Werden Patienten bei chronischer Niereninsuffizienz mit Fibraten behandelt, dann kann sich in dieser Gruppe das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall um bis zu 40 % verringern.

Dieser präventive Effekt liest sich beeindruckend, ist aber nicht unumstritten:

Lange schon ist bekannt, dass chronische Nierenerkrankungen mit einem erhöhten Risiko an arteriosklerotisch bedingten, kardiovaskulären Folgeerkrankungen einhergehen.

Fibrate werden auch eingesetzt, um bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen das LDL-Cholesterin sowie die Triglyzeride zu reduzieren und das HDL-Cholesterin zu erhöhen (alternativ zu Statinen). Es gibt jedoch nur wenige klinisch gesicherte Daten über die Effekte der Behandlung in dieser Patientengruppe.

Eine Gruppe australischer Kardiologen um Min Jun suchte in einer Literaturanalyse über MEDLINE, EMBASE und die Cochrane Library zwischen 1950 und 2012 publizierte Forschungsergebnisse zur Fibrat-Therapie bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen. Sie fanden zehn prospektive, randomisierte und kontrollierte Studien mit insgesamt 16.869 Teilnehmern, deren Auswertung eine kardiovaskuläre Risikoreduktion von bis zu 40 % zeigte.

Das Ergebnis der Metaanalyse schließt Hinweise zu den Grenzen und Nebenwirkungen der Fibrate ein: Die positiven kardiovaskulären Effekte lassen sich bislang nur in einer Patientengruppe mit leichter und mittlerer Niereninsuffizienz erzielen.

In einer Patientengruppe mit schwerer Niereninsuffizienz konnte hingegen keine präventive Wirkung nachgewiesen werden. Unklar bleibt auch, ob mit einer Fibrat-Behandlung das Fortschreiten der Nierenversagen am Ende verhindert werden kann.

Quelle

  1. Min Jun, BSc(Hons), MSc(ClinEpi), Bin Zhu, MD, PhD, Marcello Tonelli, MD, PhD, Meg J. Jardine, MBBS, PhD, Anushka Patel, MBBS, PhD, Bruce Neal, MB, ChB, PhD, Thaminda Liyanage, MBBS, Anthony Keech, MBBS, MSc (Epid), Alan Cass, MBBS, PhD, Vlado Perkovic, MBBS, PhD: Effects of Fibrates in Kidney Disease. A Systematic Review and Meta-Analysis. In:  J Am Coll Cardiol. 2012;60(20):2061-2071.