Die „INTERSTROKE Study“ identifiziert 10 Risikofaktoren, die für etwa 90% aller Schlaganfälle in 22 Ländern bedeutsam sind (Lancet, 18. Juni 2010). Es handelt sich um eine Fall-Kontroll-Studie bei 3000 Schlaganfallpatienten und 3000 Kontrollpersonen.

Die Risikofaktoren für einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt sind prinzipiell sehr ähnlich (s. Tabelle), allerdings mit etwas unterschiedlicher Gewichtung. Entsprechend den Studienergebnissen war die arterielle Hypertonie, definiert als Blutdruckwert über 160/90 mmHg (bzw. eine bereits bekannte Hypertonie), der mit Abstand wichtigste Risikofaktor für einen ischämischen und einen hämorrhagischen Schlaganfall weltweit.

Als besonders wichtige, aber durch Lebensstiländerung beeinflussbare Risikofaktoren für den Schlaganfall werden Rauchen, abdominale Adipositas (Taille-Hüft-Verhältnis), körperliche Inaktivität und ungesunde (salzreiche) Ernährung durch die Studie bestätigt.

Tabelle: Risikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt im Vergleich

Tabelle: Risikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt im Vergleich

Kommentar

Die wissenschaftliche Wertigkeit von Fall-Kontroll-Studien ist deutlich geringer als die prospektiver Studien, welche auf der Basis von Langzeitbeobachtungen Risikofaktoren identifizieren und quantifizieren. In der „Prospektiven Münster Studie“ wurden für den Schlaganfall Geschlecht, Lebensalter, Zigarettenrauchen, bekannter Diabetes mellitus oder Nüchternblutzucker ab 120 mg/dl und Bluthochdruck als wichtigste Schlaganfall-Risikofaktoren ermittelt und ein einfacher, bevölkerungsweit einsetzbarer PROCAM-Schlaganfalltest entwickelt.

Ein hoher PROCAM-Score, z.B. über 70 Punkten, sollte basierend auf den jetzt vorliegenden Daten der INTERSTROKE-Studie dringend Veranlassung geben, alle beeinflussbaren Risikofaktoren für den Schlaganfall, insbesondere Rauchen, abdominelle Adipositas, ungesunde Ernährung und körperliche Inaktivität durch Lebensstiländerung zu beeinflussen, um das Gesamtrisiko zu senken.