Rund 7% des nationalen Gesundheitsbudgets in der EU werden jährlich für die Behandlung von Krankheiten aufgewendet, die mit den Folgen von Adipositas im Zusammenhang stehen (1). Und 2,8 Millionen Todesfälle im Jahr werden auf übergewichtsassoziierte Krankheiten zurückgeführt.

Die Prävalenz von Adipositas hat sich seit den 80er Jahren in vielen europäischen Ländern verdreifacht. Eines von drei Kindern in der Europäischen Union im Alter von sechs bis neun Jahren ist derzeit übergewichtig oder adipös. Noch 2008 war es lediglich jedes Vierte.

Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, haben sich im April 2014 alle 28 EU-Mitgliedsländer in einem Aktionsplan zur Adipositas von 2014 bis 2020 verpflichtet. Übergeordnetes Ziel des gemeinsamen Engagements ist es, den Anstieg von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 18 Jahren bis zum Jahr 2020 einzudämmen.

Der Aktionsplan zählt eine Reihe von freiwilligen Maßnahmen in sieben definierten Aktionsfeldern auf, um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen. Primärprävention steht dabei im Mittelpunkt aller Ansätze und Vorhaben.

Aktionsfeld 1: Unterstützung eines gesunden Starts ins Leben
Ein gesunder Lebensstil soll von Lebensbeginn an gepflegt, eingeübt und unterstützt werden. Beispiele dafür sind: Übung in körperlicher Aktivität und Begrenzung der Sitzzeiten, Stillen als beste Ernährungsoption, Angebot von aktualisierten Informationen zu gesunder Säuglings- und Kleinkindernährung,  Betonung der Primärprävention in der Aus- und Weiterbildung von Beteiligten in der Betreuung und Gesundheitsvorsorge von Kleinstkindern u.v.m.

Aktionsfeld 2: Förderung einer gesünderen Umwelt für Kinder, vor allem in Schulen und Kindergärten
Gesunde Ernährung und ausreichende körperliche Aktivität sollen in die Gestaltung des kindlichen Alltages integriert werden.
Beispiele dafür sind: leichter Zugang zu gesunden Lebensmitteln (sauberes Trinkwasser als Alternative zu Softdrinks, gesunde Snacks, Obst und Gemüse auch für Kinder aus sozial benachteiligten Gruppen), Kochgruppenaktivitäten, ausreichend qualitativ hochwertiger Sportunterricht,  eine freundliche Umgebung für körperliche Aktivitäten u.v.m.

Aktionsfeld 3: Wahl der gesünderen Alternative im Lebensstil vereinfachen
Der Zugang zu gesunden Alternativen im Alltag soll erleichtert werden.
Beispiele dafür sind: Informationen an Verbraucher über gesunde Ernährungsangebote in Supermärkten, Märkten, Restaurants, einfache Lebensmittelkennzeichnungen über den Energiegehalt auch bei nicht vorverpackten Lebensmitteln, Neugestaltung von Lebensmitteldisplays, altersgerechte Portionsgrößen, erschwingliche Preisgestaltung durch Subventionen; mehr Parks, Spielplätze, Grünflächen, Radwege, Bürgersteige, Fußgängerzonen etc. als möglicher Bewegungsraum für Kinder u.v.m.

Aktionsfeld 4: Beschränktes Marketing und Werbung für Kinder
Durch Selbstverpflichtung der Anbieter nicht nur im TV, sondern auch in Shops, im Internet und in Social Media-Foren sollen die an bis zu 12 Jahre alten Kindern gerichteten, gesundheitsgefährdeten Marketingaktionen begrenzt werden. U.v.m.

Aktionsfeld 5: Familienbefähigung durch Information
Die Ausprägung förderlicher Ernährungs- und Bewegungsmuster soll vor allem im familiären Umfeld gefördert werden. Eine entsprechende Fortbildung der Eltern ist dafür unabdingbar. Eine besondere Fürsorge soll den sozial benachteiligten Familien zu teil werden. U.v.m.

Aktionsfeld 6: Ermutigung zur körperlichen Aktivität
Ein aktiver Lebensstil sollte so früh wie möglich erleichtert werden. Dieser Aspekt ist auch bei der Städteplanung besonders zu berücksichtigen. U.v.m.

Aktionsfeld 7: Überwachung des Gesundheitszustandes von Kindern
Die Gesundheitsparameter von Kindern und Jugendlichen sollen regelmäßig erfasst werden. Dazu gehört z.B. eine regelmäßige BMI-Kontrolle durch den Kinderarzt.
Auch sollen die Länderprofile zu Ernährung, körperlicher Aktivität und Übergewicht gepflegt werden (2). U.v.m.

Aktionsfeld 8: Intensivierung der Forschung
Die Priorisierung der Forschung auf die Gebiete Gesunde Ernährung und gesunde Bewegungsprofile soll beschleunigt werden. Ergebnisse aus der Verhaltensforschung im unterschiedlichen soziokulturellen Kontext soll stärker berücksichtigt werden. Notwendig ist auch ein verstärkter Austausch von Forschungsdaten in der EU. U.v.m.
Der Aktionsplan richte sich an einen großen Kreis von Akteuren und Stake Holdern.
Neben Vertretern aus NGOs für Familie, Bildung, Verbraucher und Sport sind auch Repräsentanten aus der Industrie (einschließlich Einzelhandel, Gastronomie und Landwirtschaft) und aus Hochschulen und Bildungseinrichtungen angesprochen.
Adipositas gilt aus der Sicht der EU als eine Epidemie, die nicht in singulären Initiativen eingedämmt werden kann.
Das Dokument Aktionsplan zur Adipositas von 2014 – 2020 wird im Anhang abgerundet mit einer Übersicht über relevante Verbundforschungsvorhaben (3).

Zum Weiterlesen:

(1) Europäischen Kommission. (2014) EU-Aktionsplan zur Adipositas von 2014 bis 2020. http://ec.europa.eu/health/nutrition_physical_activity/docs/childhoodobesity_actionplan_2014_2020_en.pdf

(2) Die WHO stellt jetzt neue Länderprofile zum Status von Ernährung und körperlicher Aktivität abrufbar zur Verfügung unter: http://www.euro.who.int/en/health-topics/disease-prevention/nutrition/country-work

(3) Die Projektbezeichnungen im Einzelnen: ENERGY(www.projectenergy.eu); I.Familie (www.ifamilystudy.eu); ToyBox (www.toy-box-study.eu); Habeat (www.habeat.eu ); EarlyNutrition (www.project-earlynutrition.eu ); Full4Haelth (www.full4health.eu ); IDEFICS (www.ideficsstudy.eu ); Neubeginn (www.afresh.region-Stuttgart.de ); PAPA (www.projectpapa.org ); TEMPEST (www.tempestproject.eu ); SPOTLIGHT (www.spotlightproject.eu ) und REPOPA (www.repopa.eu )