Die Herzinsuffizienz betrifft in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen. Eine Herzinsuffizienz liegt vor, wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Organismus mit ausreichend sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Die Folge ist eine verminderte körperliche Belastbarkeit. Die Deutsche Herzstiftung beschreibt auf ihrer Webseite ausführlich die Formen, Symptome und Auswirkungen einer Herzinsuffizienz (1). Bei einer systolischen Herzinsuffizienz ist die Auswurfleistung (Ejektionsfraktion) der linken Herzkammer, die das Blut in den Körperkreislauf pumpt vermindert. Bei einer diastolischen Herzinsuffizienz ist der Füllungswiderstand der linken Herzkammer aufgrund verminderter Dehnbarkeit des Muskels erhöht.

Während Medikamente die Pumpleistung der Herzen verbessern, schützt vor der schwindenden Dehnbarkeit der Herzkammer bislang v.a. ein entsprechender Lebensstil. Analysen mehrerer Studien aus Texas ergaben jetzt, dass ein normaler Body-Maß-Index (BMI) und häufige und intensive körperliche Bewegung das Risiko für eine diastolische Herzschwäche spürbar verringern kann (2). Der präventive Effekt von Sport setzte allerdings erst dann messbar ein, als die Testpersonen mindestens 300 Minuten pro Woche zügig gingen oder 150 Minuten joggten. Sogenannte Huff-Puff-Gesundheits-Clubs sollen künftig Herzschwäche-Risikopersonen unterstützen, sich im mittleren Lebensalter vermehrt körperlich zu bewegen (3).

Inaktivität begünstigt die Herzschwäche, während körperliche Bewegung hilft, diese zu vermeiden oder – zumindest im Anfangsstadium – die nachlassende Herzleistung zu stabilisieren. Inwieweit Sport das Herz schützt, hängt auch von der Art seiner drohenden Schwäche ab. Dies ergab jetzt eine Analyse von Daten aus drei bevölkerungsbasierten Studien WHI (Women’s Health Initiative), CHS (Cardiovascular Health Study) und MESA (Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis).

Wissenschaftler vom Texas Southwestern Medical Center, Dallas erfassten insgesamt 3.180 Personen mit Herzschwäche; davon 39,4 % diastolische (Ejektionsfraktion ≥ 45 %) und 28,7 % systolische (Ejektionsfraktion < 45 %). 31,9 % der Herzinsuffizienzen waren nicht zuzuordnen. Intensive körperliche Aktivität und ein normaler Body-Maß-Index (BMI 18,5 bis 25 kg/m2) erwiesen sich als Faktoren, die das Risiko vor allem für die diastolische Herzschwäche maßgeblich und messbar verringerten.

Patienten, die doppelt so viel Sport in ihrer Freizeit trieben wie in Leitlinien empfohlen (> 1.000 Minuten/Woche), waren im Vergleich zu bewegungsarmen Patienten bis um 19 % weniger gefährdet, an einer diastolische Herzschwäche zu leiden. Hingegen erzielte die Prävention durch Sport bei Patienten mit der systolischen Herzschwäche kaum einen statistisch relevanten Effekt.

Auch über den BMI ließ sich die diastolische Herzschwäche eher beeinflussen als es bei der systolischen der Fall war. Schon bei leichtem Übergewicht (BMI 25 bis < 30 kg/m2) stieg das Risiko für die diastolische Herzschwäche im Vergleich zum Normalgewicht um 38 %, bei Adipositas Grad I (BMI 30 bis < 35 kg/m2) um 56% und bei Adipositas Grad II und III (BMI ≥ 35 kg/m2) sogar um 172 %. Die Gefahr für die systolische Herzschwäche vergrößerte sich hingegen erst bei Adipositas Grad II statistisch relevant um 49 %.

Experten gehen davon aus, dass sich die diastolische Herzschwäche eher präventiv und über externe Faktoren, also durch die Reduzierung von Bluthochdruck, Übergewicht und die Behandlung des Typ 2-Diabetes mindern lässt, als die systolische Herzschwäche. Risikogefährdeten Personen werden dafür allerdings erhebliche Anstrengungen zur Veränderung ihrer Lebensgewohnheiten abverlangt. Gesundheitszentren, Huff-Puff-Clubs genannt, sollen sie dabei unterstützen. Der Name entspringt dem „Huff-Puff-Syndrom“, der sich aus der englischen Bezeichnung „huffing and puffing“ zusammensetzt, welche das Schnauben und Keuchen der von einer Herzinsuffizienz betroffenen Menschen beschreibt.

Zum Weiterlesen

  1. Vgl. die Informationen zur Herzinsuffizienz auf dem Portal der Deutschen Herzstiftung, abrufbar unter Deutsche Herzstiftung http://www.herzstiftung.de/herzinsuffizienz.html
  2. A. Pandey et. Al. Relationship Between Physical Activity, Body Mass Index, and Risk of Heart Failure. Journal of the American College of Cardiology. Volume 69, Issue 9, 7 March 2017, Pages 1129–1142. http://dx.doi.org/10.1016/j.jacc.2016.11.081 bzw. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28254175
  3. Vgl. den Kommentar von SJ Shah. Sedentary Lifestyle and the Risk for HFpEF: Are “Huff-Puff Health Clubs” the Answer? Journal of the American College of Cardiology, Volume 69, Issue 9, 7 March 2017, Pages 1143-1146. Abrufbar unter www.onlinejacc.org/content/accj/69/9/1143.full.pdf?download