Es wird seit geraumer Zeit vermutet, dass Diabetiker ein höheres Demenzrisiko als stoffwechselgesunde Personen aufweisen. Unklar blieb, ob auch leicht erhöhte Blutzuckerwerte (100-115 mg/dl) das Demenzrisiko begünstigen.

Diese Frage wurde eindeutig mit „Ja“ in der „Adult  Changes in Thought Study“ beantwortet, einer prospektiven Kohortenstudie mit 839 männlichen und 1.228 weiblichen Teilnehmern, die bei Beginne der Studie 76 Jahre alt waren und 6,8 Jahre nachbeobachtet wurden. In diesem Beobachtungszeitraum entwickelten 524 Personen eine Demenz. Unter den Studienteilnehmern, die über einen 5 Jahreszeitraum durchschnittliche Blutzuckerwerte von 115 mg/dl hatten, war das Demenzrisiko im Vergleich zu Personen mit durchschnittlich 100 mg/dl signifikant erhöht (adjustierte Hazard Ratio für Demenz 1,18; 95% Konfidenzintervall 1,04-1,33). Teilnehmern, die bereits zu Studienbeginn Diabetiker waren, hatten mit durchschnittlichen Glukosewerten von 190 mg/dl ein deutlich höheres Demenzrisiko im Vergleich zu Diabetikern mit durchschnittlichen Glukosewerten von 160 mg/dl (Hazard Ratio für Demenz 1,4; 95% Konfidenzintervall 1,12-1,76).

Nicht unterschieden wurde in dieser Studie zwischen verschiedenen Demenzformen, z.B. Alzheimer, vaskuläre Demenz, etc. Ebenso sind die präzisen Ursachen für die Gefährdung der alternden Gehirne durch hohe Blutzuckerwerte (z.B. mikrovaskuläre Komplikationen, Insulinresistenz, etc.) bisher unbekannt. Die Studienergebnisse unterstützen allerdings die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen zur Vermeidung erhöhter Blutzuckerwerte bei Diabetikern und Nicht-Diabetikern, z.B. Vermeidung von Übergewicht, gesunde Ernährung, ausreichend körperliche Aktivität, um dem Demenzrisiko vorzubeugen.

Quelle:

Glukose Levels and Risk of Dementia. Crane PK et al. In: N Engl J Med. 2013;369:540-8.