Über ein Drittel aller weltweiten Demenzerkrankungen wären durch eine Änderung von nur neun Lebensstilfaktoren vermeidbar. Einige Ansatzpunkte, etwa wie Bluthochdruck und Rauchen, durchziehen nahezu alle Lebensphasen, andere hingegen rücken in bestimmten Lebensphasen in den Vordergrund.

Mehr Bildung etwa ist die Aufgabe in der Demenzprävention für die Kindheit und die frühe Jugend. In der Lebensmitte geht es vor allem darum Bluthochdruck, Fettleibigkeit und Gehörverluste zu vermeiden und in späteren Lebensphase beugen Maßnahmen gegen Depressionen, Typ-2-Diabetes, Bewegungsmangel, Rauchen und sozialer Isolation zugleich den irreversiblem Verlust von geistigen und sozialen Fähigkeiten vor.

Die Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) als das weltweit größte Treffen von Forschern aus aller Welt, deren Spezialgebiet Alzheimer und andere Demenzerkrankungen sind, hat jetzt ein Programm zur lebenslangen Prävention von Demenzen wissenschaftlich begründet und der Weltöffentlichkeit vorgestellt (1).

24 international anerkannte Experten des „The Lancet Commission on Dementia Prevention, Intervention and Care“ bewerteten jüngst die wissenschaftlichen Fortschritte in der Prävention und in der Behandlung von Demenzerkrankung. Den aktuellen Kenntnisstand enthält ein Bericht, der jetzt auf der Internationalen Konferenz der Alzheimer Gesellschaft (AAIC 2017) vorgestellt worden ist (1). Als aussichtsreich charakterisieren die Experten verhalten optimistisch die gegenwärtigen Aussichten, Demenzen vorbeugen oder auch hinauszögern zu können, wenn Demenzprävention als lebensumfängliche Aufgabe akzeptiert wird. Der Fokus aller empfohlenen Anstrengungen richtet sich auf die Vermeidung von neun Risikofaktoren, die je nach Lebensabschnitt eine mehr oder weniger enge Verbindung zur Entwicklung von Demenzen aufweisen:

  • Kindheit und frühe Jugend (< 18 Jahre): Bildung bis mindestens zum 15. Lebensjahr
  • Lebensmitte (45 – 65 Jahre): Vermeidung von Bluthochdruck, Fettleibigkeit und Gehörschädigungen
  • Spätere Lebensphasen (> 65 Jahre): Vermeidung von Depressionen, Typ-2-Diabetes, Bewegungsmangel, Rauchen und sozialer Isolation.

Eine Tabelle erläutert den Zusammenhang im Detail:

Dementia prevention 1

Geschätzt 35 % aller Demenzerkrankungen in der Welt führen die Experten auf diese neun sich wechselseitig verstärkenden und sich potentiell beeinflussenden Risikofaktoren zurück.

Während der Einfluss von mangelnder Bildung, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Rauchen auf die Entwicklung von Demenzen in Fachkreisen bereits länger anerkannt sind, werden andere gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Gehörverluste und soziale Isolation erstmals in die Risikoberechnung mit einbezogen. Ernährungsbezogene Aspekte, Sehschwäche, Luftverschmutzung und Schlafgewohnheiten sind mangels flächendeckender Daten noch nicht in den Hochrechnungen der Kommission berücksichtigt worden.

Die Empfehlungen für eine lebenslange Demenz-Prävention richten sich sowohl an Privatpersonen als auch an Ärzte und gesundheitspolitische Entscheidungsträger. Selbst wenn es mit diesem Präventionsprogramm lediglich gelingt, den Beginn von Demenzen um einige Jahre hinauszuzögern, ist der zu erwartende Erfolg immens, so die Experten. Würde etwa der Einfluss von sieben maßgeblichen Risikolebensstilfaktoren nur um 10 % verringert werden, dann träten Demenzen weltweit um rund 1 Million mal weniger häufig auf. Maßnahmen, die die Demenz um ein Jahr verzögern helfen, könnten hochgerechnet bis zum Jahr 2050 die Zahl der von Demenzen betroffenen Personen um neun Millionen verringern (1).

Die künftige Demenzforschung solle, so die Kommission, stärker als bisher demenzerkrankte Bevölkerungsgruppen berücksichtigen, denen bislang nur geringe Aufmerksamkeit zuteilgeworden ist, etwa sozioökonomisch benachteiligte und ländliche Bevölkerungsschichten, geschlechtliche Minderheiten, Afro- und Hispano-Amerikaner sowie Insulaner. Gerade durch die verschiedenartigen Kohorten sollen neue Einsichten gewonnen werden, die die Verbindung von umweltbezogenen, soziokulturellen, verhaltensbezogenen und biologischen Faktoren für die Entwicklung von Demenzen erhellen (2). Der Bericht enthält des Weiteren Empfehlungen zur Behandlung und Betreuung von Demenz-Patienten (3).

Zum Weiterlesen

  1. G. Livingstone et al. Dementia prevention, intervention, and care. The Lancet. Published: 19 July 2017 DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(17)31363-6. Abrufbar über http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)31363-6/fulltext
  2. Ebenda, das präventive Potential in einer Grafik zusammengefasst:
    Dementia prevention 2
  3. Alzheimer’s Association AAIC 17. Alzheimer’s Association Launches $20 Million Lifestyle Intervention Trial in the U.S. to Prevent Cognitive Decline. Abrufbar über https://www.alz.org/aaic/releases_2017/AAIC17-Wed-briefing-Developing-Topics.asp
  4. Alzheimer’s Association AAIC 17. New Reports from the Alzheimer’s Association International Conference® 2017 Focus on Lifestyle, Risk Reduction, Improved Diagnosis and Early Detection. Abrufbar über https://www.alz.org/aaic/releases_2017/Thurs_FINAL%20AAIC2017_overview.pdf