Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Unklar ist, ob Übergewicht per se das kardiovaskuläre Risiko erhöht oder ob bestimmte Risikofaktoren (Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin), die durch Übergewicht nachteilig beeinflusst werden, ursächlich eine entscheidende Rolle spielen. Dazu wurden Daten der PROCAM-Studie neu ausgewertet (http://www.assmann-stiftung.de/procam-studie/ ).

Berücksichtigt wurden Teilnehmer der PROCAM Studie im Alter von 18 bis 65 Jahren.

Unter 24.530 Personen (Frauenanteil 31%) mit einem BMI (Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch das Quadrat der Körpergröße in Meter) über 20 wurden in einem mittleren Nachbeobachtungszeitraum von 12 Jahren 540 Herzinfarkte und 196 Schlaganfälle registriert. Dabei wurden tödliche und nicht-tödliche Ereignisse zusammengefasst.

Normalgewichtig (BMI von 20 bis unter 25 kg/m2) waren 49,1% der Teilnehmer, während 41,2% mit einen BMI von 25 bis unter 30 kg/m2 ein geringes und 9,6% ein deutlich erhöhtes Übergewicht aufwiesen (BMI von größer oder gleich 30 kg/m2).

Nach Adjustierung von Geschlecht, Alter und Raucherstatus wies eine Person mit geringem Übergewicht ein um 52,6% erhöhtes Herzinfarkt-Risiko auf, ein deutlich erhöhtes Übergewicht war mit einer Steigerung des Herzinfarkt-Risikos um 68,7% verbunden (jeweils im Vergleich mit einem Normalgewichtigen). Die zusätzliche Adjustierung für die metabolischen Risikofaktoren systolischer  Blutdruck, Gesamtcholesterin und Nüchtern-Blutzucker reduzierte die Risikosteigerung auf 31,2% bei einem geringen beziehungsweise auf 37,6% bei einem deutlichen Übergewicht. Alle aufgeführten  Risiken waren statistisch signifikant (p<0,05). Das heißt, übergewichtige Personen haben gegenüber einem Normalgewichtigen mit den gleichen systolischen Blutdruck-, Gesamtcholesterin- und Nüchtern Blutzucker-Werten ein signifikant erhöhtes Herzinfarkt-Risiko

Der Zusammenhang zwischen dem Schlaganfall-Risiko und dem Übergewicht war bei einem geringen Übergewicht weniger stark ausgeprägt. Ein BMI von 25 bis unter 30 kg/m2 bedeutete nach Adjustierung von Geschlecht, Alter und Raucherstatus ein um 24,7% und ein BMI von 30 kg/m2 und mehr ein um 67,8% erhöhtes Schlaganfall-Risiko gegenüber einem BMI von unter 25 kg/m2. Auch die Erhöhung des Schlaganfallrisikos ging durch die Adjustierung für die wichtigsten metabolischen Risikofaktoren Blutdruck, Gesamtcholesterin und Nüchtern-Blutzucker deutlich zurück, auf 15,2% für Personen mit geringem und auf 29,4% für solche mit deutlichem Übergewicht. Wegen der deutlich geringeren Fallzahl waren nur die mit einem deutlichen Übergewicht verbundenen Risikosteigerungen statistisch signifikant.

Nach Adjustierung von Geschlecht, Alter und Raucherstatus war ein Anstieg des BMI um 1 kg/m2 mit einer Erhöhung des Herzinfarkt-Risikos von 6,1% und des Schlaganfall-Risikos  von 5,2% verbunden (beide Werte statistisch signifikant, p<0,05). Die zusätzliche Adjustierung für die metabolischen Risikofaktoren systolischer Blutdruck, Gesamtcholesterin und Nüchtern-Blutzucker reduzierte die Risikosteigerung beim Herzinfarkt  und ebenso beim Schlaganfall auf 2,8% (nur für das Herzinfarkt-Risiko noch signifikant, p<0,05).

Anders stellt sich die Situation dar, wenn bei der Adjustierung das Gesamtcholesterin durch LDL- und HDL-Cholesterin ersetzt wird. In diesem Fall lässt sich kein zusätzlicher, das heißt bereits über den durch systolischen Blutdruck, Nüchtern-Blutzucker, LDL- und HDL-Cholesterin erklärbaren Effekt hinausgehende signifikante negative Wirkung von Übergewicht statistisch sichern.

Fazit:
Übergewicht ist kein eigenständiger Risikofaktor. Wesentliche Ursache für das erhöhte kardiovaskuläre Risiko bei Übergewicht sind die assoziierten Risikofaktoren Blutdruck, Nüchtern-Blutzucker, LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin. Durch Gewichtsabnahme lassen sich diese Risikofaktoren günstig beeinflussen.