Wissenschaftliche Empfehlungen zur Raucherentwöhnung

In Europa starben 1998 ca. 1,3 Millionen Menschen verfrüht an den Folgen von Tabakkonsum, weltweit sind es jährlich über 4 Millionen. Es wird geschätzt, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2020 verdoppeln wird und dass bis 2030 jährlich 10 Millionen Menschen an den Folgen von Tabakkonsum sterben werden.

  • Rauchen erhöht das Risiko für Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterHerz- und Gefäßerkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall).
  • Rauchen kann Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterLungenkrebs und verschiedene Atemwegserkrankungen verursachen und das Risiko für Krebs erhöhen besonders in Gewebe und Organen, die in direktem Kontakt mit dem inhalierten Tabakrauch stehen (z.B. Mund-, Lippen-, Kehlkopf, Rachen, Speicheldrüsen- und Speiseröhrenkrebs).
  • Rauchen beeinflusst aber auch die Entstehung von Krebs in Organen, die mit dem Tabakrauch in keinem direkten Kontakt stehen (z.B. Blasen-, Nieren-, Gebärmutterhals-, Brust-, Bauchspeicheldrüsen- und Dickdarmkrebs).

Jeglicher Tabakkonsum – direkt oder indirekt – schadet der Gesundheit. Dies beinhaltet das Rauchen von Zigaretten, Zigarren und Pfeifen, den Konsum von Tabakwaren „ohne Rauch“, z.B. Kautabak und Schnupftakab, und das Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterPassivrauchen. Zwar basiert der epidemiologische Beleg für den gesundheitlichen Schaden von Tabakkonsum vorwiegend auf Studien mit Zigarettenrauchern, aber es ist nicht die Art des Konsums sondern der Tabak selbst, der gesundheitsschädlich wirkt. Nur durch einen lebenslangen Verzicht auf  den Genuss von Tabakwaren kann das erhöhte Erkrankungsrisiko (s.o.) deutlich gesenkt werden (siehe auch Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster„Die wiedergewonnene Gesundheit“).

Tabaksucht behandeln

  • Die Abhängigkeit von Tabakkonsum ist chronisch. Bei vielen Rauchern, die das Rauchen aufgeben wollen, erfordert dies eine wiederholte Entwöhnungstherapie.
  • Es gibt verschiedene wirksame Therapien, die die Wahrscheinlickeit eines langfristigen Verzichts auf Tabakkonsum verdoppeln oder verdreifachen können (s.u.).  Die Behandlung der Abhängigkeit von Tabakwaren ist im Vergleich zu anderen Präventivmaßnahmen wirksam und kosteneffektiv.
  • Der Arzt sollte jeden Patienten zum aktuellen Tabakkonsum (ob, wie viel und wie lange) befragen:
    • Patienten, die bereit sind mit dem Rauchen aufzuhören, sollten mit effektiven Therapien unterstützt werden (siehe Behandlungsempfehlungen).
    • Patienten, die  n i c h t  bereit sind mit dem Rauchen aufzuhören, sollte eine klare Empfehlung gegeben werden, mit dem Rauchen aufzuhören. Diese Motivationsarbeit sollte regelmäßig wiederholt werden.

Behandlungsempfehlungen

  • Die folgenden Empfehlungen basieren auf zahlreichen Studien, die eine effektive Behandlung der Abhängigkeit von Tabakwaren belegt haben. Als besonders effektiv haben sich die folgenden drei Arten von Beratungs- und Verhaltenstherapien erwiesen. Diese sollten daher bei allen Personen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, angewendet werden:
    • Praktische Beratung (Strategien zur Problemlösung und Umsetzung)
    • Soziale Unterstützung während der Behandlung (z.B. durch den Berater)
    • Hilfestellung bei der Sicherung von sozialer Unterstützung außerhalb der Behandlung (Familie, Kollegen etc.)
  • Je intensiver um so effektiver ist die Behandlung. Therapiemethoden mit einem direkten Personenkontakt (individuelle Beratung, Gruppen- oder Telefonberatung) zeigen eine hohe Effizienz. Die Wirksamkeit steigt mit der Beratungsdauer.
  • Patienten, die das Rauchen aufgeben wollen, sollte – außer bei Kontraindikation – medikamentöse Unterstützung unter ärztlicher Aufsicht angeboten werden. Es stehen Medikamente zur Verfügung, die die Erfolgschancen eines Entzugs verdoppeln:
    • bevorzugte Medikamente: Bupropion SR, Nikotinsubstitution (Kaugummi, Nasenspray, Pflaster)
    • Alternativen, wenn kein Erfolg mit den erstgenannten Medikamenten erzielt wurden: Clonidin, Nortripytylin

Institutionalisierung der Behandlung von Tabakabhängigkeit

Eine Abhängigkeit von Tabakwaren wird kaum behandelt, obwohl im Vergleich zu anderen überlicherweise erstatteten Interventionen, wie die Behandlung von Fettstoffwechselstörungen, wirksame und kosteneffektive Interventionen zur Verfügung stehen. Die Anwendung effektiver Therapiemethoden zur Raucherentwöhnung kann durch eine unterstützende Gesundheitspolitik gesteigert werden. Eine in das Gesundheitswesen integrierte Behandlung der Tabakabhängigkeit wird sowohl für das Individuum als auch für die Gesellschaft von Nutzen sein. Eine Institutionalisierung umfasst:

  • eine konsistente Datenerhebung, Dokumentation und Behandlung des Tabakkonsums im Gesundheitssystem. Die erfolgreiche Behandlung der Tabakabhängigkeit ist abhängig von einer sinnvollen Koordinierung innerhalb des Gesundheitswesens.
  • Alle Krankenversicherungen sollten die hier empfohlenen Therapiemethoden unterstützen.
  • Der behandelnde Arzt sollte für die Behandlung von Tabakabhängigkeit ein Vergütung erhalten, so wie es bereits bei der Therapie anderer chronischer Erkrankungen praktiziert wird.

(Quelle: U.S. Department of Health and Human Services. Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterPublic Health Service, Treating tobacco use and dependence. A clinical practice guideline, June 2000)

Links

Autonomy Publishing Corp. About the human internet Virtual hospital The Foundation for Better Health Care (FBHC) U.S. Centers for Disease Control and Prevention American Cancer Society World Health Organization – Tobacco Free Initiative

U.S. Public Health Service Wissenschaftlicher Text „Treating Tobacco Use and Dependence—Clinical Practice Guideline“ (in englischer Sprache) Volltext (pdf-Datei)     Zusammenfassung      Verbrauchermaterialien (in englischer Sprache)