine2017 15:23, abrufbar unter https://bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12916-017-0791-y
    Zum Kontext vgl.GP Amminger et al., Longer-term outcome in the prevention of psychotic disorders by the Vienna omega-3 study. Nature Communications 6, Article number: 7934 (2015). Doi:10.1038/ncomms8934, abrufbar unter https://www.nature.com/articles/ncomms8934 sowie die Vorstudie für Langzeiteffekte: A Sánchez-Villegas et al., Dietary fat intake and the risk of depression: the SUN Project. PLoS One. 2011 Jan 26;6(1):e16268. doi: 10.1371/journal.pone.0016268, abrufbar http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0016268