Jugendliche gleichen Belastungen durch Fehlernährung kurzfristig viel schneller und auch leichter aus als Ältere.
Doch auf längerer Sicht gesehen, bleibt es alles andere als egal, was ein Mensch in diesem sensiblen Entwicklungsabschnitt isst.
Gesunde Ernährung in der Jugend  könnte laut aktueller Forschung die Entwicklung von Krebs in späteren Jahren verzögern.
Ein Argument hierfür liefert eine Untersuchung aus Boston.
US-Amerikanerinnen, die in ihrer Jugend mindestens drei Portionen Obst täglich aßen, konnten ihr Brustkrebsrisiko vor und nach der Menopause um bis zu einem Viertel senken – ganz unabhängig davon, ob sie diese Ernährungsgewohnheit auch später beibehielten.
Besonders hilfreich erwies sich der Verzehr von Äpfeln, Orangen, Bananen, Trauben  und Grünkohl. Fruchtsäfte blieben hingegen wirkungslos.

Obst, Gemüse und Ballaststoffe können vor Krebs schützen.
Die repräsentative EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) etwa belegte 2014, dass der häufige Verzehr von pflanzlicher Kost mit dazu beiträgt, das Risiko, an Leber-, Darm-, Magen- und Lungenkrebs zu erkranken, zu verringern (1).
Inwieweit auch die Gefahr für Brustkrebs mit Hilfe von Obst gebannt werden kann, bleibt strittig und ein Thema laufender Forschung.
Ein neuer Ansatz in der Auswertung der NHS (Nurses Health Study) II – Daten bekräftigt jetzt die Verbindung zwischen dem Obstkonsum und dem Brustkrebsrisiko (2).
Bostoner Wissenschaftler fragten im Unterschied zu Vorläufern, die die Risikoverteilung  eher im mittleren Erwachsenenalter beschrieben, nach der Langzeitwirkung für die pflanzlicher Kost.
Ernährungstagebücher, die u.a. auch 1.347 erwachsene Brustkrebspatientinnen schon zwischen dem 13. und dem 18. Lebensjahr führten und anschließend fortsetzten, ermöglichten eine detailreiche Bewertung von ernährungsbedingten Effekten über 20 Jahre hinweg und mehr.
Rückblickend erwiesen sich die Pubertät und das junge Erwachsenenalter als eine besonders sensible und geeignete Lebensphase, um Weichen gegen Brustkrebs in späteren Jahren zu stellen.
US-Amerikanerinnen, die in ihrer Spätpubertät mindestens drei Portionen Obst täglich aßen, konnten ihr Brustkrebsrisiko vor und nach der Menopause um bis zu einem Viertel senken – im Unterschied zu Gleichaltrigen, die durchschnittlich nur eine halbe Portion verzehrten. Gemüse hingegen blieb ohne Effekt.
Anders im frühen Erwachsenenalter. Ein Verbrauch von durchschnittlich einer halben Tagesration α-Carotin reichem Gemüse oder Obst minderte in dieser Phase das Brustkrebsrisiko vor der Menopause um bis zu 18 Prozent. Carotinoide, wie auch Lutein und das aus Möhren bekannte β-Carotin sind sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidativ wirken und teilweise durch den menschlichen Stoffwechsel zu Vitamin A umgewandelt werden können.
Verschiedene Früchte erbrachten je nach Lebensabschnitt und damit altersabhängig einen Vorteil. In der Spätpubertät half besonders der rege Verzehr von Äpfeln, Bananen und Trauben, in der frühen Erwachsenenphase eher der häufige Konsum von Orangen.
Unter den Gemüsesorten eignete sich insbesondere der alpha-carotin haltige Grünkohl für die Risikominderung, wenn er denn häufig im frühen Erwachsenenalter verzehrt wurde.
Zu Säften verarbeitetes Obst und Gemüse blieb hingegen in jeder Phase wirkungslos.

Der tumorhemmende Effekt von Obst und Gemüse war abhängig vom Hormonstatus der jeweiligen Brustkrebsart. Insbesondere das Risiko für Östrogen-  und Progesteron Rezeptor negative Tumoren konnte durch pflanzliche Kost vermindert werden.

Die Bostoner Wissenschaftler sehen es aufgrund der Ergebnisse als erwiesen an, dass das Brustkrebsrisiko durch den häufigen Verzehr von Obst und Gemüse in jungen Jahren reduziert werden kann.
Für das Jugendalter als einen Obst- und Gemüse sensiblen Lebensabschnitt spricht, dass die brustkrebsmindernden Effekte unabhängig davon auftraten, ob die gesunden Ernährungsgewohnheiten in späteren Lebensphasen beibehalten wurden oder nicht.

Zum Weiterlesen

  1. KE Bradbury et al. Fruit, vegetable, and fiber intake in relation to cancer risk: findings from the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC). Am J Clin Nutr2014;100(Suppl 1):394S-8S. doi:10.3945/ajcn.113.071357 pmid:24920034. http://ajcn.nutrition.org/content/100/Supplement_1/394S.full
  2. MS Farvid et al. Fruit and vegetable consumption in adolescence and early adulthood and risk of breast cancer: population based cohort study. BMJ 2016; 353 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.i2343 (Published 11 May 2016).http://www.bmj.com/content/353/bmj.i2343