Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung erleiden eher einen Herzinfarkt, wenn sie stark an Gewicht verlieren und danach wieder zunehmen als andere mit gleichbleibender Körperfülle. Je größer die Schwankungen im Körpergewicht bei Herzkranken ausfallen, umso häufiger treten bei ihnen weitere Herz- und Gefäßschädigungen auf. Stark Übergewichtige sind dafür noch anfälliger als Normalgewichtige.

Dies ergab eine Folgeauswertung der Treating to New Targets (TNT)-Studie mit 9.509 Patienten, die jetzt im New England Journal of Medicine publizierte wurde. Die Studienautoren um Sripal Bangalore vom Langone Medical Center der Universität New York gehen davon aus, das starke Körpergewichtsschwankungen ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen sein könnten (1).

Gewichtsreduktion gehört zu den klassischen Empfehlungen für Übergewichtige, um Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Insulinresistenz, Herzschwäche und koronare Herzerkrankungen sowie den frühen Tod zu vermeiden. Wird dies umgesetzt, folgt im Alltag allzu oft dem gewollten Gewichtsverlust die ungewollte Gewichtszunahme und ein sich wiederholender Zyklus stetiger Gewichtsschwankungen beginnt.

Die Frage, wie gesundheitsschädigend dieser Jo-Jo-Effekt zu bewerten ist, wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Als beispielweise die Framingham-Herzstudie zeigte, dass bei an sich herzgesunden Erwachsenen nach starken Gewichtsschwankungen häufiger Herzerkrankungen und vorzeitige Todesfälle auftraten als bei anderen mit gleichbleibenden und z.T. höheren Body-Maß-Index (BMI[1]), blieb diese Einsicht nicht unwidersprochen (2).

Als Paradox gilt heute nach wie vor, dass die Sterblichkeit von übergewichtigen Patienten mit koronarer Herzerkrankungen niedriger ausfallen kann als die von normalgewichtigen Herzpatienten, wie es etwa als Nebeneffekt in der INVEST-Studie zu beobachten war (3). Die Verbindung von Körpergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fällt außerordentlich komplex aus; Gewichtsschwankungen sind dabei ein gesondert zu beachtender Aspekt. Wissenschaftler vom Medical Center der Universität New York nutzten jetzt den Datenbestand aus der Treating to New Targets (TNT)-Studie, um die Auswirkungen von Gewichtschwankungen bei herzkranken Patienten zu bewerten. Sie ordneten 9.509 geeignete Studienteilnehmer je nach ihrem Verhältnis von Gewicht zur Körpergröße im Quadrat (BMI) drei Kategorien zu: normalgewichtig, (BMI <25), übergewichtig (BMI 25 bis <30) oder fettleibig (BMI, ≥30). Das mittlere Grundgewicht der Patienten betrug 85 ± 15 kg.

Die Veränderungen im BMI wurden nach 3, 6, 9 und 12 Monaten, nach einem Jahr und danach alle 6 Monate bis zu einer Gesamtbeobachtungszeit von 4,7 Jahren erfasst. Dabei wurden durchschnittliche aufeinanderfolgende Gewichtschwankungen in Höhe von 1,76 kg ermittelt. Der Datenvergleich bei Patienten mit hohen und mit niedrigen Geschichtsschwankungen ergab einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Höhe der Gewichtsdifferenzen und dem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen sowie dem vorzeitigen Tod und dies unabhängig von anderen klassischen Risikoparametern.

Eine Einteilung der Daten zu den Gewichtsschwankungen in Quantile zeigte im Vergleich zwischen dem niedrigsten Quantil und dem höchsten Quantil ein deutliches Gesundheitsrisiko für hohe Gewichtsschwankungen. Das Risiko nahm im höchsten Quartil für koronaren Ereignisses um 64 %, das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisses um 85 %, das Risiko für die Sterblichkeit um 124 %, das Herzinfarktrisiko um 117 %, das Schlaganfallrisiko um 136 % und das Risiko für eine Neuerkrankung an Typ2-Diabetes um 78 % zu. Je grösser der BMI der Patienten zu Studienbeginn, desto folgenreicher wirkten sich die Gewichtsschwankungen aus.

Ob das Auf und Ab beim Body-Maß-Index letztendlich die Herz- und Gefäßerkrankungen tatsächlich verursacht hat, bleibt in der Analyse unbeantwortet. U.a. waren auch Patienten mit Herzschwäche, die ohnehin aufgrund krankheitsbedingten Wasseransammlungen im Gewebe Gewichtsveränderungen ausgesetzt sind, nicht in die Analyse einbezogen. Die Studienautoren räumen ein, dass Prozesse, die unterschwellig die Gewichtsschwankungen bedingen, Auslöser für das höhere Risiko für die Herz- und Kreislauferkrankungen sowie den vorzeitigen Tod sein könnten.

Zum Weiterlesen:

  1. S. Bangalore et al. Body-Weight Fluctuations and Outcomes in Coronary Disease. N Engl J Med 2017; 376:1332-1340April 6, 2017 DOI: 10.1056/NEJMoa1606148. Abrufbar über http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1606148
  2. Vgl. L Lissner L et al. Variability of body weight and health outcomes in the Framingham population. N Engl J Med 1991, 324: 1839-1844. Abrufbar über http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM199106273242602
  3. Verwiesen wird auf CJ Lavie et al. Obesity and Prevalence of Cardiovascular Diseases and Prognosis-The Obesity Paradox Updated. Prog Cardiovasc Dis. 2016 Mar-Apr; 58(5):537-47. doi: 10.1016/j.pcad.2016.01.008. Epub 2016 Jan 28. Abrufbar über https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26826295

Fußnote:
[1] Body-Maß-Index, d.i. das Verhältnis des Körpergewichts zur Körpergröße zum Quadrat