Statine könnten  die krebsbedingte Mortalität senken – dies berichtet das New England Journal of Medicine in seiner jüngsten Ausgabe.

Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine Kopenhagener Forschergruppe um Sune F. Nielsen in einer umfangreichen Studie. 295.925 über 40-jährige Krebspatienten waren zwischen 1995 und 2007 in die Untersuchungen eingeschlossen worden. Alle diese Patienten sind im Dänischen Krebsregister mit klinischen Daten erfasst. Die Studie berücksichtigt neben Alter und Geschlecht, Formen der Chemo- und Strahlentherapie, Tumorarten und Metastasenbildung auch Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Krankheiten.

18.721 Studienteilnehmer waren aufgrund von kardiovaskulären Indikationen regulär mit Statinen behandelt worden, 277.204 erhielten keine Statine.

Die Analyse des Krankheitsverlaufes in beiden Probandengruppen ergab, dass die  Absenkung des Cholesterinspiegels durch die Gabe von Statinen einerseits und die verzögerte Metastasenbildung sowie die Senkung der krebsbedingten Sterblichkeitsrate andererseits signifikant korrelierten. Dieses Ergebnis wiederholt sich in Substudien bei allen 13 klassifizierten Krebsarten.

Die Forscher vermuten, dass Statine, die der pharmakologischen Substanzklasse der sogenannten HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren angehören, im Zellzyklus zu wirken beginnen, bevor überhaupt eine Krebsdiagnose klinisch gestellt wird.

Vorangegangene Studien konnten bislang keine Wechselwirkung zwischen Statinen und dem Tumorstoffwechsel belegen. Die überraschenden Ergebnisse aus Kopenhagen ziehen daher die Aufmerksamkeit der kritischen Fachwelt besonders auf sich. Die Forscher um Sune F. Nielsen machen auf mögliche Defizite in der Interpretation ihrer Studienergebnisse aufmerksam und regen weitere Folgestudien an.

Experten würdigen die Größe und die Homogenität der Studienpopulation. Das Dänische Nationale Krebsregister erfasse 98 % aller Krebserkrankungen flächendeckend. Die aus diesem Kreis erhobenen Daten gelten als repräsentativ. Doch in dieser Stärke liegt zugleich auch eine Schwäche. Die Ergebnisse der Studien geben lediglich Auskunft über die Wirkung von Statinen in einer dänischen, überwiegend weißen Population. Für andere ethnische Gruppen stehen Prognosen noch aus. Bemängelt wird außerdem, dass krebsauslösende Risikofaktoren, wie etwa das Rauchen, nicht berücksichtigt wurden. Auch sei noch keine Dosiswirkungsbeziehung nachgewiesen worden.

Die Ergebnisse der dänischen geben Veranlassung, Bekanntes neu und interdisziplinär zu überdenken. Bei Bestätigung der Ergebnisse in anderen Populationen hätten Statine nicht nur ihre bekannte Bedeutung zur Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen (Primär- und Sekundärprävention), sondern auch in der Senkung der krebsbedingten Sterblichkeitsrate.

Quellen

  1. Nielsen SF, Nordestgaard BG, Bojesen SE: Statin use and reduced cancer-related mortality. In: NEJM 2012; 367, 1792-1802
  2. Caporaso NE: Statins and Cancer-Related Mortality – Let’s Work Together.  In: NEJM 2012; 367, 1848-1850