Mathematisches Oxford-Modell zur Primärprävention vaskulärer Mortalität

Wissenschaftler der Universität Oxford empfehlen, gesunden über 50-Jährigen täglich einen Apfel zu essen oder ein Statin zu nehmen, um das Risiko, an vaskulären Krankheiten zu sterben, signifikant zu mindern. Diese Prognose leitet sich ab aus einer mathematischen Hochrechnung aktuellster Studienergebnisse zu primärpräventiven Effekten von Statinen und Äpfeln auf die britische Gesamtbevölkerung:

Würden die 17,6 Millionen Erwachsenen, die derzeit in Großbritannien über 50 Jahre alt und gesund sind, täglich ein Statin nehmen, so könnten die jährlichen vaskulären Todesfälle um 9.400 reduziert werden (1). Diese geschätzte jährliche Reduktion der Todesfälle durch Einnahme von Statinen nimmt eine Minderung der vaskulären Mortalität um 12% pro 1,0 mmol/L (39 mg/dL) an (2). Berücksichtigt sind Todesfälle aufgrund von Schlaganfällen, Herzinfarkten und Herzversagen sowie von Bauchaortenaneurysmata.  Als Begleiterscheinung der Gabe von Statinen träten dann ca. 1.000 Fälle von Muskelschwäche (Myopathie) und mehr als 10.000 Fälle von Diabetes mellitus mehr auf.

Greifen die gesunden älteren Erwachsenen täglich zu einem Apfel, könnten so rund 8.500 vaskulär bedingte  Todesfälle vermieden werden. Bei dieser Berechnung sollte der Apfel ca. 100 g wiegen und sein Energiewert an anderer Stellen in der Ernährung eingespart werden, um die Gesamtkalorienzufuhr konstant zu halten (3). Einziger Nebeneffekt – das tägliche Apfelessen ist um ein Fünftel teurer und in der Beschaffung in der Regel aufwendiger als der tägliche Griff zum Statin.

Sowohl der ernährungsphysiologische als auch der pharmazeutische Ansatz bieten gleichermaßen ein Potential, primärpräventiv die vaskuläre Mortalität bei gesunden älteren Erwachsenen zu mindern. Egal, zugunsten welcher Variante die Wahl fällt, entscheidend sei, dass die Aktivitäten für die Primärprävention generell verstärkt werden, zumal die Modellrechnungen zeigen, so die Wissenschaftler, dass schon geringe Veränderungen in der täglichen Ernährung einen gesundheitsförderlichen Effekt bewirken können.
Die hier dargestellten Berechnungen von Studienergebnissen zu primärpräventiven Effekten von Statinen und Äpfeln münden eingängig in der Abwandlung einer alten viktorianischen Volksweisheit („an apple a day keeps the doctor away“) hin zu „Ein Apfel oder ein Statin am Tag hält den Arzt fern“.

 

Literatur:

(1)  Briggs, A., Mizdrak A. and P. Scarborough,
A statin a day keeps the doctor away: comparative proverb assessment modelling study. In: BMJ 2013; 347 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f7267 (Published 17 December 2013)

(2)  Zitiert wird u.a.:
Taylor F et al., Statins for the primary prevention of cardiovascular disease. Cochrane Database Syst Rev2013;1:CD004816.
doi: 10.1002/14651858.CD004816.pub5.
Ergänzend dazu die aktuellste Bewertung:
Taylor, F., Huffman M. and S. Ebrahim,
Statin Therapy for Primary Prevention of Cardiovascular Disease
.
In: JAMA. 2013; 310(22):2451-2452. doi: 10.1001/jama.2013.281348 sowie
Robinson F.: Accumulating Evidence for Statins in Primary Prevention.
In: JAMA. 2013; 310(22):2405-2406. doi: 10.1001/jama.2013.281355

(3)  Dauchet L, Amouyel P, Hercberg S, Dallongeville J.,Fruit and vegetable consumption and risk of coronary heart disease: a meta-analysis of cohort studies. In: J Nutr2006; 136:2588-93 und Folgepublikationen, wie etwa:
Bhupathiraju et al., Quantity and variety in fruit and vegetable intake and risk of coronary heart diseases. In: Am J Clin Nutr December 2013 vol. 98 no. 6 1514-1523. doi: 10.3945/​ajcn.113.066381