Wissenschaftliche Empfehlungen bei Diabetes

Nicht-medikamentöse Maßnahmen werden allen Menschen mit Diabetes empfohlen.

  • Eine effektive nicht-medikamentöse Therapie kann die Stoffwechsellage verbessern und Komplikationen vermeiden.
  • Personen mit Typ-2-Diabetes können durch eine günstige Ernährung und einen gesunden Lebensstils eine Medikamenteneinnahme verhindern oder die erforderliche Dosis senken.
  • Ob ergänzend eine Medikamenteneinnahme erforderlich ist, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden.

Erhalt des Normalgewichts bzw. Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Personen mit Diabetes

  • Diabetiker mit Übergewicht sollten unbedingt eine Gewichtsreduktion anstreben. Schon ein Gewichtsverlust von 5 kg kann die Stoffwechseleinstellung des Diabetikers wesentlich verbessern. Die Gewichtsreduktion sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Siehe auch Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster„Übergewicht“.
  • Durch Gewichtsabnahme kann die Dosierung benötigter Medikamente oft deutlich reduziert werden. Nicht insulinpflichtige Diabetiker können sogar allein durch Gewichtsreduktion eine optimale Blutzuckereinstellung erreichen.
  • Diabetiker mit Normalgewicht (BMI zwischen 18,5 und 25 kg/m2) sollten Ihr Gewicht halten.

Senkung der Aufnahme gesättigter Fettsäuren und Transfettsäuren (weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr)

  • Menschen mit Diabetes haben ein wesentlich höheres Risiko für koronare Herzkrankheit als Nicht-Diabetiker. Erhöhte LDL-Cholesterinwerte steigern das KHK-Risiko zusätzlich. Daher ist es besonders wichtig erhöhten LDL-Cholesterinwerten vorzubeugen bzw. erhöhte Werte zu behandeln.
  • Eine zu hohe Zufuhr von gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren hat von allen Nahrungsfaktoren den ausgeprägtesten, erhöhenden Effekt auf den LDL-Cholesterinspiegel. Daher senkt eine verminderte Zufuhr an gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren den Cholesterinspiegel deutlich.
  • Bei bereits erhöhten LDL-Cholesterinwerten wird empfohlen, die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren auf weniger als 8 % der Gesamtenergie zu reduzieren.

Bevorzugter Verzehr von einfach ungesättigten Fettsäuren (10 – 20 % der Gesamtenergiezufuhr)

  • Ein bevorzugter Verzehr von einfach ungesättigten Fettsäuren im Austausch gegen gesättigte Fette bewirkt eine Reduktion von Gesamt- und LDL-Cholesterinwerten, ohne den HDL-Cholesterinspiegel zu senken.

Moderate Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren (< 10 % der Gesamtenergiezufuhr)

  • Ein Austausch von gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren gegen mehrfach ungesättigte Fettsäuren führt zu einer Senkung von Gesamt- und LDL-Cholesterinwerten.
  • Eine zu hohe Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren kann jedoch zu einer verstärkten LDL-Oxidation führen und damit das schnelle Fortschreiten einer Arteriosklerose begünstigen.
  • Der Körper benötigt jedoch eine angemessene Aufnahme an essentiellen (lebensnotwendigen) mehrfach ungesättigten Fettsäuren.
  • Eine höherer Verzehr von omega-3-Fettsäuren kann das Risiko an koronarer Herzkrankheit zu erkranken oder zu sterben senken, die Serumtriglyzeride und die Aggregationsneigung der Thrombozyten verringern und vor Herzrhythmusstörungen schützen.

Reduktion der Gesamtfettaufnahme (auf 25 – 35 % der Gesamtenergiezufuhr, vorausgesetzt die Fettsäurenzusammensetzung stimmt mit den oben genannten Empfehlungen überein)

  • Eine Fettzufuhr im unteren Grenzbereich kann bei der Therapie von Übergewicht und Adipositas helfen, die Energieaufnahme zu reduzieren.
  • Personen, die verstärkt körperlich aktiv sind, können bis zu 35% Fett verzehren.

Begrenzte Cholesterinaufnahme aus der Nahrung (< 300 mg/Tag)

  • Eine hohe Aufnahme an Nahrungscholesterin trägt zur Erhöhung des Gesamt- und LDL-Cholesterins bei. Dieser Effekt ist jedoch deutlich geringer als die Auswirkung einer hohen Zufuhr an gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren.

Bevorzugter Verzehr von kohlenhydratreichen Lebensmitteln mit hohem Ballaststoffgehalt bzw. niedrigem glykämischem Index (45 – 60 % der Gesamtenergiezufuhr)

  • Empfohlen werden vor allem ballaststoffreiche Kohlenhydratträger bzw. Lebensmittel mit niedrigem glykämischem Index. Ein bevorzugter Verzehr dieser Lebensmittel kann zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle und der Blutfettwerte beitragen.
  • Moderate Mengen an Zucker können Bestandteil der Kost von Typ1 und Typ2 Diabetikern sein. Allerdings sollte die Menge wie bei Nicht-Diabetikern 10 % der Gesamtenergiezufuhr nicht überschreiten.
  • Einige Typ-2-Diabetiker mit unzureichender Blutzuckerkontrolle können u.U. eine größere Kohlenhydratbelastung nicht gut kompensieren. Für solche Patienten kann der Versuch einer Begrenzung der Kohlenhydrataufnahme auf etwa 45 % der Gesamtenergie sinnvoll sein.

Begrenzte Proteinaufnahme (10 – 20 % der Gesamtenergiezufuhr)

  • Protein kann 10 – 20 % der Gesamtenergie liefern.
  • Diabetiker, deren Proteinaufnahme 20% überschreitet, können ein erhöhtes Risiko für eine Nephropathie (Nierenerkrankung) haben.
  • Personen, die bereits eine Nephropathie haben, sollten eine Proteinaufnahme von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag nicht überschreiten.

Moderater Alkoholkonsum

  • Moderater Alkoholkonsum geht mit einem niedrigeren Risiko für koronare Herzkrankheit einher.
  • Männer sollten nicht mehr als 1 – 2 Gläser Wein oder Bier (20g Alkohol) pro Tag trinken, Frauen nicht mehr als 1 Glas Wein oder Bier pro Tag.
  • Um eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) nach Alkoholkonsum zu vermeiden, sollten Diabetiker, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe einnehmen, gleichzeitig kohlenhydratreiche Lebensmittel verzehren.
  • Personen mit peripherer Neuropathie sollten ihren Alkoholkonsum eingeschränken. Schwangere sollten ganz auf Alkohol verzichten.
  • Ungünstige Einflüsse des Alkoholkonsums auf den Blutdruck, die Triglyzeridwerte, das Risiko für eine Unterzuckerung und die Bildung von Körperfett sind beim Diabetes besonders wichtig.
  • Regelmäßiger übermäßiger Alkoholkonsum kann schwere Gesundheitsschäden verursachen.

Diabetikerprodukte

  • Es gibt keinen Grund, speziell für Diabetiker hergestellte Produkte zu empfehlen. Viele der sogenannten Diabetikerprodukte sind fett- und kalorienreich und häufig teurer als herkömmliche Produkte.
  • Energiefreie Süßstoffe wie Saccharin, Cyclamat oder Aspartam können in Getränken sinnvoll sein.

Literatur

  • The Diabetes and Nutrition Study Group (DNSG) of the European Association for the Study of Diabetes (EASD): Recommendations for the nutritional management of patients with diabetes mellitus. Eur J Clin Nutr 2000;54:353-355
  • American Diabetes Association: Evidence-Based Nutrition Principles and Recommendations for the Treatment and Prevention of Diabetes and Related Complications. Diabetes Care 2002;25:202-212)