Wer oben wohnt, lebt länger – so lautet das lakonisch anmutende Fazit aus einer Schweizer Bevölkerungsstudie. Forscher aus dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern beobachteten, dass die Lebenserwartung von Personen signifikant höher ist, wenn diese in oberen Etagen wohnen. Das Risiko, an Herz-Kreislauferkrankungen zu sterben, liegt den Daten zu Folge für Parterrebewohner um 35 % höher als bei Etagenbewohnern. Bei Atemwegserkrankungen soll der Unterschied sogar 40% und bei Lungenkrebs immerhin 22 % betragen. Gravierende Unterschiede in der Mortalität ergaben sich schon innerhalb eines einzigen mehrgeschossigen Wohnhauses.

Die Forschergruppe um Matthias Egger werteten in der Untersuchung Daten von 1,5 Millionen Menschen aus, die in der Schweiz in vier- und mehrgeschossigen Häusern wohnen.  Die Datengrundlage bilden Ergebnisse der Eidgenössischen Volkszählung aus dem Jahre 2010, die mit Todesfall- und Emigrationsstatistiken aus den Jahren 2001 bis 2008 abgeglichen wurden. 142.390 Todesfälle insgesamt sind analysiert worden.  Die Wissenschaftler vermuten in der Schweiz einen Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen und sozialem Status und der Mortalitätsrate. Wohnungen in den oberen Etagen seien meist teuer. Wer es sich leisten könne, in oberen Etagen zu wohnen, lebe oft gesundheitsbewusster (1). Bildung, Nationalität und Beruf wurden berücksichtigt. Hingegen sind etwa das Einkommen und das Vermögen der Bewohner nicht bekannt.

US-amerikanische Studien zeigen seit längerem einen Zusammenhang zwischen dem Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Bewohnern sozial benachteiligter Stadtviertel und dem Auftreten von Übergewicht, Arteriosklerose und Diabetes mellitus (2).

Für Deutschland ist die Datenlage noch unzureichend, um aus der Zahl der Krankheitsfälle und den komplexen Wechselwirkungen der Risikofaktoren für Erkrankungen in bestimmten Regionen hinreichende Schlüsse ziehen zu können (3). Im Unterschied zur Schweiz etwa gibt es keinen Datenpool, der die Krankheitsraten der Gesamtbevölkerung vergleichbar abbildet. Von den in nationalen Kompetenzzentren zusammengeführten regionalen Studienzentren werden künftig auch flächendeckende epidemiologische Statistiken erwartet.

Beispielgebend zeigt eine Studie des DIAB-Core Verbundes, eines Zusammenschlusses von fünf regionalen Diabetesnetzwerken, erstmals gravierende Unterschiede in der Prävalenz von Diabetes 2 in Deutschland. Dafür wurden Daten der Study of Health in Pomerania (SHIP), der Studie Cardiovascular Disease, Living, and Aging in Halle (CARLA), der Heinz Nixdorf Recall Study (HNR); der Dortmunder Gesundheitsstudie (DO-GS) und der Studie Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) vergleichend ausgewertet (3).

In der Altersgruppe 45 bis 74 ist der Anteil an Diabeteserkrankungen in der Region Halle mit 12 % doppelt so hoch wie im Raum Augsburg mit 5,8 %   Der Raum Dortmund nimmt mit 9,3 % eine mittlere Größe ein. Für Vorpommern wurde ein Durchschnittswert von 10,9 % und für das Rheinland von 7,2 % ermittelt (4).

In der Interpretation dieser Ergebnisse gilt neben der individuellen sozioökonomischen Situation auch das Leben in benachteiligten, ärmeren Gemeinden mit hoher Arbeitslosenquote und mangelhafter Infrastruktur als risikosteigernd. Fehlende Freizeit- und Sportmöglichkeiten und Unterschiede in der Gesundheitsversorgung wirkten sich langfristig negativ aus. Zur Insulinresistenz, einem Hauptgrund für Diabetesneuerkrankungen, tragen möglicherweise auch Luftschadstoffe und Lärmbelastung bei (5).

Wer einen diabetogenen Lebensstil pflegt, sich also hochkalorisch ernährt und sich wenig bewegt, muss jedoch nicht zwingend in eine gesundheitsförderliche Region umziehen, um dem Risiko, an Altersdiabetes zu erkranken, zu entgehen. Es reichen schon dreimal 10 Minuten tägliche, moderate Bewegung aus, um sich fitter zu halten (6). Ein Beispiel für eine gleichsam stoffwechselgünstige und attraktiv-schmackhafte Ernährung findet sich in der Mittelmeerküche (7).

Präventiv hilfreich wirken sich schon umfassende Informationen über die Risikofelder aus, um sich bewusst entscheiden zu können, wie ein gesünder älter werden möglich sein kann. Die Seiten der Assmann-Stiftung für Prävention bieten eine wissenschaftlich fundierte und dennoch laienverständliche Einschätzung über individuelle Risikofaktoren für Erkrankungen sowie Hinweise, wie diese durch persönliches Engagement zu mindern sein können (8).

Quellen

  1. High life in the sky? Mortality by floor of residence in Switzerland. M. Egger et al.; European Journal of Epidemiology, doi: 10.1007/s10654-013-9809-8, 2013
  2. Slum upgrading strategies involving physical environment and infrastructure interventions and their effects on health and socio-economic outcomes. Turley R, Saith R, Bhan N, Rehfuess E, Carter B. In: Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jan 31;1:CD010067. doi: 10.1002/14651858.CD010067.pub2.
  3. Type 2 diabetes: prevalence and relevance of genetic and acquired factors for its prediction. Rathmann W, Scheidt-Nave C, Roden M, Herder C.: In:  Dtsch Arztebl Int 2013; 110(19): 331–7. DOI: 10.3238/arztebl.2013.0331
  4. The Diabetes Collaborative Research of Epidemiologic Studies DIAB-CORE) consortium: The impact of regional deprivation and individual socio-economic status on the prevalence of Type 2 diabetes in Germany. A pooled analysis of five population-based studies. Maier W, Holle R, Hunger M, et al.: In: Diabet Med 2013; 30: e78–86.
  5. Traffic-related air pollution and incident type 2 diabetes: results from the SALIA cohort study. Krämer U, Herder C, Sugiri D, et al. In: Environ Health Perspect 2010; 118: 1273–9.
  6. www.assmann-stiftung.de/information/wiss-empfehlungen/bewegungsmangel/
  7. www.assmann-stiftung.de/information/ernaehrung/ernaehrung-diabetes/
  8. www.assmann-stiftung.de/information/wiss-empfehlungen/diabetes/